Fußball-WM 2018

Der WM-Routenplaner bei n-tv.de Löw muss liefern, Mexiko ohne Mörderpuppe

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Joachim Löw genießt die Sonne an der Promenade von Sotschi.

(Foto: dpa)

An seinem Kraftort Sotschi muss Joachim Löw heute die deutsche Mannschaft wieder in die Spur bringen. Belgien begibt sich stur auf Titelkurs, Mexiko legt gegen wunderliche Südkoreaner nach, wohl ohne ihren Helden Lozano.

Dieses Spiel dürfen Sie nicht verpassen

"Wir haben verstanden", das sagte Horst Seehofer nach dem Debakel der CSU bei der Bundestagswahl, und nun, fast ein Jahr später, fragt sich der Großteil der Republik, wem der Mann überhaupt zugehört hat, vielleicht ja nur den Stimmen in seinem Kopf. Es ist und bleibt ein grundlegende Dilemma der Menschheit: Eine Lektion garantiert noch keine Besserung. Selbst mehrere nicht - fragen Sie nach im Willy-Brandt-Haus, beim HSV und den Veranstaltern des "Echo". Wenn vor dem ersten Endspiel gegen Schweden um 20 Uhr in Sotschi (ARD, Sky/n-tv.de-Liveticker) also in jedem Interview ein "Wir haben verstanden" mitschwingt, taugt das kaum zur Beruhigungspille. Das weiß auch Bundestrainer Joachim Löw: "Die Spieler haben im Training eine Reaktion gezeigt. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Was zählt, das ist morgen."

Die Spiele am Samstag

  • 14 Uhr: Belgien - Tunesien, Moskau
  • 17 Uhr: Südkorea - Mexiko, Rostow
  • 20 Uhr: Deutschland - Schweden, Sotschi

Da stehen die Schweden auf dem Feld, die nun wahrlich keine Holländer sind, das hat man genau gesehen gegen Südkorea, gell, Franz Beckenbauer? In Wahrheit gurkten sie teils wie Schwedenlappen übers Feld, und wenn es den VAR nicht gäbe, sie hätten eine Zlatan-Diskussion am Hals, weil außer Emil Forsberg keiner so recht weiß, wie das mit dem Runden und dem Eckigen so funktioniert, besonders nicht Marcus Berg, der sich bei seiner Riesenchance fünf Meter vor dem Tor wohl daran erinnerte, dass er mal beim HSV war. Aber Tore schießen wollen und müssen sie nicht zwingend, dieser Ansatz hat sie zu veritablen Favoritenschrecks wachsen lassen, und wehe, sie verteidigen wieder wie in den WM-Playoffs gegen Italien. Wie Löws Team die Skandinavier trotzdem knacken könnte, hat Taktikexperte Constantin Eckner schon hier erläutert. Vor allem auf Marco Reus wird es ankommen - ob der Dortmunder die Heilsbringer-Rolle ausfüllen kann, klärt der Kollege Christoph Wolf heute im Laufe des Tages. Die Zeit bis zum Anstoß können Sie sich auch noch mit gehobenen Weissagungen vertreiben - in "So läuft das Spiel", ebenfalls noch heute auf n-tv.de. Alles bereit also für das erste Endspiel. Haben Sie verstanden?

Zeit für ein WM-Päuschen

Joachim Löw joggte die vergangenen Tage so dermaßen beseelt durchs sonnige Sotschi, man konnte glauben, er sondiere in jeder freien Minute den Immobilienmarkt an der russischen Riviera. In jede verfügbare Kamera grinste er seine Botschaft: Hier bin ich Genussmensch, hier darf ich's sein - und hier wollte ich immer hin, nicht in diesen Hotelbunker an der Autobahn. Es wird wohl einige Überzeugungsarbeit brauchen, den Bundestrainer wieder in den Flieger Richtung Moskau zu bugsieren, und dann in den Bus zu dieser "Sportschule" in der Betonburg Watutinki, die ein bisschen so aussieht, wie sich ein Lebemann aus dem Schwarzwald in den 80er-Jahren Karl-Marx-Stadt vorgestellt haben muss.

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Während Löw sich aufführt wie Mariah Carey bei ihrem jetzt schon legendären Neujahrskonzert am New York Times Square, bei dem sie keinen heißen Tee serviert bekam ("It's a disaster."), lassen sich die Belgier bei ihrer WM-Mission offenbar nicht so leicht ablenken. Nach dem 3:0 gegen Panama am Montag in Sotschi wurde Torwart Thibaut Courtois gefragt, ob er und seine Kollegen sich noch Zeit nehmen würden für einen Strandbesuch. Die Antwort des Chelsea-Goalies: "Nein, wir setzen uns sofort in den Flieger nach Moskau. Urlaub ist was für die Zeit, wenn wir Weltmeister geworden sind." Belgien trifft übrigens heute 14 Uhr in Moskau (ARD/n-tv.de-Liveticker) auf Tunesien, und wahrscheinlich gibt es nicht viel zu sehen außer einen pragmatischen Arbeitssieg von Courtois und Co., den man sich ruhig entgehen lassen kann - die "Roten Teufel" werden noch oft genug spielen in diesem Turnier.

Was verursacht WM-Herzrasen?

Erdbeben wäre wohl das passendere Wort, wenn es um Mexiko geht - auch wenn die Spaßverderber vom "Servicio Sismológico Nacional" behaupten, die Eruptionen in der Hauptstadt während des Triumphs gegen Deutschland wären gar nicht von ekstatischen Fans ausgelöst worden. Bleiben wir lieber bei den alternativen Fakten: Die Mexikaner schleppten beim 1:0 gegen Deutschland also eine Grippe mit sich herum, erklärte Trainer Juan Carlos Osorio unter der Woche. Reife Laufleistung für eine Krankenkompanie.

Und Andrés Guardado sagte allen Ernstes, er habe mehr Angst vor Südkorea als vor Deutschland. Wobei er relativierte: Gegen Deutschland habe Mexiko nichts zu verlieren gehabt, nun dürfe sich sein Team nicht der Selbstzufriedenheit hingeben. "Südkorea wird es uns nicht einfach machen." Stimmt nicht ganz: Mit der wunderlich passiven Ausrichtung im wegweisenden Auftakt gegen Schweden haben sich Heung-Min Son und Co. schon jetzt unter Druck gesetzt - selbst wenn sie im ersten Gruppenspiel einen Punkt ermauert hätten, müssten sie nun gegen Mexiko dringend gewinnen. Das gilt jetzt umso mehr. Und bei Kontern fühlen sich die Mexikaner ja recht wohl …

Wohl nicht dabei übrigens: Der Albtraum der deutschen Abwehr, Hirving "Chucky" Lozano, der sich seinen Spitznamen mit einem Streich verdiente - er versteckte sich unter dem Bett von Mitspielern und erschreckte sie des Nachts zu Tode. Es deutet sich an, dass im Spiel gegen Südkorea Lozano zum Opfer werden könnte - der Rotation seines Trainers Osorio.

Ras, dwa, tri - die Zahl des Tages: 12

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Kein Team wartet seit so vielen Spielen auf einen Sieg bei einer Weltmeisterschaft wie Tunesien - seit dem Last-Minute-K.o. durch "Prince Harry" Kane beim Auftakt gegen England sind es schon zwölf. Interessiert Sie nicht, sagen Sie? Es gibt Wichtigeres am heutigen Tag als Tunesien? Okay, Sie haben es nicht anders gewollt: Seit der Endrunde 2002 mussten drei von vier Titelverteidigern schon nach der Vorrunde die Koffer packen.

Angeberwissen für's Public Viewing

Erinnern Sie sich noch an Packing? DAS heiße Ding bei der Europameisterschaft 2016 (neben dem "Hu!", Dimitri Payet und Nullnummern)? Nun, die Detektive von "watson.de" haben dem verschütteten Trend nachgespürt und herausgefunden: Mehrere Bundesligisten arbeiten mit dem Statistik-Tool, das Spieler und Teams anhand der überspielten Gegner bewertet. Der Anbieter "Impect" veröffentlicht auch während der Weltmeisterschaft die Daten, und die sollte man sich als Deutschland-Fan auf der Zunge zergehen lassen: 60 mal ließ sich ein Verteidiger gegen Mexiko überspielen - und aus dem guten Wert von 45 überspielten Gegnern konnte Löws Team kaum Torchancen kreieren. Schweden übrigens ließ sich von Südkorea nur zehnmal überspielen. Das ist wohl diese sagenumwobene "defensive Stabilität".

Redelings WM-Zeitreise

Viermal trafen Schweden und Deutschland schon bei einer Weltmeisterschaft aufeinander - und zur Feier des Tages begibt sich das wandelnde Fußball-Lexikon Ben Redelings heute auf Zeitreise zur einzigen deutschen Niederlage. Auf den Tag genau vor 60 Jahren bescherten 50.000 frenetische Schweden und ein Schiedsrichter dem Titelverteidiger einen Höllenritt. Den schwedisch-deutschen Beziehungen versetzte das umkämpfte Halbfinale einen schweren Knacks. Lesen Sie die ganze Geschichte heute auf n-tv.de.

Der Spruch zum Spieltag

"Wenn wir online zocken, sind wir manchmal mit 15 Leuten im selben Spiel eingeloggt."
Belgiens Thomas Meunier beruhigt uns Normalsterbliche: Auch einem Haufen Multimillionären fällt in der Freizeit oft nichts Besseres ein, als Playstation zu spielen.

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Quelle: n-tv.de

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