Fußball-WM 2018

"Großer Bruder" der "Baby Bleus" Stürmer Giroud - torlos, aber unverzichtbar

fa877918498936f7bb979e6c0deca2c0.jpg

Noch ist Olivier Giroud bei dieser WM torlos - mit einem Treffer im Finale würde er Zinédine Zidane in der französischen Torjägerliste überholen.

(Foto: dpa)

Die französische Fußball-Nationalmannschaft steht im WM-Finale, ohne dass Sturmspitze Olivier Giroud bisher ein Tor erzielt hat. Trainer Didier Deschamps hält trotzdem an dem Oldie in der jungen Équipe Tricolore fest. Aus gutem Grund.

Der Masochismus der französischen Fußball-Nationalmannschaft muss enorm sein. "Wir müssen Freude am Schmerz haben, dann werden wir weit kommen", sagte Olivier Giroud Ende Juni vor dem letzten WM-Gruppenspiel der Franzosen gegen Dänemark. Nun steht der Stürmer mit der Équipe Tricolore im Finale des Turniers. Die Partie gegen Kroatien (ab 17 Uhr im ZDF und im Liveticker bei n-tv.de) ist ein besonderes Endspiel - speziell für Giroud. Nicht nur, weil er mit 31 Jahren wohl zum letzten Mal an einer Weltmeisterschaft teilnehmen wird. Es ist für ihn zugleich die letzte Gelegenheit, ein unrühmliches Schicksal abzuwenden.

imago35328075h.jpg

Im jungen französischen Fußball-Nationalteam ist Olivier Giroud äußerst beliebt.

(Foto: imago/ActionPictures)

Seit 465 Minuten probiert Giroud, in Russland ein WM-Tor zu erzielen. Vergeblich. Mehr noch: Bei seinen insgesamt 14 Versuchen flog nur ein Ball auf den gegnerischen Kasten - eine lausige Bilanz für einen Mittelstürmer. Nun läuft er Gefahr, torlos in die Heimat zurückzukehren.

Vor seinem siebten Turnierspiel scheint der Druck auf dem 1,92 Meter großen Mann aus Chambéry am Fuße der Savoyer Alpen immens. Allerdings weiß er, dass das Weltmeisterteam seines Trainers Didier Deschamps vor 20 Jahren ebenfalls einen Torjäger-Pechvogel in den eigenen Reihen hatte: "1998 hat Guivarc'h (der französische Nationalstürmer Stéphane Guivarc'h, Anm.d.Red.) gar nicht getroffen", sagte Giroud vor kurzem. Und so gibt er sich trotzig: "Wenn wir gewinnen und ich treffe nicht, dann ist mir das egal. Wichtig ist, dass wir Weltmeister werden."

Unermüdlicher Arbeiter

*Datenschutz

Diese uneigennützige Einstellung spiegelt sich auch in Girouds Spielstil wider. Für den Erfolg von "Les Bleus" ist er enorm wichtig. Trotz seiner Position als Mittelstürmer legt er lange Wege zurück, bis zum Finale sind es laut Fifa insgesamt 48,3 Kilometer gewesen. Zum Vergleich: Antreiber Antoine Griezmann hat eine Distanz von 54,9 Kilometern zurückgelegt - bei 25 Minuten mehr Spielzeit.

Giroud ist ein unermüdlicher Arbeiter, das hat erneut sein Spiel im Halbfinale gegen Belgien gezeigt. Beim 1:0-Erfolg der Franzosen zog er wie schon in den Partien zuvor die Gegner auf sich, schirmte den Ball ab und half, wie beim umstrittenen Foul an Eden Hazard, in der Abwehr aus. Für Giroud ist das selbstverständlich. "Auch die Defensive ist ein Vergnügen, wenn einer für den anderen arbeitet", entgegnet er auf die Kritik am französischen Spiel, das zwar extrem schnell, phasenweise aber auch enorm defensiv ist.

Auf Augenhöhe mit Zidane

Giroud, der mit 23 Jahren noch in der französischen Ligue 2 kickte, stellt sich bedingungslos in den Dienst der jungen Mannschaft. Dort fühlt er sich "als eine Art großer Bruder". Seinen jüngeren Frères sage er immer, "dass sie jeden Augenblick genießen sollen. Die WM ist ein Kindheitstraum."

imago00072259h.jpg

"An den Kopf von Zizou auf dem Triumphbogen" nach dem französischen WM-Sieg 1998 kann sich Olivier Giroud noch genau erinnern.

Diese Professionalität pläsiert seinem Trainer. "Seinen Wert erkennt man immer dann, wenn er nicht spielt", sagte Deschamps nach dem ebenfalls knappen 1:0-Sieg gegen Peru. Dort erzielte zwar Kylian Mbappé den goldenen Treffer - aber nur, weil sich Giroud im Strafraum energisch durchsetzte und der 19-Jährige nur noch einschieben musste. Zu diesem Zeitpunkt des Turniers war Giroud der Stammplatz in der Startelf längst gewiss. Nachdem er in der ersten WM-Partie gegen Australien nur in der 70. Minute eingewechselt wurde, stand der Angreifer vom FC Chelsea in den folgenden Partien stets von Beginn an auf dem Platz. Trotz Pechs vor dem Tor.

Girouds letzter Länderspieltreffer datiert vom 28. Mai beim 2:0-Testspielsieg gegen Irland. Insgesamt erzielte er für Frankreich 31 Tore und rangiert damit auf Platz vier der ewigen Torjägerliste - gemeinsam mit Zinédine Zidane. Der köpfte "Les Bleus" 1998 im WM-Finale mit zwei Toren zum Titel. An die anschließende Party in Paris und "den Kopf von Zizou auf dem Triumphbogen" erinnert sich Giroud noch genau. 20 Jahre später hat er nun die Chance, es der Fußball-Ikone Zidane gleichzutun. Trotz seiner aktuellen Durststrecke erlebt er schon jetzt den "vielleicht besten Moment seiner Karriere". In seinem 81. Länderspiel will er dieses "vielleicht" revidieren - und sich für all die bisherigen Schmerzen belohnen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema