Technik

Wie gut ist die Mittelklasse? Gaming-Grafikkarten im Test

Nach Weihnachten ist die geschenkte Technik längst im Einsatz. Oder ist noch Geld in der Schublade und wartet auf seinen Einsatz? Bei manchen lag auch ein aktuelles Spiel unterm Baum – und jetzt macht die alte Grafikkarte schlapp. n-tv.de rüstet auf und testet drei Modelle im mittleren Preissegment.

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MSI N460GTX Hawk

(Foto: MSI)

Wenn das Bild hin- und herzuckt, das Zielen beim Ego-Shooter zur Geduldsprobe wird und der Ton schneller als die Anzeige ist, könnte eine Frischekur an der richtigen Stelle Abhilfe schaffen. Zwischen 190 und 270 Euro kosten die vorgestellten drei Grafikkarten-Modelle der Mittelklasse. Geld, das dem heimischen Rechner noch einmal einen Schub geben könnte. Als Referenzen für den n-tv.de-Vergleich verwenden wir vor allem Spiele – denn wofür sonst ist eine solche Investition sinnvoller?

Als Software dienten das Action-Spektakel Call of Duty: Black Ops von Activision sowie von 2K Games der fünfte und neueste Teil der Civilization-Serie. Als ältester Titel kam zudem das Online-Rollenspiel Warhammer Online zum Einsatz. Alle Spiele liefen auf einer Auflösung von 1280x1024 Pixeln und den höchstmöglichen sonstigen Grafikeinstellungen. Mit 3DMark 11 prüften wir zudem alle Karten mit aktuellen Grafik-Tests im Leistungsmodus für normale Gamer-PCs.

Die Konzentration des Tests lag naturgemäß bei den FPS, den Frames (Bildern) pro Sekunde. Die sind entscheidend, wenn es um den Spielkomfort geht. Grob gesagt: Je weniger Frames, desto ruckeliger das Bild, je höher, desto flüssiger der Ablauf. Die angegebenen Ergebnisse sind Durchschnittswerte aus 60 Sekunden im Spiel. Auf Übertaktung und ähnliche Profi-Einstellungen haben wir verzichtet, auch wenn sie per mitgelieferter Software bei allen Modellen möglich sind. Wir sind schlicht bei den Werkseinstellungen geblieben.

Für den Testrechner stellte uns Gigabyte ihr AM3-Sockel-Mainboard 890FXA-UD5 zu Verfügung, das wir mit einer AMD Phenom II x6 1090T CPU sowie 4 x 2 GB Riegeln Arbeitsspeicher GEIL Evo One DDR3-2000 CL9 ausrüsteten. Alle Karten verwendeten wir mit den mitgelieferten Treibern.

MSI N460GTX Hawk

Die Karte von MSI kommt mit dem Geforce GTX 460 Grafikchip und 1 Gigabyte Arbeitsspeicher daher. Auf der Rückseite sind zwei DVI-Anschlüsse und ein Mini-HDMI für Monitore und Fernseher. Damit der "Hawk" bei Verwendung der mitgelieferten Übertaktungssoftware nicht verglüht, sitzen auf der Karte zwei aktive Kühler. Für Monitore ohne digitalen Anschluss ist zudem ein Adapter dabei, auch für die internen, zusätzliche Stromanschlüsse. Das ist sehr komfortabel, wenn die restliche Hardware schon ein paar Tage auf dem Buckel hat.

Bei den Spielen ist das Ergebnis gemischt – In der ersten Actionszene von Call of Duty: Black Ops, wenn Fenster bersten, Autos durchs Bild rasen und der Protagonist in Ego-Perspektive durchs Bild robbt, macht die 460GTX Hawk die schwächste Figur der drei Karten, mit einigen Schwankungen bei den FPS. Allerdings holt sie mit einer guten Leistung beim gemächlicheren, strategischen Schwergewicht Civilization V im DirectX-11-Modus wieder auf. Und bei Warhammer Online blieb die Leistung konstant bei knapp unter 100 Frames. Da ruckelte überhaupt nichts.

Für circa 190 Euro bekommt der Spieler mit der N460 GTX Hawk von MSI eine mehr als solide und vor allem günstige Grafikkarte, aus der sich noch mehr herausholen lässt, wenn man sich an die Übertaktungsoptionen herantraut. Allerdings war der Lüfter bei hoher Belastung deutlich hörbar.

