Technik

Nintendos Dauerbrenner Die DS-Erfolgsgeschichte

Nintendo DS.jpg"Quasi schon ein Großvater" sei er, heißt es bei Nintendo über den DS - weil die tragbare Konsole mit den zwei Bildschirmen seit März 2005 in Deutschland auf dem Markt ist, schon reichlich lange also. Doch nicht nur beim Hersteller, sondern auch unter Videospiele-Experten ist man sich sicher: Alterserscheinungen zeigt der DS - kurz für Dual oder auch Double Screen - keine. Was macht die Konsole, von der weltweit bisher mehr als 100 Millionen Stück über die Ladentische gegangen sind, so populär?

Touch me!

Erklären lässt sich das nicht damit, dass das Daddelkästchen zum Aufklappen nicht einen, sondern zwei Bildschirme hat. Der eigentliche Knackpunkt ist: Einer davon ist berührungsempfindlich. "Heute ist ein Touchscreen ein konsensfähiges Eingabegerät", sagt Heiko Gogolin vom in Hamburg erscheinenden Spielemagazin "G.E.E." und verweist auf den iPod Touch und das iPhone. Zum damaligen Zeitpunkt sei das aber für ein mobiles Gerät etwas Besonderes gewesen.

Hinzu kommt: Bevor der DS kam, wurden bei Spielkonsolen Knöpfe und Tasten gedrückt. Das schreckte zwar überzeugte Zocker nicht ab, viele potenziell Interessierte aber schon - zu kompliziert, das alles. Und nun waren plötzlich viele Spiele allein dadurch zu steuern, dass man mit dem beigelegten Touchpen oder sogar mit dem Daumen über den berührungsempfindlichen Bildschirm strich. Jakob Nützler vom Onlinemagazin planetds.de mit Sitz in Hamburg ist überzeugt: "Vielen Menschen hat das den Zugang zu Videospielen erleichtert."

Frauentyp

Zu denjenigen, die den Touchscreen zu schätzen wissen, scheinen besonders viele Frauen zu gehören: "Ihr Anteil an den DS-Spielern liegt bei fast 50 Prozent, bei anderen Konsolen ist das nicht so", sagt Nützler. Das scheint von vornherein ein Ziel des Herstellers gewesen zu sein: "Der DS soll alle ansprechen", sagt Silja Gülicher von Nintendo Deutschland in Großostheim (Bayern) - unabhängig von Geschlecht, Alter und Videospiele-Erfahrung.

Rund 1000 Titel sind für die tragbare Konsole bislang erschienen, etwa ein Zehntel davon bei Nintendo selbst. Zu den wichtigsten zählen die beiden "Gehirn-Jogging"-Titel mit "Dr. Kawashima" - nicht nur wegen der exzellenten Verkaufszahlen: Sie stehen stellvertretend für viele DS-Titel, die aus etlichen kleinen Einheiten bestehen und sich daher prima für ein Spielchen zwischendurch und für unterwegs eignen. Das ist laut Gogolin ebenfalls entscheidend für den Dauer-Erfolg.

Fast ebenso populär wie Dr. Kawashima waren vierbeinige Helden: die "Nintendogs". Von den Titeln der Reihe, bei der es putzige Hunde zu versorgen gilt, wurden weltweit insgesamt 22,3 Millionen Exemplare verkauft, sagt Gülicher. Sie zählt neben Nintendo-Titeln wie "Mario Kart" auch "Assassin's Creed" zu den Highlights: ein Action-Adventure für den typischen Gamer, herausgebracht von Ubisoft.

Einstiegsdroge

Bei dem Anbieter aus Frankreich schätzt man den DS trotzdem ganz besonders dafür, dass er auch für bisherige Nicht- oder bestenfalls Gelegenheitsspieler spannend ist: "Sein kompaktes Format, das das Spielen überall ermöglicht, und die intuitive Bedienung machen die Konsole auch bei Leuten erfolgreich, die vorher mit Videospielen nichts am Hut hatten", sagt Alain Corre, Ubisoft-Geschäftsführer in sämtlichen Weltregionen außer Nordamerika.

Sicher auch seinen Teil zur Erfolgsgeschichte beigetragen hat die Tatsache, dass der DS optisch nicht wie ein Opa daherkommt - weil man ihm bereits zwei Facelifts verpasst hat: Inzwischen gibt es ihn als DS Lite und DSi. Obwohl Letzterer etwas größere Bildschirme und zudem zwei Kameras an Bord hat, rät Jakob Nützler DS-Fans nicht unbedingt zum Umstieg: "Jemandem, der schon den DS Lite hat, würde ich nicht empfehlen, für den DSi nochmal 170 Euro auszugeben."

Es geht noch besser

Was fehlt dem DS noch? "Die Mehrspieler-Optionen sind noch nicht so ausgereift", sagt Heiko Gogolin. Die Zukunft gehöre eindeutig dem miteinander spielen, und daher könnte Nintendo aus Sicht des Experten hier noch nachlegen. Das gilt laut Nützler auch für den zusammen mit dem DSi gestarteten Onlineshop, aus dem man unter anderem Spiele herunterladen kann. "Der ist nicht zu verachten, aber er steckt noch in den Kinderschuhen."

Alles hat ein Ende, nur der DS hat keines - momentan ist zumindest keines abzusehen. "Der DS hat sicher noch einige Jahre vor sich", ist Heiko Gogolins Einschätzung. Nicht zuletzt, weil die neu gewonnenen Spieler-Gruppen - Frauen und Ältere - vergleichsweise wenig Wert auf technische Neuerungen legen, stehe Nintendo nicht unter Zugzwang, einen Nachfolger zu präsentieren. Dazu passend sagt Silja Gülicher: "Schauen wir mal, wie lange der DS die Bedürfnisse der Kunden noch erfüllt." Die Chancen stehen also gar nicht schlecht, dass aus dem Großvater DS auch noch ein Urgroßvater wird.

Quelle: n-tv.de, dpa

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