Fußball

River Plate gegen Boca Juniors Streit um Superclásico spitzt sich zu

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Warten auf den Anpfiff: Fans von River Plate am Samstag in Buenos Aires.

(Foto: imago/Agencia EFE)

Nach der Bus-Attacke und dem Chaos vor dem zweite Finale um die Copa Libertadores zwischen River Plate und Boca Juniors streiten nun sich alle darum, wann, wo und ob die Partie stattfindet. Der südamerikanische Verband entscheidet, die Fronten verhärten sich.

Verzögert, vertagt, abgesagt und nun für Dienstag auf anderer Ebene neu angesetzt: Dem Disput um die höchste Klubkrone im südamerikanischen Fußball droht nun am Sitz des kontinentalen Verbandes Conmebol in Paraguay ein weiteres unrühmliches Kapitel. Und beim verzweifelten Versuch, das Final-Rückspiel um die Copa Libertadores auszutragen, gar der endgültige K.o. am grünen Tisch. Wie geht es nach der heimtückischen Attacke einiger River-Plate-Fans am Samstag mit Flaschen- und Steinwürfen auf den Mannschaftsbus von Boca Juniors weiter? Es folgte zunächst noch am Samstagabend ein Gentlemen's Agreement beider Klubs, das zunächst zu einer 24-stündigen Verlegung des Final-Rückspiels führte.

Es folgten am Sonntag neue Grabenkämpfe beider Klubs, die in der vorläufigen Absage des brisanten Derbys von Buenos Aires mündeten. Die Boca Juniors wollten nach dem Horror auf der Fahrt ins Estadio Monumental de Nunez, bei dem zwei Spieler von Splittern der zerborstenen Fensterscheiben am Auge verletzt wurden, weitere nach Einsatz von Tränengas durch die überforderten Polizisten über Übelkeit klagten, sowie alle danach unter Schock standen, am Wochenende verständlicherweise nicht spielen.

Nun stebt der Klub eine rechtliche Entscheidung an. "Es gibt eine autonome Kommission bei der Conmebol, die unseren Antrag überprüfen muss. Man hat uns Dienstag zu einer Besprechung eingeladen. Aber dort werde ich wiederholen, was ich hier und heute sage. Sie mögen das 15-seitige Dokument lesen und uns eine formale Antwort geben. Danach sehen wir weiter", sagte Bocas Präsident Daniel Angelici. Das Schreiben erreichte den Verband am Sonntag.

"Die Partie wird stattfinden"

Ob es nach dem 2:2 im Hinspiel nun einen Sieger auf dem Rasen geben wird, hängt vor allem vom ominösen Paragrafen 18 des Conmebol-Reglements ab, der alle möglichen Strafen für River Plate nach dem Ausraster seiner Fans vorsieht. Boca pocht seit Sonntag auf den Passus, der den Klub zum Gewinner erklärt. Für den Verband, der angesichts der weltweit ausgestrahlten Fernsehbilder vom Chaos und unter den Augen des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino schwer an Kredit verlor, wäre das das nächste Horror-Szenario.

Da der Vorfall aber außerhalb des Stadion-Sicherheitsringes geschah, und damit River Plate um die Schuldfrage herumkommen könnte, stellte Conmebol -Boss Alejandro Dominguez am Ende eines offiziellen Kommuniques klar: "Die Partie wird stattfinden." River-Präsident Rodolfo D'Onofrio sagte: "Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass gespielt wird. Im River-Stadion und mit Publikum. Falls Boca wirklich die Punkte kampflos haben will, ist es ein Wortbruch." Der Schulterschluss von Samstag gegen die Conmebol, die unbedingt spielen lassen wollte, hält längst nicht mehr. Unterdessen bot sich die italienische Stadt Genua an, das Spiel auszutragen. Bürgermeister Stefano Anzalone verwies in einem Brief an die Präsidien beider Klubs auf die Beziehung zwischen den Städten, die "sportlich, kulturell und durch den Sport" besonders eng sei. Genua spüre "eine tief sitzende Verbindung zu Ihren beiden Klubs, die von italienischen Auswanderern gegründet wurden", schrieb Anzalone.

Infantino wehrte sich gegen das Gerücht, dass er auf die Austragung des Spiels gedrängt habe. "Aufgrund der falschen Gerüchte möchte ich klarstellen, dass ich zu keinem Zeitpunkt darum gebeten habe, die Partie stattfinden zu lassen", sagte er der Tageszeitung "La Nacion": "Außerdem habe ich niemandem mit Sanktionen gedroht." Die Woche steht in Buenos Aires im Zeichen des G20-Gipfels mit den Regierungschefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländern.

Wegen angekündigter Proteste gegen die wirtschaftliche Krise am Rio de la Plata werden alle Sicherheitskräfte eingespannt sein. Ein Sieger muss aber bis zum 18. Dezember gefunden werden, wenn der Libertadores-Cup-Champion sein erstes Spiel bei der Fifa-Klub-WM bestreitet. Alle spekulieren nun auf den 8. Dezember, wenn in Argentinien Maria Empfängnis als Feiertag zelebriert wird. Heute mehr als fraglich, ob dies zu einer friedvollen Fiesta zwischen River und Boca ausreicht. Für die Gewalt im argentinischen Fußball muss zudem eine andere Lösung her.

Quelle: n-tv.de, Heiner Gerhardts, sid

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