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Bei Mesut Özil gab's während der WM viele Schatten-, aber auch Lichtmomente. Marco Reus kann dagegen mit seinem WM-Debüt zufrieden sein - nicht aber mit dem Abschneiden der Mannschaft.
Bei Mesut Özil gab's während der WM viele Schatten-, aber auch Lichtmomente. Marco Reus kann dagegen mit seinem WM-Debüt zufrieden sein - nicht aber mit dem Abschneiden der Mannschaft.(Foto: dpa)
Donnerstag, 28. Juni 2018

Das Einzelzeugnis der DFB-Elf: Reus merkelt, Özil özilt, Kimmich schult um

Von Tobias Nordmann und Judith Günther

Die Fans sind fassungslos, die Experten schimpfen, die Spieler schonen sich nicht mit Selbstkritik und der Bundestrainer überlegt, wie es für ihn weitergeht. Das blamable Vorrunden-Aus der deutschen Fußballer bei der Weltmeisterschaft in Russland hat tiefe Wunden gerissen. In den Spielen gegen Mexiko, Schweden und Südkorea konnte der Titelverteidiger nie überzeugen. In jeder Partie sah unser WM-Experte Uli Borowka zu viele Ausfälle, um überhaupt einen erfolgreichen Weg ins Turnier zu finden. Wie schlimm war's wirklich? n-tv.de stellt den Spielern das WM-Zeugnis aus.

Die Torhüter

An Manuel Neuer lag's nicht. Auch ohne Wettkampfpraxis spielte er ein gutes Turnier.
An Manuel Neuer lag's nicht. Auch ohne Wettkampfpraxis spielte er ein gutes Turnier.(Foto: imago/Xinhua)

Manuel Neuer: Spielt auch ohne Wettkampfpraxis weltmeisterlicher als "the best" vom "rest". Kassierte zwar in drei Spielen vier Gegentore. War daran aber so schuldlos wie Axel Schulz an seiner Niederlage gegen George Foreman. Der Titan wackelte nur gegen Südkorea einmal, rehabilitierte seinen Flutschfinger aber mit einer Manuel-Neuer-Titanen-Parade. Was er halten konnte, das hielt er auch.

Marc-André ter Stegen: Ist eine stabile Nummer eins. Hat das Pech, dass es mit Neuer eine noch stabilere Nummer eins gibt, die beim DFB sogar nach einer Saison ohne Praxis noch höher eingeschätzt wird.

Kevin Trapp: Spielt im Verein kaum, in der Nationalelf gar nicht. Fiel in Russland daher vor allem wegen seiner hübschen Freundin, dem brasilianischen Supermodel Izabel Goulart, auf. Die sorgte dann auch direkt für den zweiten deutschen #WMGAU. Statt ihren Freund in Kasan zu trösten, tanzte sie in Moskau den Neymar-Samba.

Die Abwehr

Fassungsloser Abwehr-Chef: Mats Hummels.
Fassungsloser Abwehr-Chef: Mats Hummels.(Foto: REUTERS)

Mats Hummels: Bei der Europameisterschaft 2016 stritt er sich im Heldengrätschen-Duell mit Jérôme Boateng noch freundschaftlich um die Chefrolle in der deutschen Abwehr. Ein Duell das angesichts beidseitiger Topleistungen Remis endete. Zwei Jahre später ist die Hierarchie geklärt. Hummels ist der Chef. Er wackelte zwar gegen Mexiko einige Male, wurde von der Konterwut der Mittelamerikaner aber auch in Akkordzweikämpfe gezwungen. Gab dabei lautstark Suchmeldungen nach seinen Nebenleuten ab, die aber hörten ihn nicht, zu weit weg waren sie vom Epizentrum. Konnte gegen Schweden nicht mitmachen – wegen Nacken. Buckelte dafür gegen Südkorea einzig mit Niklas Süle für den Verbleib im Turnier. Hummels gewann 77 Prozent seiner Zweikämpfe, hatte 95 Ballkontakte – nur die Regisseure Mesut Özil und Toni Kroos hatten mehr – und schoss oder köpfte fünfmal aufs Tor. Bei seiner besten Gelegenheit verwechselte er Kopf mit Schulter.

