Technik

Schneller und billigerScheidung online

08.05.2003, 14:01 Uhr

Jahr für Jahr lassen sich in Deutschland rund 200.000 Eheleute scheiden. Immer mehr setzen dabei auf die Online-Scheidung. Doch die hat auch ihre Tücken.

Jahr für Jahr lassen sich in Deutschland rund 200.000 Eheleute scheiden. Dabei trauen sich offenbar immer mehr Paare, die Online-Scheidung zu nutzen: Der Antrag zur Auflösung der Verbindung kann jederzeit am Computer daheim ausgefüllt, per Mausklick ins Anwaltsbüro geschickt und damit das Scheidungsverfahren vor Gericht in Auftrag gegeben werden.

Mann und Frau müssen sich allerdings über Trennungs- und Vermögensfragen weitgehend einig sein. Für zerstrittene Eheleute ist das Verfahren, das es in ähnlicher Form unter anderem in Großbritannien und Australien gibt, generell nicht geeignet.

"Das Online-Modell spart Partnern, die einvernehmlich auseinander gehen wollen, viel Zeit und Kosten von 20 bis 25 Prozent", ist Scheidungsanwalt Roland Sperling überzeugt. Der Düsseldorfer führte das Verfahren vor etwa zweieinhalb Jahren als erster Anbieter in Deutschland ein (www.scheidung-online.de).

Sehr viel kritischer sehen das dagegen Verbraucherschützer, viele Anwaltskollegen und Familienrechtsspezialisten. "Welche Scheidung ist schon unkompliziert?", gibt Otto Bretzinger, Verbraucheranwalt der ARD, zu bedenken und rät zur Vorsicht.

Michael Salchow, Vorsitzender des Interessenverbands Unterhalt und Familienrecht (ISUV/VDU), zeigt sich ebenfalls skeptisch: "Wichtige Punkte wie Versorgungsausgleich, Kindes- oder Ehegattenunterhalt sollten immer mit einem Anwalt persönlich besprochen werden. Das Ausfüllen von Online-Formularen mit Laienwissen kann Riesenauswirkungen haben, die Finessen des Familienrechts kennen nur Experten."

Nur noch Formsache?

Den Vorwurf, Antragsteller seien bei ihren Mausklicks allein gelassen, weist Sperling zurück. "Selbstverständlich spricht man mit seinen Mandaten, wenn Ungereimtheiten auftauchen oder Erklärungsbedarf besteht", meint er. Schließlich sei er beruflich dazu verpflichtet, "den vollen Service zu bieten. "

Bei vielen Scheidungswilligen sei der Gang vor Gericht nur noch reine Formsache. "An mich wenden sich Leute, die leben schon seit 20 Jahren getrennt und wollen die Scheidung jetzt so schnell und günstig wie möglich über die Bühne gehen lassen ", erzählt Sperling. Mit der schnellen "Fallbearbeitung" durch Online-Formulare könne er die `allereinfachste Form der Scheidung" anbieten.

Auch Steffen Hammer, "Online"-Scheidungsanwalt aus Reutlingen (www.internet-scheidung.com) und einer der Mitbewerber am Markt, versichert, dass die meisten Interessenten sich im "Großen und Ganzen" über die Knackpunkte einer Trennung einig seien. "Und wenn sich die Parteien nicht streiten, bedarf es keiner großen Beratung", weist er Vorwürfe einiger Kollegen zurück, via Internet angenommene Scheidungsanträge seien "Fließbandarbeit".

Hammer verweist Skeptiker gern auf die Praxis in Australien, wo Paare sich bereits ganz ohne Anwalt direkt bei Gericht einvernehmlich scheiden lassen könnten. "So weit sind wir in Deutschland aber noch lange nicht", betont auch Sperling.

Berrit Gräber, AP