Technik

Nicht leicht veränderbarBranding-Handys

18.08.2004, 10:50 Uhr

Handys mit Branding sind speziell auf den Netzbetreiber eingestellt. Das bedeutet oft, dass der Nutzer nur eine Taste drücken muss, um in das Internetportal des Anbieters zu gelangen. Das kann allerdings auch unabsichtlich passieren.

Handys mit "Branding" sind speziell auf den Netzbetreiber eingestellt. Das bedeutet oft, dass der Nutzer nur eine Taste drücken muss, um in das Internetportal des Anbieters zu gelangen. Das kann allerdings auch unabsichtlich passieren.

"Das Hauptärgernis des Brandings sind die Kosten, die so ungewollt entstehen können", sagt Henning Withöft, Redakteur der in Berlin von der Stiftung Warentest herausgegebenen Zeitschrift "test". "Vor allem Vodafone und T-Mobile bringen verstärkt Branding-Handys auf den Markt", sagt Withöft. Aber auch die anderen Netzbetreiber setzen laut Bernhard Jodeleit, Redakteur bei der in Stuttgart erscheinenden Zeitschrift "connect", Branding ein. Beim äußerlichen Branding wird schlicht das Logo des Netzbetreibers auf das Handy gebracht. "Bei edel designten Handys kann allein das schon ärgerlich sein", sagt Jodeleit. Dazu können Tasten kommen, die ausschließlich der Einwahl in die Internetplattform des Betreibers dienen und oft ebenfalls das Logo des Anbieters tragen.

Unangenehmer sind den Experten zufolge allerdings so genannte Soft Keys, die ins Internet führen: Dabei erscheint im Normalzustand des Handys das Logo des Internetportals vom Netzbetreiber. Wer dann auf die benachbarte Taste drückt, baut eine Verbindung ins Netz auf. "Oft handelt es sich dabei um eine zentrale Steuerungstaste", sagt Jodeleit. Zudem sind viele Handynutzer laut Warentester Withöft durch die Benutzerführung auf diese Tasten trainiert. "Da kann es leicht zum unbeabsichtigten Drücken kommen."

Die Netzbetreiber halten das unbeabsichtigte Einwählen für weit weniger wahrscheinlich. "Man verwechselt doch auch beim Autofahren nicht die Bremse mit dem Gas", sagt Torsten Kollande, Sprecher von Vodafone in Düsseldorf. Die Tastensperre schütze außerdem vor einer Einwahl, wenn das Handy zum Beispiel in die Hosentasche gesteckt wird. Stattdessen bieten die Soft Keys dem Nutzer aus Sicht der Netzbetreiber große Vorteile: "Der Zugang ins Netz ist einfacher und schneller", sagt Marion Kessing von T-Mobile in Bonn.

Als neuesten Trend beobachtet Bernhard Jodeleit von "connect" auch veränderte Menüs in Branding-Handys, hinter denen sich die Netzeinwahl versteckt: "So kann sich unter dem Menüpunkt "Klingeltöne" ein Ordner "mehr Töne" finden. Wer den anklickt, klickt sich dann ins Portal."

Ärgerlich ist die Voreinstellung des Mobiltelefons auch noch, wenn der Vertrag abgelaufen ist: "Es kann Probleme geben, wenn man das Gerät zum Beispiel an die Kinder weitergibt, um es mit Prepaid-Karten zu betreiben", sagt Redakteur Withöft. Möglicherweise vertragen sich die Karten anderer Netzbetreiber nicht mit den Voreinstellungen.

Schwierig ist es allerdings auch, das ungeliebte Branding auf dem Handy loszuwerden: "Wenn man Geräte von großen Herstellern kauft und einen guten Draht zum Händler hat, kann man ihn vielleicht davon überzeugen, statt der Software des Netzbetreibers die Originalsoftware des Handybauers aufzuspielen", sagt Jodeleit. Das geht aber nur, wenn das Gerät nicht exklusiv für einen Netzbetreiber angeboten wird, sondern es eine "freie" Variante gibt.

Von Internet-Angeboten für das "De-Branding" raten die Experten dagegen ab. So bietet ein Händler bei einem Internetauktionshaus an, die Software in verschiedenen Geräten von Sony Ericsson, Motorola oder Samsung auszutauschen. "Sein Handy nach einer Vorkasse an eine unbekannte Adresse zu schicken, ist allerdings riskant", warnt Jodeleit. Auch das Aufspielen von Software aus dem Internet über den heimischen Computer sei nicht empfehlenswert: "Wenn bei der Betriebssoftware Defekte auftreten, kann das Handy vielleicht nicht mehr zu retten sein."

Problematisch ist das De-Branding Henning Withöft von "test" zufolge auch wegen der Garantie. Wie der Netzbetreiber bei Problemen mit der neuen Software reagiert, sei nicht abzusehen. Laut Vodafone-Sprecher Kollande erlischt mit dem De-Branding nicht automatisch die Gewährleistung. "Der Einzellfall muss geprüft werden." Dabei werde geklärt, inwieweit die veränderte Software das gesamte Gerät beeinflusst. Auch bei T-Mobile kann es laut Sprecherin Kessing nach dem De-Branding "mit der Gewährleistung schwierig werden". Wenn das Gerät bei Problemen eingeschickt wird, müsse der Benutzer aber davon ausgehen, dass die T-Mobile-Software wieder aufgespielt wird.

Die einfachste Lösung besteht laut Withöft darin, beim Kauf genau auf die Einstellungen eines Branding-Handys zu achten: "Die meisten Modelle erkennt man am Logo", sagt der Experte. Im Zweifel kann aber auch der Verkäufer nach dem veränderten "Innenleben" gefragt werden. Schließlich gebe es auch weiterhin zahlreiche Handys ohne Branding.