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Tödlich verunglückter RadprofiWouter Weylandt hatte Angst

10.05.2011, 16:44 Uhr

Nach dem Unfalltod des Radprofis Wouter Weylandt beim Giro d'Italia wird bekannt, dass der Belgier Angst um seine Sicherheit hatte. In einer SMS an seinen Manager hatte Weylandt Bedenken geäußert. Das Rennen sei sehr gefährlich und nervös. "Das bereitet mir Sorgen."

Weylandt
"Das bereitet mir Sorgen": Wouter Weylandt. (Foto: picture alliance / dpa)

In der Stille des Todes hielt der Radsport-Zirkus für einen kurzen Moment den Atem an. Fassungslosigkeit, Trauer und Entsetzen herrschten nach dem Unfalltod des Belgiers Wouter Weylandt auf der dritten Etappe des Giro d'Italia. Vor dem Start zum vierten Teilstück legten Teams und Fahrer eine Schweigeminute ein, doch von Ruhe war da schon keine Spur mehr. Der Tod des 26 Jahre alten Teamkollegen von Jens Voigt, Fabian Wegmann und Dominic Klemme beim Team Leopard hat eine Diskussion um die Sicherheit der Fahrer losgetreten.

Offenbar war sich Weylandt der Gefahren der Rundfahrt bewusst. Wie die belgische Tageszeitung "Het Laatste Nieuws" berichtet, schrieb er seinem Manager Jef van den Bosch nach dem Start in einer SMS, dass das Rennen sehr gefährlich sei, es werde nervös gefahren. "Das bereitet mir Sorgen." Der Belgier hatte am Montag auf der Abfahrt vom Bocco-Pass bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über sein Rad verloren und war mit dem Kopf auf den Asphalt geknallt. Noch auf der Straße kämpften die Ärzte um sein Leben. Vergeblich. Weylandt starb an der Unfallstelle an einem Schädelbasisbruch und schweren Gesichtsverletzungen.

"Man konnte es kommen sehen"

Während für die einen Weylandts Unfalltod "ein schrecklicher Zufall" ist, wie die italienische Sporttageszeitung "Corriere dello Sport" schrieb, sehen andere darin ein vermeidbares, ja absehbares Unheil. "Man konnte es kommen sehen. Es gab viele gefährliche Kurven, aber nicht ein Warnschild oder eine gelbe Flagge, die das anzeigte", sagte der spanische Radprofi Pablo Lustras, der die Etappe als Dritter beendet hatte: "Jegliche Sicherheitsvorkehrungen glänzten durch Abwesenheit."

Nicht minder deutlich äußerte sich Lustras Landsmann Luis Angel Mate, der von einem schwarzen Tag sprach. "Im Radsport müssen sich viele Dinge verbessern, aber zuallererst unsere Sicherheit", sagte der Profi des Cofidis-Teams: "Viele Stürze, viele Verletzungen - und jetzt das. Mir fehlen die Worte." Konsequenzen daraus zog Tyler Farrar aus den USA. Der Freund und Trainingspartner Weylandts wird nicht mehr antreten.

Während die Staatsanwaltschaft der norditalienischen Stadt Chiavari die Ermittlungen aufgenommen und eine Autopsie des Leichnams im Krankenhaus von Lavagna angeordnet hat, kündigte Giro-Chef Angelo Zomegnan - ohne ins Detail zu gehen - Konsequenzen und verstärkte Sicherheitsvorkehrungen an. "Es ist ein schrecklicher Tag, so wie jeder Tote im Sport schrecklich ist." Ob und inwieweit allerdings tiefgreifende Änderungen folgen, ist fraglich. "Spektakel oder Sicherheit", schrieb die renommierte spanische Zeitung El Pais zur Unfall-Problematik. Stürze, so scheint es, gehören zum Radsport dazu. Oder, wie es der spanische Profi Juan Antonio Flecha ausdrückt: "Alles scheint Teil des Spektakels zu sein."

Quelle: sid