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Droht Fußballerinnen der Tod?Iranerinnen flüchten zur Polizei, Trump warnt Australien vor "schwerem Fehler"

09.03.2026, 17:30 Uhr
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Fans versuchen nach dem Spiel, einen Bus zu blockieren, in dem iranische Spielerinnen sitzen. (Foto: picture alliance/dpa/AAP)

Um Irans Fußballerinnen gibt es nach dem Aus beim Asien-Cup große Sorgen, weil sie beim ersten Spiel das Singen der Nationalhymne verweigert hatten. Fünf von ihnen flüchten nun offenbar zur Polizei.

Fünf Spielerinnen der iranischen Fußball-Nationalmannschaft haben sich nach dem Aus bei der Asienmeisterschaft offenbar aus Angst vor Repressalien von ihrem Team abgesetzt. Das Quintett habe das Mannschaftshotel in Australien verlassen und Schutz bei der Polizei gesucht, berichtet der TV-Sender CNN. Nach dem Vorrunden-Aus hatte es große Sorgen um die Nationalspielerinnen gegeben. Weil die Mannschaft beim ersten Vorrundenspiel gegen Südkorea (0:3) auf das Singen der Nationalhymne verzichtet hatte, befürchteten Menschenrechtsgruppen nach der Rückkehr in die Heimat Repressalien.

Der Verzicht auf die Hymne war als offener Protest gegen die Führung gewertet worden, ein Kommentator bezeichnete die Spielerinnen im Staatsfernsehen als "Kriegsverräterinnen" und forderte Konsequenzen. Vor den Spielen gegen Australien (0:4) und die Philippinen (0:2) hatten die Spielerinnen dann wieder die Hymne gesungen und dabei salutiert. Ob zuvor Druck ausgeübt worden war, blieb unklar.

Sorgen gibt es dennoch, die Rufe nach Unterstützung werden lauter. Nach Politikern, Menschenrechtsaktivisten und der "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling setzte sich zuletzt auch Reza Pahlavi, der älteste Sohn des ehemaligen Schahs, für das Team ein. Er rief Australiens Regierung zum Schutz auf. Pahlavi forderte, "für ihre Sicherheit zu sorgen und ihnen jegliche benötigte Unterstützung zu gewähren". Der Sohn des letzten Schahs positioniert sich aus dem Exil heraus seit Jahren als möglicher Anführer eines demokratischen Übergangs in Iran.

Am Nachmittag mischte sich auch US-Präsident Donald Trump ein: Er forderte Australien öffentlich auf, den Spielerinnen Asyl zu gewähren. Das Team solle nicht in die Heimat zurückgeschickt werden, so Trump, dort drohe den Spielerinnen "sehr wahrscheinlich" der Tod. Trump kritisierte auf seinem Netzwerk Truth Social die Regierung in Canberra scharf und sprach von einem "schweren", vor einem "schrecklichen humanitären Fehler". Der US-Präsident wandte sich direkt an den australischen Premierminister Anthony Albanese: "Die Vereinigten Staaten werden sie aufnehmen, wenn Sie es nicht tun", schrieb er. Später erklärte Trump dann: "Ich habe gerade mit [...] Albanese über die iranische Frauenfußballnationalmannschaft gesprochen. Er kümmert sich darum!"

"Rettet unsere Mädchen"

Offen ist aber, ob überhaupt alle Spielerinnen Schutz oder gar Asyl wollen. Viele müssten bei einem Verbleib in Australien wohl Konsequenzen für ihre Familien in der Heimat fürchten, einige von ihnen haben Kinder. In der Pressekonferenz nach dem letzten Spiel sagte Nationaltrainerin Marziyeh Jafari: "Wir warten voller Ungeduld auf unsere Rückkehr. Ich persönlich möchte so schnell wie möglich in mein Land zurückkehren und bei meinen Landsleuten und meiner Familie sein."

Nach dem letzten Spiel war es bei der Abreise aus dem Stadion zu chaotischen Szenen gekommen. "Rettet unsere Mädchen" und "Regimewechsel für Iran" riefen Hunderte im Regen wartende Fans, einige versuchten, aus Sorge um die Mannschaft sogar die Abfahrt zu verhindern. Doch die Polizei schritt ein, und wenig später war der Bus in der Dunkelheit verschwunden. Auf Videos ist zu sehen, wie einige der im Bus sitzenden Spielerinnen die Fans mit ihrem Handy filmten und winkten, andere starrten nach vorne, eine Person zog den Vorhang zu. Die Angst war offensichtlich: Einen Tag später ergriffen zumindest fünf von ihnen die Flucht zur Polizei. Wohin die Reise der anderen führt, blieb unklar.

Quelle: ntv.de, tno/sid

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