Fußball

"Schlichtweg kriminell" Foul an Messi empört Spanien

Die Nachspielzeit läuft, als Tomas Ujfalusi von Atletico Madrid zur Grätsche gegen Weltfußballer Lionel Messi ansetzt. Weinend wird der Barcelona-Star nach dem brutalen Foul vom Platz getragen, Erinnerungen an den Beinbruch von Diego Maradona 1983 werden wach. Messi hat Glück im Unglück, Ujfalusi steht dennoch am Pranger - und leistet öffentlich Abbitte.

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Lionel Messi fällt mindestens zwei Wochen aus, hat sich aber nicht wie befürchtet einen Beinbruch zugezogen.

(Foto: REUTERS)

Es hätte nicht viel gefehlt, und die Fußball-Welt hätte monatelang ohne die Künste des Lionel Messi auskommen müssen. Der Argentinier wurde beim 2:1-Sieg seines Clubs FC Barcelona bei Atlético Madrid von Tomas Ujfalusi so brutal umgetreten, dass den TV-Zuschauern in ganz Spanien vor Schreck der Atem stockte. Der frühere HSV-Profi hatte dem besten Fußballer der Welt seine Stollen mit solcher Wucht gegen den rechten Knöchel gerammt, dass das Fußgelenk komplett umknickte.

Messi wurde weinend auf einer Trage vom Platz gebracht. Der lädierte Knöchel war dick angeschwollen. Auf Krücken verließ der Dribbelkünstler das Madrider Calderón-Stadion. Am Montag gaben die Barça-Mannschaftsärzte Entwarnung: Messi hat sich keinen Knochenbruch zugezogen. Der Weltfußballer des Jahres 2009 habe eine Bänderdehnung erlitten und müsse wenigstens anderthalb Wochen pausieren.

Rote Karte für den "Holzhacker"

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Die Empörung über die Attacke gegen Messi war in Spanien einhellig.

(Foto: dpa)

Die Bilder von dem brutalen Foul des Atlético-Verteidigers und dem lädierten Fußgelenk des Torjägers lösten in Spanien eine Welle der Empörung aus. Die Presse stellte den Tschechen Ujfalusi, der für seine Attacke die Rote Karte erhielt, als "Holzhacker" und "Treter" an den Pranger. "Das war ein Angriff auf die Kunst des schönen Fußballs", empörte sich das Fachblatt "Sport". Das Konkurrenzblatt "El Mundo Deportivo" bezeichnete das Foul als "schlichtweg kriminell", und die Zeitung "El Periódico" meinte: "Messi wurde gejagt und erlegt."

Ujfalusi bat öffentlich um Entschuldigung. "Es tut mir leid, ich wollte Messi nicht verletzen", sagte der Abwehrspieler mit der Rockermähne, der von 2000 bis 2004 für den Hamburger SV gespielt hatte. Er sei im Kampf um den Ball zu spät gekommen und mit dem Fuß auf dem Knöchel des Argentiniers gelandet. "Ich steige hart ein, aber immer im Kampf um den Ball. Ich bin kein Spieler, der auf eine Verletzung des Gegners aus ist. Das ist nicht mein Stil."

Längere Sperre wahrscheinlich

Dem Tschechen droht jedoch eine längere Sperre. Der Schiedsrichter hielt nämlich im Spielbericht fest, dass Ujfalusi keine Chance hatte, den Ball zu spielen. Dabei war die Partie zum Zeitpunkt des Foulspiels praktisch entschieden. Es lief bereits die Nachspielzeit, Barça kontrollierte das Spiel souverän und hätte statt mit 2:1 auch mit 4:1 oder 5:1 in Führung liegen können. Mit dem Foul an Messi entlud sich möglicherweise der enorme Frust von Ujfalusi darüber, dass der Argentinier immer wieder mit dem Ball am Fuß durch die Atlético-Abwehr spazierte - gerade so, als hätte er die Lederkugel mit einem unsichtbaren Faden an sein Bein festgebunden.

Ujfalusi war in Spanien eigentlich nie als rüder Treter in Erscheinung getreten. Zuletzt gehörte er sogar zu den tragenden Säulen im Team des Europa-League-Siegers. Er dürfte selbst darüber erleichtert sein, dass die Verletzung von Messi sich als halbwegs glimpflich erwies. So bleibt ihm ein Schicksal wie das von Andoni Goikoetxea erspart. Der Baske wird zeit seines Lebens als der Fußballer in Erinnerung bleiben, der im September 1983 dem damaligen Barça-Star Diego Maradona das Bein brach. Das "brutalste Foul der Fußballgeschichte", wie es damals hieß, brachte dem Athletic- Verteidiger den Beinamen der "Schlächter von Bilbao" ein.

Quelle: n-tv.de, dpa

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