Norris düpiert SilberpfeileMcLarens "großer Sprung" schockiert Mercedes

Mercedes dominiert die ersten drei Rennen der Formel-1-Saison, dann pausiert die Königsklasse wegen des Krieges am Golf. Beim Mini-Re-Start in Miami gibt plötzlich Weltmeister Lando Norris im McLaren den Ton an. Die Silberpfeile sind getroffen.
Lando Norris war nach seinem Befreiungsschlag in Miami erleichtert. "Ich freue mich einfach, wieder hier zu sein", sagte der McLaren-Pilot lachend, "es ist schon eine Weile her." Hatte der Weltmeister in den ersten Wochen der Saison bittere Rückschläge einstecken müssen, meldete er sich mit der Pole Position im Sprint-Qualifying eindrucksvoll zurück - und sorgte für Stirnrunzeln bei der Konkurrenz.
"Es ist schon ziermlich überraschend, wie groß der Sprung bei McLaren und Ferrari war. Das ist verdammt beeindruckend", sagte George Russell, der in seinem zuvor dominanten Mercedes nur den sechsten Platz erreichte: "Wir wussten zwar, dass sie den Rückstand wahrscheinlich aufgeholt hatten. Aber den ganzen Tag über waren sie schneller als wir." Immerhin schaffte es WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli im anderen Silberpfeil auf Rang zwei, doch der Italiener lag deutlich hinter Titelverteidiger Norris zurück und nur knapp vor Oscar Piastri im zweiten McLaren.
Auch Ferrari-Pilot Charles Leclerc attestierte McLaren einen gewaltigen Fortschritt. "McLaren hat einen großen Schritt nach vorne gemacht, aber ich hatte das Gefühl, dass sie ihre ersten Rennen der Saison nicht wirklich optimal genutzt haben. Sie waren zwar immer vorne dabei, haben aber nicht alles zusammen bekommen", sagte der Monegasse, der im roten Renner Vierter wurde.
McLaren-Chef traut dem Braten noch nicht so recht
"Diese Strecke hat uns schon immer gut gelegen", sagte Norris, der 2024 auf dem Kurs rund um das Hard-Rock-Stadium der Miami Dolphins seinen ersten Sieg in der Formel 1 gefeiert hatte. Und auch in diesem Jahr hat der Engländer beste Chancen, die zahlreichen Upgrades am runderneuerten McLaren funktionieren in Kombination mit den angepassten Regeln für die Motoren offenbar glänzend. "Wir wussten, dass das, was wir mitgebracht haben, einen Fortschritt bedeuten würde. Und das ist auch der Fall", rekapitulierte der 26-Jährige, der in dieser Saison noch nicht das Podium erreicht hat.
Es ist das erste Rennwochenende nach einer fünfwöchigen Pause. Wegen des Iran-Kriegs wurden die Grands Prix in Bahrain und Saudi-Arabien abgesagt. Die Formel 1 nutzte die Zeit, um Regeländerungen zu verabschieden, die in Miami erstmals greifen: Im Qualifying müssen die Fahrer nun weniger Energie sparen und können wieder mehr Vollgas geben. Die Teams wiederum versuchten bei ihren Autos nachzubessern.
"Das Wochenende hat gerade erst begonnen, aber wir haben bereits einige ermutigende Anzeichen dafür, dass die Upgrades die erwarteten Ergebnisse liefern", sagte McLaren-Teamchef Stella. Der britische Traditionsrennstall hatte die Vorsaison dominiert, nach der Regelrevolution aber einen Stotterstart in die Saison 2026 hingelegt. Der Italiener trat schnell auf die Euphoriebremse: "Bevor wir es ein Comeback nennen, wollen wir noch ein bisschen abwarten, wie das Wochenende verläuft." Was die Rundenzeit angehen, sei die McLaren-Leistung im Sprint-Qualifying zwar eine "Wende", so Stella: "Aber Mercedes war letztlich dicht dran. Wir haben auch gesehen, dass Red Bull, Ferrari und McLaren wettbewerbsfähiger geworden sind."
Weltmeister Max Verstappen, der in den ersten Grands Prix die Rolle des Dauernörglers an den neuen Regeln eingenommen hatte, kam in Miami besser zurecht als vor der Formel-1-Pause. Der viermalige Weltmeister raste im Red Bull auf Position fünf für das Sprintrennen am Samstag (22 Uhr/Sky und im ntv.de-Liveticker). Der Grand Prix von Miami ist für Sonntag (22 Uhr) angesetzt. Für den Renntag ist allerdings heftiges Unwetter vorhergesagt.