Jérôme Boateng: Der Abwehr-Kaiser startete sensationell in die Weltmeisterschaft. Der ersilberte Abwehrkoloss gönnte sich und seinem Problem-Oberschenkel kein Warmlaufen und heldengrätschte einen wuchtigen Schuss von Hirving Lozano in der ersten Turnier-Minute ins gefahrlose Nirwana. Womöglich war diese erste auch die beste WM-Aktion des Bayern-Verteidigers. Musste sich gegen Mexiko regelmäßig als Tatortreiniger beweisen, arbeitete dabei aber nicht immer mit der gebotenen Sorgfalt. Die vernachlässigte er auch gegen die Schweden, sah kurz vor Ende des Spiels nach einem wilden Gekachel Gelb-Rot (82.). Hatte dagegen schon 70 Minuten zuvor Glück mit dem Schiedsrichter, als er Marcus Berg folgenlos im Strafraum fällte. Auch seine bisweilen genialen Beckenbauer'schen Diagonalbälle waren irgendwie nicht in WM-Form.

Bis auf ein katastrophales Dribbling spielte Antonio Rüdiger solide. Allerdings spielte er auch nur einmal.
Bis auf ein katastrophales Dribbling spielte Antonio Rüdiger solide. Allerdings spielte er auch nur einmal.(Foto: REUTERS)

Antonio Rüdiger: Der Hüne des FC Chelsea spielte einmal. Und das gegen Schweden. Über 90 Minuten. In der kollektiven Wahrnehmung liest sich sein Einsatz so: Oh Gott, oh Gott, der hat aber gewackelt. In Wahrheit stimmt das nur bedingt. Klar, es gab da diese zwölfte Minute, als er entgegen aller Amateurfußballregeln als letzter Mann ins Dribbling ging, den Ball dabei verlor und Boateng zu einem nicht geahndeten Elfmeter zwang. Sonst aber war's so: Er spielte 88 Pässe, nur vier kamen nicht an. Außerdem gewann er 70 Prozent seiner Zweikämpfe. Seine mitunter etwas hektischen Bewegungen lassen ihn somit oft wackeliger erscheinen, als er in Wahrheit ist.

Niklas Süle: Ein Spiel, das aber wie ein Ausrufezeichen. Laut statistischen Daten gewann er zwar nur einen Zweikampf. Geführt hat er aber auch nur zwei. Bedeutet also: Viele Situationen löste der Bayern-Koloss, bevor sie gefährlich wurden. Beeindruckte mit seinen monströsen Sprints gegen die konterfreudigen Koreaner. Ist im Klub ja nach Kingsley Coman der zweischnellste Mann. Unser kompromissloser WM-Experte Uli "die Axt" Borowka schwärmte geradezu: "Er hat seine Arbeit wirklich toll gemacht." Tatsächlich sah keine deutsche Innenverteidigung so gut aus wie in der Besetzung Hummels und Süle. Dass sie mit zwei Gegentoren trotzdem die schlimmste Bilanz hat, liegt bloß daran, dass Deutschland am Ende volles Risiko spielte, um den WM-Gau noch irgendwie zu verhindern.

Unauffällig in jeder Hinsicht: Jonas Hector.
Unauffällig in jeder Hinsicht: Jonas Hector.(Foto: REUTERS)

Jonas Hector: Der FC Chelsea wollte ihn einst verpflichten. Der FC Bayern war interessiert, der BVB ebenfalls. Sogar Barcelona soll um den "Effzeh"-Patrioten gebuhlt haben. Und seine souveränen bis starken Leistungen bei der EM 2016 taugten auch tatsächlich dazu, die großen Vereine anzuspitzen. Doch Hector wollte nie weg aus Köln. Er geht mit dem Klub sogar in die Zweite Liga, verschwindet damit aus dem internationalen Schaufenster. Dort war er auch bei in diesem Turnier nicht zu sehen. Verpasste das Auftaktspiel wegen Grippe, rotierte dann gegen Schweden und Südkorea zurück auf seine Stammposition links in der Viererkette. Sorgte für keine einzige Szene, über die man jetzt noch reden müsste. Bedeutet aber auch: Er machte keinen fatalen Fehler.

Marvin Plattenhardt hatte in der eigenen Mannschaft keinen leichten Stand.
Marvin Plattenhardt hatte in der eigenen Mannschaft keinen leichten Stand.(Foto: AP)

Marvin Plattenhardt: Klassischer Fall von Mobbing. Nach ein, zwei nervösen Momenten in seinem ersten WM-Spiel wurde der Berliner Linksverteidiger erst von seinen Mitspielern und dann von Löw ignoriert - wie er dennoch auf 31 Ballkontakte kam, weiß wohl nur der Turnierstatistiker. Dabei hätten seine Qualitäten der ideenlosen deutschen Mannschaften sehr gut getan. Neben solider Abwehrarbeit schlägt "Platte" nämlich mitunter fantastische Flanken und tritt auch sehr gefährliche Standards (kommt damit aber so oder so nicht an Kroos vorbei).

