Fußball-WM 2018

Pfiffe gegen Gündogan DFB darf die Erdogan-Affäre nicht aussitzen

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Nicht nur das Bild an sich war für viele Fans die falsche Entscheidung - auch der Umgang mit der Erdogan-Affäre wirkt nach.

(Foto: imago/Chai v.d. Laage)

Das Aufreger-Foto von Özil und Gündogan mit dem türkischen Präsidenten klebt dem DFB vor der WM hartnäckig am Stiefel. Von den Fans erwartet der Verband eine Absolution für die Spieler. Die gibt es aber nicht - zu Recht.

Den WM-Titel kann man nicht verteidigen, man muss ihn gewinnen. Dieses Motto hat Joachim Löw schon vor Monaten ausgegeben. Soll heißen: Die Mission "fünfter Stern" muss offensiv angegangen werden. In der Affäre um Ilkay Gündogan und Mesut Özil macht der Deutsche Fußballbund das genaue Gegenteil. Ein taktisch gefährliches Spiel, das so nicht aufgehen kann.

Sie sind überrascht beim Deutsche Fußballbund (DFB), dass es am Freitag bei der Generalprobe gegen Saudi-Arabien Pfiffe gab bei der Einwechslung von Gündogan. Das war nicht nur absehbar, sondern vielmehr die logische Folge aus der Erdogan-Affäre. Wie hätten denn die Fans sonst reagieren sollen? Da lassen sich zwei deutsche Nationalspieler mit einem Staatspräsidenten ablichten, der für all das steht, was in Deutschland zu Recht abgelehnt wird. Fast einen Monat ist das nun her.

Was ist seitdem passiert? Relativ wenig. Ilkay Gündogan hat immerhin erklärt, er habe kein politisches Statement abgeben wollen. Und: Er bekenne sich zu den Werten in unserem Land. Keine Entschuldigung, keine Einsicht und offenbar kein Verständnis dafür, dass die meisten Deutschen sich mindestens im Nachgang etwas mehr Haltung gewünscht hätten.

Fans haben Gespür für Ehrlichkeit

Fußball-Anhänger haben nicht immer, aber sehr oft, ein gutes Gespür für Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit. Sie können auch verzeihen und vergessen - und sie haben schon oft Spielern eine "zweite Chance" gegeben. Beispiele aus der Vergangenheit gibt es genügend. Das Rumeiern von Gündogan und Özil und das Aussitzen des DFB in dieser Sache reichen aber eben nicht für einen Neuanfang. Liga-Boss Reinhard Rauball hat richtig erkannt, dass dieses Thema unterschätzt worden ist.

Wie kann es sein, dass Özil bisher kein einziges Wort dazu verloren hat? Wie kann es sein, dass der DFB es akzeptiert, dass er sich an einem Medientag als einziger Nationalspieler versteckt? Wie kann es sein, dass alle Fragen zu diesem Thema genervt abgebügelt werden? Mehr als zwei Wochen hatten die DFB-Verantwortlichen und insbesondere die Spieler selbst die Möglichkeit, im Trainingslager in Eppan den Deckel auf die Erdogan-Debatte zu legen. Diese Chance ist vertan worden.

So reist die Mannschaft mit einem Rucksack nach Russland, der extrem schwer wiegt. Das war Freitag auf dem Platz zu sehen und in den Interviews zu hören. Der DFB hat mit seiner äußerst defensiven Spielweise in der Erdogan-Affäre die falsche taktische Entscheidung getroffen. Fraglich, ob sie noch zu revidieren ist.

Quelle: n-tv.de

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