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Deutscher Trainer im FokusWie ein Spionage-Skandal Englands Aufstiegs-Endspiel überschattet

23.05.2026, 13:13 Uhr
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"Spygate" - was nach einem Agententhriller klingt, ist die Überschrift zu den diesjährigen Championship-Playoffs, dem Kampf um den Aufstieg in Englands Premier League. Im Fokus: ein deutscher Trainer.

Spionage-Affären kennt man nicht nur aus der Wirtschaft, aus den internationalen Beziehungen (vor allem unter Großmächten), sondern auch aus dem Sport. In der Formel-1-Saison 2007 disqualifizierte der Automobil-Weltverband den Rennstall McLaren. Zuvor war - mithilfe des enttäuschten McLaren-Piloten Fernando Alonso - herausgekommen, dass die Briten bei Hauptkonkurrent Ferrari geschnüffelt hatten.

Vor dem Aufstiegs-Finale zur Premier League, dem Endspiel der sogenannten Championship-Playoffs, erschüttert nun ein Spionage-Skandal den englischen Fußball. Die English Football League (EFL) hat den FC Southampton, der sich sportlich gegen den FC Middlesbrough für das Endspiel gegen Hull City am Nachmittag (ab 15.30 Uhr LIVE bei Sky und auf WOW), qualifiziert hatte, wieder aus dem Finale gekickt. Auch Southampton hatte geschnüffelt.

In der Affäre, die in britischen Medien "Spygate" genannt wird, hat eine unabhängige Kommission den Verein der Spionage für schuldig befunden. Ein Mitarbeiter der Saints spionierte vor dem Playoff-Halbfinal-Sieg (2:1 n.V.) eine Trainingseinheit des FC Middlesbrough aus. Die EFL griff durch und schloss Southampton vom Finale aus, zudem zog die Liga dem Klub vier Punkte für die kommende Saison ab. Klubboss Phil Parsons räumte zwar ein, dass der Verein mit der Spionage gegen die Regeln verstoßen habe, und entschuldigte sich bei Fans und anderen Klubs. Gleichzeitig wetterte er gegen die Härte der Strafe.

Hat Eckert den "Agenten" geschickt

Im Fokus steht auch der deutsche Saints-Trainer Tonda Eckert. Gegen ihn könnte der englische Fußball-Verband FA ermitteln. Sollte bewiesen werden, dass Eckert den Spionage-Einsatz beim Training in Middlesbrough angeordnet hat, könnte er eine Sperre kassieren. In Southampton steht der 33-Jährige sowieso vor dem Aus, obwohl er sportlich eine gute Saison mit den Saints hinlegte, den direkten Aufstieg nur um vier Punkte verpasste.

Brisant: Eckert soll sich indirekt (und vielleicht ungewollt) schuldig bekannt haben. Im Rahmen der Untersuchungen der EFL tauchten laut "The Athletic" belastende WhatsApp-Nachrichten von Eckert an Analysten auf. Der Deutsche soll behauptet haben, er habe nicht gewusst, dass eine solche Spionage in England gegen die Regeln verstoße. Spieler Southamptons sollen derweil rechtliche Schritte vorbereiten, nachdem ihnen durch den Ausschluss mögliche Prämien flöten gehen.

In England zieht sich die Schlinge um Eckert zu. Die Presse stürzt sich begierig auf das "Spygate". Sogar alte Berichte über "Spionage" in der Bundesliga werden dabei herausgekramt. Ende Januar 2015 kam heraus, dass ein "Spion" des 1. FC Köln das HSV-Training in Dubai "infiltrierte". Der Geißbock-Agent machte sich nicht nur während der Einheit Notizen, er gesellte sich später auch noch zu den Journalisten, die den damaligen HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer interviewten. Im Gespräch mit seinen "Kollegen" offenbarte sich der Mann schließlich als FC-Scout.

Quelle: ntv.de, mar

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