Matthias Ginter: War an der deutschen Geschichtsschreibung nicht beteiligt. Wurde vom Bundestrainer noch heftiger ignoriert als Plattenhardt. Kann so zumindest behaupten, weder für das "Fiasko Mexicana" verantwortlich zu sein, noch für den schwer bekömmlichen Schweden-Happen und erst recht nicht für die "Kimchi-Katastrophe".

Eher Außenstürmer als Außenverteidiger Joshua Kimmich.
Eher Außenstürmer als Außenverteidiger Joshua Kimmich.(Foto: imago/ActionPictures)

Joshua Kimmich: Der Rechtsverteidiger des FC Bayern hatte eine eigentlich prima Idee für dieses Turnier. Mit seiner Dynamik, mit seiner Spielintelligenz und mit seinen Flanken wollte er der lahmenden deutschen Offensive helfen. Die reizte den 23-Jährigen so sehr, dass er sich selbst vom Abwehrmann zum Außenstürmer umschulte. Im Umschalt-Chaos seiner Kollegen ging das völlig unter – und folglich gegen Mexiko komplett schief. Gegen Schweden fand er die Balance besser, gegen Südkorea dann wieder gar nicht. War in einer Mannschaft, die von unserem WM-Experten Uli Borowka überwiegend den Einsatzwillen abgesprochen bekam, noch einer der Bemühtesten.

Mittelfeld und Angriff

Sami Khedira: Hatte vor dem Turnier zumindest verbal allerhögschde Selbstsicherheit an den Tag gelegt und sich als quasi unverzichtbar für die Startelf aufgestellt. Beim WM-Desaster taumelte er dann mit am hilflosesten in den Abgrund. Lange galt in der Löw'schen Kaderplanung: Solange Khedira fit ist (was in den letzten Jahren selten vorkam), kommt am Weltmeister von Juventus Turin keiner vorbei. Und weil erstere Bedingung zwar erfüllt, die zweite aber schon nach dem von ihm per Ballverlust eingeleiteten "Fiasko Mexicana" nicht mehr gegeben war, dürfte sich die Nationalmannschaftskarriere des 31-Jährigen dem Ende zuneigen. Zu langsam, zu ideenlos, dabei in der Arbeit nach hinten besser als nach vorne (weil so gut wie nicht existent): Das ist der Eindruck, den Khedira hinterlässt. Für das Spiel des DFB war seine Position auf der Doppelsechs eine der problematischsten. Hätte vor der WM auch keiner gedacht.

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Toni Kroos: Sein zuckriger Geniestreich im Schweden-Krimi hätte das Potenzial gehabt, die nicht immer weltmeisterlichen Auftritte des Champions-League-Siegers zu glasieren, sprich: kaschieren. Dazu hätte die Mannschaft allerding mindestens mal das Achtelfinale erreichen müssen, was bekanntermaßen nicht passiert ist. So bleibt ein wunderschöner, aber wertloser Treffer gegen Schweden und die Erkenntnis, dass in einer schwachen Mannschaft auch die deutsche Passmaschine nicht vor kapitalen Böcken gefeit ist. Und während es nach der Europameisterschaft 2016 in Frankreich noch anerkennend hieß, Kroos durchlebe jedes Spiel mit der Entspanntheit eines ruhigen Fernsehabends, konstatieren wir nun: das muss nicht unbedingt als Kompliment gemeint sein.

Ilkay Gündogan: Oliver Kahn hat nach dem WM-Aus gesagt: "Das Nationaltrikot wiegt für die Spieler gefühlt eine Million Tonnen." Wenn dem so ist, dann wog das Leiberl des Mittelfeldspielers von Manchester City mindestens zwei Millionen britische Long tons (das sind umgerechnet 2032093817.6 Kilogramm). Dabei bringt Gündogan eigentlich ein Themenpaket mit, das in der DFB-Elf dringend gesucht, weil rar ist: Ballsicherheit, Spielintelligenz und Torgefahr. Eigentlich, denn von alledem war nüscht, aber auch gar nüscht zu sehen. Wenn er hereinkam (wie im Spiel gegen Schweden) war seine Unsicherheit fast physisch greifbar. Geschmerzt hat das nicht nur beim Zuschauen daheim, sondern übertrug sich auch auf seine Mitspieler. Die Vermutung, dass die "Erdogate"-Affäre samt seiner Quasi-Liebeserklärung an den türkischen Präsidenten Recep Tayip Erdogan und die daraus resultierende Diskussion um seine Person nicht ganz unschuldig ist, liegt nahe.

