Technik

Krieg um Leistungsschutz für Presseverlage Google verlangt Verzichtserklärung

Das-geplante-Leistungsschutzrecht-ist-umstritten-Google-startet-mit-Verteidige-Dein-Netz-eine-neue-Kampagne--f630x378-ffffff-C-b11e8130-71520346.jpg

Mit einer umstrittenen Kampagne hatte Google die Einführung des Leistungsschutzrecht bekämpft - vergeblich.

Von Google und vielen Netzaktivisten bekämpft, von den deutschen Großverlagen herbeilobbiiert, tritt das Leistungsschutzrecht am 1. August in Kraft. Dann werden für Textausschnitte Gebühren fällig, jedenfalls theoretisch. Google verlangt nun eine Verzichtserklärung - und droht Presseverlagen mit Rauswurf aus Google News.

P1010584.JPG

Als das Leistungsschutzrecht im Bundestag beraten wurde, demonstrierten Netz-Aktivisten vor dem Brandenburger Tor.

(Foto: Thomas Leidel, n-tv.de)

Der Suchmaschinenbetreiber Google hat in einem Blogpost angekündigt, im Zusammenhang mit dem neuen Leistungsschutzrecht von Presseverlagen eine "Google-News_Bestätigungserklärung" zu verlangen. Diese gebe "Verlagen in Deutschland eine zusätzliche Möglichkeit zu entscheiden, ob ihre Inhalte von den Besuchern bei Google News gefunden werden", sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck: "Damit bewahren wir Google News als offene Plattform, gleichzeitig schaffen wir Rechtssicherheit für Blogger, Journalisten und Verlage angesichts der veränderten Gesetzeslage."

Das Verfahren ist im Grunde simpel: Verantwortliche der Verlage können auf einer Webseite die Frage "Wünschen Sie, dass Inhalte Ihrer Webseiten in Google News erscheinen?" mit Ja oder Nein beantworten und damit widerruflich erklären, dass "Inhalte unentgeltlich in Google News aufgenommen werden sollen". Inhalte, für die bis zum Inkrafttreten des Leistungsschutzrechtes keine entsprechende Erklärung vorliegt, werden bei Google News ausgelistet, stellte Google-Sprecher Ralf Bremer gegenüber n-tv.de klar.

Besucherstrom soll nicht versiegen

Zwar können Verleger (und jeder andere, der im Netz Inhalte veröffentlicht) durch einen entsprechenden technischen Eintrag auch heute schon verhindern, dass Inhalte indexiert und auf Google News in Ausschnitten angezeigt werden. Allerdings machen davon nur wenige Gebrauch - schließlich würde man sich so ja auch den Besucherstrom abschneiden, der via Google  auf die eigenen Seiten kommt. Bei manchem Nachrichtenangebot sind das nach Brancheninformationen bis zu 40 Prozent der Nutzer.

Im erwähnten Blogpost erläutert Google-Manager Gerrit Rabenstein, dass Google News "in den Nachwehen des 11. September 2001" entstanden sei und sich vom Hobbyprojekt eines einzelnen Entwicklers zu einem Produkt entwickelt habe, das in über 60 Ländern Menschen mit Nachrichten verbinde und Verlagen wertvolle Reichweite für ihre Websites bringe - unbeeinflusst von Geschäftsbeziehungen.

Extrawurst für Deutschland

Vor dem "Hintergrund der rechtlichen Unsicherheit", die vom Leistungsschutzrecht ausgehe, werde nun in Deutschland "ein neues Bestätigungssystem" eingeführt, das den Verlagen "eine weitere  Möglichkeit" biete, ihre Wünsche kund zu tun. In allen anderen Ländern werde man das bewährte Verfahren beibehalten, im Netz verfügbare Verlagsinhalte auch bei Google News aufzunehmen.

Dass das Vorgehen von Google Deutschland auch für andere Aggregatoren hierzulande beispielhaft sein könnte, sieht Google-Mann Bremer skeptisch: "Das ist ein großer Aufwand, der für kleinere Dienste wohl nicht zu leisten ist". Tatsächlich haben sich einige Webangebote bereits auf die Neuregelung eingestellt. Der Dienst rivva.de etwa, der Artikel versammelt, die auf Netzwerkplattformen wie Facebook oder Twitter besonders oft empfohlen werden, hat die gezeigten Textanrisse auf maximal 160 Anschläge gekürzt - und hofft so, die unklaren gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.

Der seit 1996 bestehende Fachnachrichtendienst historiker.de oder der Leipziger Stadtblog heldenstadt.de wollen nach eigenem Bekunden bis auf Weiteres darauf verzichten, auf deutsche Presseerzeugnisse zu verweisen. Der Technik-Nachrichtenaggregator filtr.de will zumindest Inhalte der Verlagshäuser nicht mehr syndizieren, die öffentlich das Leistungsschutzrecht unterstützt haben. Es gehe darum "juristisches Konfliktpotential zu vermeiden".

Schwieriger ist das etwa für die Kölner Übersetzungsmaschine Linguee.de, die das Web nach zweisprachigen Quellen absucht und so Übersetzungen im Kontext anbieten kann. Denn auch wenn Linguee selbst keine Verlagsinhalte indexiert, kann es durchaus vorkommen, dass eine der genutzten Quellen solches Material verwendet. Neben anderen Optionen prüft der Gründer des Startups, Gereon Frahling, die Verlegung der Firma in die USA. Dem Magazin netzwertig.com sagte er mit Blick auf das Leistungsschutzrecht: “Wenn es dieses Gesetz schon 2007 gegeben hätte, wäre ich niemals aus den USA nach Deutschland zurückgekehrt, um Linguee zu gründen”.

Quelle: ntv.de, tle

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen