"Was sie uns angetan haben ..."FC Barcelona jammert, wütet - und beschwert sich schon wieder

Nach dem Viertelfinal-Aus in der Champions League wütet der FC Barcelona über den Schiedsrichter - schon wieder. Der Boss eskaliert und fordert Antworten.
Der FC Barcelona fliegt dramatisch aus der Champions League, der mitreißende 2:1-Sieg im brodelnden Estadio Metropolitano bei Atlético Madrid reicht nach dem 0:2 aus dem Hinspiel nicht zum Einzug ins Halbfinale. In die Niedergeschlagenheit der Katalanen mischt sich schnell Wut - auf den Schiedsrichter. Wie schon nach dem Hinspiel, als Barça sich von Schiedsrichter Istvan Kovacs und dem deutschen VAR Christian Dingert betrogen fühlte, will man bei der UEFA eine offizielle Beschwerde einreichen, verkündete der wiedergewählte Präsident Joan Laporta am Tag nach dem Spiel.
"Sowohl der Schiedsrichter als auch der Videoassistent war eine Schande. Eine Schande. Das ist nicht zu tolerieren. Schon im Hinspiel bekamen wir keinen Elfmeter gepfiffen und zudem haben sie einen Spieler von uns vom Platz gestellt, wobei es eigentlich eine Gelbe Karte war", wütete Laporta vor Reportern.
"Spiel wurde uns geraubt"
Schiedsrichter Clement Turpin hatte das vermeintliche 3:1 für Barça wegen einer knappen Abseitsstellung von Torschütze Ferran Torres wieder zurückgenommen, später schickte der Franzose Verteidiger Eric Garcia wegen einer Notbremse vom Feld. "Der Schiedsrichter entschied sich für eine Gelbe Karte und der VAR ließ ihn die Entscheidung korrigieren. Eine weitere falsche Entscheidung. Das Tor von Ferran war ein Tor und das Foul an Olmo ein Elfmeter", wütete Laporta - und hatte seine Einschätzungen weitestgehend exklusiv.
Jedenfalls außerhalb seines Klubs: Der seit Wochen verletzte Flügelstürmer Raphinha hatte noch in den Katakomben des Metropolitano getobt: "Das Spiel wurde uns geraubt, die Schiedsrichterleistung war sehr schlecht." Atléti-Torwart Juan Musso konterte scharf: "Was für ein Raub? Ich respektiere jede Meinung, aber tun wir nicht so, als wäre es ein Raub gewesen. Denn das war es nicht. Im Fußball ist es eine Rote Karte, wenn der letzte Mann foult. Von einem Raub zu reden, ist verrückt."
Barça-Legende Thierry Henry schickte bei CBS eine klare Ansage an seinen Ex-Klub: "Wir können die ganze Nacht über den Schiedsrichter reden, aber wir müssen auch selbstkritisch sein, und es gibt viele Dinge, die verbessert werden müssen, und das muss auch geschehen. Wenn sich nichts ändert, werden wir in den nächsten zehn Jahren weiterhin dasselbe erleben, und das ist eine Schande."
Für den ehemaligen französischen Super-Stürmer verhindert Barcelonas kamikazeartige Verteidigungsweise unter Flick, dass die Mannschaft Spiele wie das gegen Atlético Madrid übersteht – eine Mannschaft, die darauf spezialisiert ist, die Fehler des Gegners auszunutzen
"Der besitzt keine Scham"
Die Beschwerde nach dem Hinspiel, als Barça sich noch mit einigem Recht um einen Elfmeter betrogen sah, hatte die UEFA als "unzulässig" abgewiesen. Nun werde man nachlegen, schäumte Laporta. "Ich gehe davon aus, das hat mir auch der [geschäftsführende] Präsident Yuste gesagt, dass eine weitere Beschwerde eingereicht wird. Was sie uns gestern wieder angetan haben, ist nicht hinnehmbar. Wer behauptet, die Schiedsrichter würden Barça bevorteilen, besitzt keine Scham. Diejenigen müssen sich nur diese Champions-League-Runde anschauen."
Eine Aussicht auf Erfolg hat auch die neuerliche Beschwerde nicht. Die Entscheidungen Turpins, die Laporta in seiner Tirade als vermeintlichen Beweis für die Benachteiligung anführte, waren allesamt mindestens nachvollziehbar bis objektiv unangreifbar.