Verletzter Kurzzeit-Stabilisator: Sebastian Rudy.
Verletzter Kurzzeit-Stabilisator: Sebastian Rudy.(Foto: imago/Chai v.d. Laage)

Sebastian Rudy: Ob sich die mehrfach gebrochene Nase im Spiel gegen Schweden langfristig auf die Optik des Mittelfeldspielers auswirkt, wissen wir nicht. Dafür aber, dass der Kurzauftritt bis zum von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt angeordneten Zwangsabbruch (sorry) seiner Nationalmannschaftskarriere nicht geschadet hat. Im Gegenteil: Er brachte Stabilität ins deutsche Spiel und machte das bemerkenswert souverän für seinen ersten WM-Auftritt. Da fragt man sich schon, warum der Rudy Sebastian in der Rückrunde des FC Bayern München so selten den Mittelkreis aus der Vogelperspektive betrachtet hat.

Leon Goretzka: Dem Bochumer Jung war für die WM - nach gelungenem Confed-Cup-Debüt - eine extrem diffizile Aufgabe zugedacht worden. Goretzka, der in drei Tagen den fliegenden FC-Wechsel von Schalke nach München vollzieht, sollte die lahmende rechte Seite des deutschen Angriffs beleben. Eine Rolle, an der sein künftiger Trainingspartner Thomas Müller zuvor in zwei Begegnungen verzweifelt war. Ist das fair? Eher nicht, und deswegen bleibt festzuhalten: Außer einer gelungenen Pressing-Aktion und einem parierten Wucht-Kopfball konnte auch er keine nachhaltigen Akzente setzen. Daraus kann man ihm aber keinen Vorwurf machen. Seine Zeit im DFB-Team wird kommen, vermutlich schon bei der Euro 2020.

Völlig formlos: Thomas Müller.
Völlig formlos: Thomas Müller.(Foto: imago/Xinhua)

Thomas Müller: Irrt vermutlich immer noch in den geheimen Räumen des Birkenwaldes von Watutinki umher, wo er seine Leichtigkeit zu verloren haben glaubt. Oder war das vielleicht doch ein bisschen länger her? Für Müller gilt jedenfalls gleiches wie für seinen künftigen Co-Piloten Goretzka (von wegen Fairness im Leben). Es drängt sich in Anbetracht vergangener Heldentaten bei Großturnieren in Südafrika (Torschützenkönig) und Brasilien (Weltmeister) der Gedanke auf, dass Müller vielleicht einfach nur acht Jahre älter, nicht aber besser geworden ist. Was sich rasch ändern kann, sollte er in Watutinki (oder woanders) fündig werden. Und dann #esmüllert auch wieder.

Julian Draxler: Wurde nach seinem erfolg-, weil siegreichen Debüt als Confed-Cup-Kapitän dem ultimativen WM-Stresstest unterzogen. Im Löw'schen Sinne bedeutet das: Startelf, und zwar zweimal gegen Mexiko und Schweden. Als Flügelspieler war der Profi von Paris Saint Germain dann allerdings doch eher ein Flügelspielerchen. In Erinnerung bleiben eine vergebene Großchance gegen Schweden (Comment peut-il juste tirer dessus?), gefühlte 234 Übersteiger und die Frage, ob Draxler sein Repertoire mittelfristig ausbauen kann. Als Bewerbungsvideo auf einen Stammplatz für seinen künftigen Vereinstrainer Thomas Tuchel taugte der Auftritt jedenfalls … bedingt.

(Foto: imago/Schüler)

Marco Reus: Überträgt man die Merkel'sche "Koalition der Willigen" auf die DFB-Truppe, dann war die BVB-Offensivkraft (in diesen Tagen ein einsamer Posten im bajuwarisierten DFB-Team) so was wie der Oberkoalitionär unter zwar willigen, aber nicht immer fähigen Spitzenkräften. Er hatte ja auch lange genug auf seinen ersten Einsatz als weltmeisterlicher Nationalspieler gewartet, weil seit seinem Debüt für die Mönchengladbacher Borussia in der Saison 2009/2010 aufaddierte 828 Ausfallstage zusammengekommen waren. Das muss man sich mal reinziehen. Sieht man mal davon ab, dass sich Reus im großen #zsmmnbrch bestens ins totalausgefallene Kollektiv einfügte, sorgte der 29-Jährige ansonsten immer wieder für torgefährliche Szenen und damit für Schnappatmung beim Gegner - vor allem im Zusammenspiel mit Timo Werner. Was hätte da alles … ach, überlassen wir den Rest Lothar Matthäus.

