Technik

Personen-SuchgerätBio-Radar entwickelt

31.07.2002, 11:47 Uhr

Ein neues Gerät kann die Bewegung eines atmenden Brustkorbes durch eine Betonmauer hindurch „sehen“: Der Bio-Radar.

Am 3. August 1998 zerfetzte eine gewaltige Gas- Explosion ein Wohnhaus in der Lepsiusstraße in Berlin-Steglitz und begrub sieben Bewohner unter sich. Polizei und Feuerwehr suchten mit Hunden und Spezialgerät nach Verschütteten. Auch ein völlig neues Such-Radargerät aus Berlin kam dabei erstmals zu einem echten Einsatz, das „Bio-Radar“ der Firma Berlin Oberspree Sondermaschinenbau (BOS) GmbH. An dessen Entwicklung, einer verblüffenden neuen Maschine zum Entdecken von Verschütteten in Häuserruinen und Lawinen, war der heute 25-jährigen BOS- Mitarbeiter Sviatoslav Fisun maßgeblich beteiligt.

Der Software-Entwickler

Der junge Mann hatte an dem Unglückstag an der Technischen Fachhochschule Berlin studiert, weshalb er seine technische Entwicklung nicht selbst testen konnte. Den gebürtigen Russen wurmt heute ein wenig, dass damals vor vier Jahren die Rettungsmannschaften ihre Arbeiten nur für wenige Minuten unterbrachen, damit ein BOS- Mitarbeiter das Gerät ausprobieren konnte. „Irgendwas wurde gesehen“, berichtet Fisun heute, „aber nicht deutlich. Am nächsten Tag lasen wir in der Zeitung, dass an der Stelle eine Katze gefunden wurde.“

Der Software-Ingenieur stammt aus Moskau, wo er Strahlenphysik an der Universität für Ingenieurwissenschaften und Physik studierte. Schon in Russland hatte er für BOS einige Software entwickelt. BOS-Geschäftsführer Richard Schimko bot ihm an, in Berlin zu Ende zu studieren. Die Diplomarbeit hatte eben jene Software zum Gegenstand, die jetzt im „Bio-Radar“ arbeitet und in einem früheren Industrieareal im Osten Berlins gebaut wird.

Die Software

Das Gerät, das in ein Bordcase passt, kann die Bewegung eines atmenden Brustkorbes durch eine Betonmauer hindurch „sehen“. Für Ingenieure ist das freilich keine Hexerei. Das eigentliche Radargerät enthält einen Sender und einen integrierten Empfänger. Wenn sich nichts bewegt, wird ein Standsignal reflektiert. Bewegt sich etwas, und seien es nur wenige Millimeter, kommt zu diesem Signal ein Zusatzsignal. Dieses wird von der Software herausgefiltert und auf dem Bildschirm eines angeschlossenen Laptops dargestellt. Fisun schrieb für die Auswertung der Signale das Computerprogramm und sorgte für eine einfache grafische Darstellung, die mit einiger Übung auch von Laien interpretiert werden kann.

„Auch lawinenverschüttete Menschen, die noch atmen, lassen sich gut erkennen, denn Schnee lässt die Strahlen fast ungehindert hindurch“, zählt Fisuns Vorgesetzter bei BOS, Frank Schilling, die möglichen Einsatzgebiete auf. Beim Zoll könnten mit dem Gerät Flüchtlinge in Containern ohne aufwendige Röntgenapparate gefunden werden. Denkbar wäre ein Einsatz auch in der Gebäudesicherung. Denn ein Einbrecher lässt sich noch hinter einer Betonmauer entdecken. Eine Messung dauert nur 36 Sekunden. Der Winkel, den das Radargerät abtastet, beträgt 60 Grad. Damit lässt sich ein ziemlich großes Areal mit nur einer Messung abdecken, sagt Schilling.

Positive Reaktionen habe es bereits vom Technischen Hilfswerk (THW), von der Feuerwehr in Bayern und amerikanischen Rettungsteams gegeben, die Geräte zum Ausprobieren anforderten. Bio Radar-Geräte seien bisher nach Griechenland, in die Slowakei und nach Japan geliefert worden. Auch Bestellungen aus Belgien lägen vor. Schilling rechnet nicht damit, dass sich das Gerät schnell durchsetzen wird. Rettungsteams hätten meist eigene, auf Erfahrungen beruhende Vorstellungen, wie gesucht werden soll. Neuerungen würden erst einmal mit Skepsis betrachtet.