Fußball

Gejagt nur noch von Ronaldo Das vergessene Tor-Phänomen Ali Daei

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Ali Daei, Weltrekordtorjäger und vorbildlicher Schnäuzerträger.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Dass Ali Daei im Weltfußball nochmal eine sehr prominente Rolle einnehmen würde, wer hätte das gedacht? Aber seit dem späten Dienstagabend redet die Fußball-Welt eben wieder über Daei. Weil er nun der letzte "Gegner" des Tor-Monsters Cristiano Ronaldo ist.

Über Ali Daei gibt es Dinge, die muss man eigentlich nicht wissen. Im Jahr 2000 zum Beispiel war der Iraner der einzige Fußballer in der Bundesliga, der Schnurrbart trug. Damals stürmte er für Hertha BSC. Noch unwichtiger ist nur: 15 Jahre zuvor, also 1985, waren es noch 162. Es war das Rekordjahr des umstrittenen Gesichtshaars. Über Daei gibt es aber auch Dinge, die man unbedingt wissen sollte. Denn der 51-Jährige ist noch immer der Spieler mit den meisten Toren für (s)eine Nationalmannschaft. 109 Mal hat er für den Iran getroffen. In 149 Spielen.

Dieser Rekord wackelt. Ali Daei wird gejagt. Von einem Monster. Als erst zweiter Fußballer der Geschichte hat Cristiano Ronaldo am Dienstagabend die magische Marke von 100 Toren für (s)ein Nationalteam geknackt. Per Doppelschlag in der Nations League gegen Schweden hat der 35-Jährige seine herausragende Bilanz von 99 auf 101 gestellt. Und mutmaßlich niemand hat Zweifel daran, dass das nicht die finale Zahl von Ronaldo für Portugal ist. Acht Tore für den eingestellten und neun Tore für einen neuen Rekord - für Ali Daei wird's eng.

Und Daei kann nichts mehr tun. Ein letztes Mal lief er am 21. Juni 2006 für sein Land auf. Beim Sommermärchen in Deutschland rettete er als Kapitän, nicht aber als Torschütze, mit dem Iran ein 1:1 (0:0) gegen Angola. Sohrab Bakhtiarizadeh hatte in der 75. Minute die Führung der Afrikaner durch Flavio (60.) ausgeglichen. Das Turnier - und die internationale Karriere von Daei - endeten mit einem kleinen Erfolgserlebnis. Trotz des letzten Platzes in der Gruppe D. Die gewann Portugal. Mit Cristiano Ronaldo. Der schoss sein einziges Turniertor übrigens gegen den Iran (Ali Daei spielte in dieser Partie allerdings nicht mit). Sachen gibt's.

Fröhlich verhindert Daeis Dreierpack

Doch nicht nur der letzte Auftritt im Trikot des "Team Melli" verbindet Daei mit Deutschland. Bei drei Vereinen aus der Bundesliga stand der 192 Zentimeter große Angreifer unter Vertrag. Und, jaja, einer davon war der FC Bayern. Dorthin war er von Arminia Bielefeld gewechselt, seiner ersten Station in Deutschland. In der Saison 1998/99 spielte der Mittelstürmer beim Rekordmeister an der Seite von Stefan Effenberg, Lothar Matthäus und Mario Basler. Er duellierte sich im Angriffszentrum mit den Legenden Giovane Elber, Carsten Jancker und Alex Zickler. Und Daei erzielte in 23 Ligaspielen sechs Tore. Sein vermutlich bestes Spiel für die Münchner machte er am 20. September 1998, als er gegen den Hamburger SV drei Treffer erzielte. Nur zwei zählten indes. Beim dritten Tor sah Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich eine Abseitsstellung, die es aber nicht gegeben hatte.

Für seine drei deutschen Arbeitgeber lief er insgesamt 146 Mal auf, erzielte 25 Tore, bereitete sieben vor. Und auch wenn er nur ein Jahr beim FC Bayern gespielt hat und in den (fiesen) Auflistungen der größten Sturmflops der Münchner stets einen prominenten Platz einnimmt (wir würden widersprechen!), erinnert er sich gerne an die Zeit in der Mannschaft von Ottmar Hitzfeld zurück. "Beim FC Bayern hat es mir schon am besten gefallen", sagte er vor drei Jahren im Gespräch mit einer ntv-Mitarbeiterin.

Einen großen Abend erlebte Daei aber auch mit der Hertha: In der Gruppenphase der Champions-League-Saison 1999/2000 besiegte der Iraner den FC Chelsea im Alleingang. Beim 2:1-Erfolg traf er per Kopf (3.) und mit einem Rechtsschuss (70.). Torwart der Londoner war damals der legendäre Ed de Goey. Die Abwehr wurde von zwei französischen Weltmeistern organisiert: von Marcel Desailly und Frank Leboeuf. Und im Mittelfeld ordnete der legendäre Didier Deschamps. Nicht ganz so glanzvoll strahlt dagegen sein bestes Länderspiel: Der Viererpack in der asiatischen WM-Qualifikation am 17. November 2004 gegen Laos, das Spiel endete 7:0. Beim 19:0 des Iran gegen Guam hätte es vier Jahre zuvor so viel einfacher sein können, da beließ Daei es aber bei gnädigen drei Treffern. Wenn sich das nicht bald mal rächt.

Über Ali Daei gibt es übrigens noch ein Ding, das man unbedingt wissen sollte. Die Fans der Arminia liebten den Stürmer vom ersten Tag an und sangen auf die Melodie des Boney-M.-Klassikers "It’s a Holi-day" in schönstem Stadion-Gegröle: "Hooray, hooray it’s Ali, Ali Daei"

Quelle: ntv.de