Starke Pässe und lange Abtauchphasen - so liest sich das WM-Zeugnis von Mesut Özil.
Starke Pässe und lange Abtauchphasen - so liest sich das WM-Zeugnis von Mesut Özil.(Foto: imago/Moritz Müller)

Mesut Özil: Der Edeltechniker vom FC Arsenal galt wegen seiner oftmals allzu schludrigen Körperhaltung schon in den vergangen Jahren nicht eben als Kandidat für den "Everybody's Darling"-Award der DFB-Fans. Das änderte sich vor der WM rapide, weil ja auch Özil es für eine gute Idee gehalten hatte, sich für Propagandazwecke der türkischen Regierung herzugeben. Nun also persona non grata bei der Anhängerschaft, was er sich wohl auch selbst zuzuschreiben hat. Immerhin führte die Affäre beim DFB dazu, künftig verpflichtende Leitlinien im Umgang mit sportpolitisch brisanten Themen drucken zu lassen. Ob das Manual auch für die Führungsriege und deren Umgang mit sportpolitisch brisanten Fifa-Entscheidungen gilt, ist noch unklar. ABER, wir schweifen ab. Also, Özil machte bei der WM das, was er meistens macht: Von schönen Pässen (mit schön viel Schaum drauf) bis minutenlangen Tauchgängen (Ey, hat einer den Özil gesehen?) war alles dabei. Wenn Müllers Flow in Watutinki weilt, dann sollte sich Özil im Hampstead Heath umschauen.

Mario Gomez: Wir haben mal nachgeguckt: "Dass ausgerechnet er mal vermisst wird, hat sich der verletzte Torero sicher auch nicht träumen lassen", schrieben wir nach der EM 2016. Und nun? Musste Gomez gar nicht als abstinent gemeldet werden, denn anders als im Halbfinale gegen Frankreich, war der Torjäger vom VfB Stuttgart (aktueller Arbeitgeber) ja dabei. Zwei Jahre später ist Gomez ein bisschen #olderbudweiser und weiß mit seinen Kräften hauszuhalten. Deswegen der neue Status: Edeljoker. Das machte er bemüht, war präsent und hatte einige nette Szenen, vor allem im Spiel gegen Schweden. Nett ist halt aber auch der kleine Bruder von … ach, Sie wissen schon.

Julian Brandt: Hätte einer der 80 Millionen Bundestrainer der Republik die Aufstellung ab dem zweiten Spiel machen dürfen, der Leverkusener Brandt wäre wohl auf jedem Zettel gelandet. Kam rein und beging gleich zweimal heftige Sachbeschädigung an den russischen Torpfosten. Aber der Wille war da – was man in Sachen Drang zum Tor(abschluss) jetzt nicht von jedem seiner Kollegen sagen kann. Wäre halt spannend gewesen, ihn mal länger als (gefühlte) dreieinhalb Minuten auf dem Platz zu sehen.

Timo Werner: nötigt uns zur Feststellung, dass die Sturm- und Sprintkanone von RB Leipzig gar nicht so beinhart ist, wie der Name vermuten lässt. Er hatte ja nach dem Schweden-Krimi zugegeben, mental und physisch so ausgelaugt gewesen zu sein, dass der Spurtlauf zum Siegtorschützen einfach nicht mehr drin gewesen war. Und sonst? Ist über den jungen (weil 22-jährigen) Werner zu sagen, dass er bei seinem WM-Debüt nicht nur Freude gemacht, sondern auch eine neue Position in der Aufstellung des Bundestrainers gefunden hat. Im besagten Schweden-Spiel war er von der Neun auf den Flügel rotiert und entwickelte da eine Durchschlagskraft, die ihm in der Spitze leider manchmal fehlte. Genau wie ein Treffer. Dennoch schließen wir uns der Meinung seines Nationalmannschaftskollegen Kimmich an: Werner ist eine Waffe. Und der Gesamteindruck besser als die Torstatistik vermuten lässt.

Der Bundestrainer

Joachim Löw: Dazu hat Stefan Giannakoulis alles gesagt.

Quelle: n-tv.de