Call of Duty: Black Ops - 64 FPS / Civilization V – 62 FPS / Warhammer Online – 97 FPS / 3DMark11 Grafiktest - 3351

Gigabyte GTX470 Super Overclock

Was bei der GTX470 als erstes auffällt: An der Ausstattung hat Gigabyte geklotzt. Drei Aktivkühler auf der Karte, wie bei der MSI zwei DVI-Anschlüsse und ein Adapter für alte Bildschirme, aber für den HDMI-Port auch ein entsprechendes Kabel. Das allein kostet im Handel häufig schon zehn Euro und mehr. Bei Black Ops fällt die sehr konstante Framerate auf, die kaum hin- und herspringt – egal was explodiert oder sich bewegt. Bei der 460er Karte von MSI waren die Schwankungen höher. Auch mit Civilization auf höchsten Einstellungen hatte die GTX470 keine Probleme. Bei Warhammer Online warf die Super Overclock im Schnitt ebenfalls über 90 Bilder pro Sekunde auf den Schirm.

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Gigabyte GTX470 Super Overclock

(Foto: Gigabyte)

Auch bei Höchstleistungen ist die Karte wesentlich leiser als die günstigere 460 GTX Hawk. Der Preis von etwa 260 Euro ist zwar etwas happig. Aber erstens ist die Karte von Hause aus schon schneller als gängige Geforce GTX 470, zweitens ist Gigabytes Modell mit 256 Megabyte mehr RAM als die Testkonkurrenz ausgerüstet und zu guter Letzt garantiert Gigabyte mindestens weitere zehn Prozent Leistungsaufschlag per Übertaktung - bei einem stabilen System.

Möglich ist das, weil nach Angaben von Gigabyte zur Sicherheit jeder Grafikchip des Modells im Werk einem Belastungstest unterzogen wird, um Ärger mit Aussetzern und Überhitzung zu vermeiden. Die mitgelieferte Software "Overclock Guru" erledigt dann den Rest.

Call of Duty: Black Ops - 75 FPS / Civilization V – 60 FPS / Warhammer Online – 92 FPS / 3DMark11 Grafiktest - 3546

Asus EAH6870

Bei Asus darf es meistens ein bisschen mehr sein. So auch auf den ersten Blick bei der EAH6870, der einzigen Karte mit AMD-, ehemals ATI-Radeon-Chip im Vergleich. Denn auf der Rückseite grüßen wie bei den anderen Modellen neben den zwei DVI-Ports auch ein HDMI-Anschluss – aber auch zwei MiniDisplay-Ports von Apple. Doch in der Packung suchen wir vergeblich nach einem Analog-DVI-Adapter für ältere Bildschirme. Die Karte kommt mit einem aktiven Kühler aus, der aber offenbar ausreicht und auch unter hoher Belastung relativ leise arbeitet.

In unseren Spielen liefert die Karte solide Werte und landet mit den FPS punktgenau im Mittelfeld – wie auch mit circa 230 Euro im Preis. Während die Karte bei Civilization im Vergleich leicht schwächelt, ist die Leistung bei Call of Duty und Warhammer Online völlig in Ordnung. Zudem holte die ASUS beim Benchmark-Programm 3DMark11 mit einem Abstand von über 7 Prozent das beste Ergebnis. Mit erhöhter Voltzahl soll zudem ein Leistungsplus von bis zu 50 Prozent erreicht werden können.

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Asus EAH6870

(Foto: Asus)

Call of Duty: Black Ops - 70 FPS / Civilization V – 57 FPS / Warhammer Online – 94 FPS / 3DMark11 Grafiktest - 3816

Fazit

Alle drei Testmodelle sind ihr Geld wert. Ebenfalls alle kommen mit einer Übertaktungssoftware, die noch einiges an Leistung aus der jeweiligen Karte herausholen kann. Besonders Gigabytes GTX470 trägt mit "Super Overclock" schon die Auslegung der Karte in ihrer Modellbezeichnung. Für den höheren Preis hat sie auch ein bisschen mehr Ausstattung und einen zusätzlich kühlenden Aktivlüfter für den manuellen Übertaktungsturbo im Gepäck.

Für konservative Zocker, die vor allem aufs Geld schauen, eine günstige Karte in den PC stecken und ohne viel Experimente losspielen wollen, ist wohl die MSI N460 GTX Hawk (circa 190 Euro) die beste Wahl. Trotz der zeitweise lauten Lüftergeräusche, aber mit möglicher Übertaktung, guter Kühlung und Ausstattung.

Der gesunde Mittelweg ist die EAH6870 von ASUS, die als einzige der drei Testmodelle einen Radeon-Grafikchip von AMD (ehemals ATI) nutzt, und von den Bildwiederholungsraten her ebenfalls im Mittelfeld der Konkurrenz liegt. Bei 3DMark11 zeigt sie ihre Stärken – mit einem vergleichsweise sehr guten Wert. Auch bei ASUS stimmt gemessen an der Leistung der Preis. Nur die etwas magere Ausstattung trübt den guten Eindruck.

Quelle: n-tv.de