Technik

Stark in Bild und Ton So gut ist das iPhone 4S

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(Foto: Apple)

Apples neues Smartphone ist äußerlich von seinem Vorgänger fast nicht zu unterscheiden. Wer herausfinden möchte, was das 4S im Vergleich zum iPhone 4 besser macht, muss genau hinsehen und hinhören. Denn die zwei herausragenden Eigenschaften von Apples neuem Verkaufsschlager sind der Sprachassistent Siri und die 8-Megapixel-Kamera.

Auch wenn das iPhone 4S kein iPhone 5 ist, verkauft sich das Smartphone bestens. Laut Apple gingen in den ersten drei Tagen nach dem Verkaufsstart am 14. Oktober mehr als vier Millionen Geräte über den Ladentisch. Das kalifornische Unternehmen selbst schätzt, dass man in diesem Quartal 28 Millionen Telefone absetzen wird, ein UBS-Analyst hält sogar 42,4 Millionen Geräte für realistisch. Kaufen all diese Menschen nur ein aufgemotztes iPhone 4? Nein, denn die äußere Hülle täuscht. Unter dem nach wie vor schicken, aber schweren Glas-Stahl-Gehäuse hat sich einiges getan.

Kräftiger Prozessor

Zunächst mal hat Apple dem iPhone 4S mit dem A5-Prozessor die Kraft von zwei Herzen gegeben. Der neue Doppel-Kern-Prozessor sorgt dafür, dass das Telefon in jeder Situation pfeilschnell reagiert und Ruckler auch bei den aufwendigsten HD-Spielen nicht zu erkennen sind. Zusammen mit dem neuen iOS 5 - das auch auf älteren Geräten läuft - macht das Gerät einen extrem fixen Eindruck.

Das iPhone 4S ist dabei ein Beweis dafür, dass reine Zahlenvergleiche wenig bedeuten. Denn der A5 ist lediglich mit 800 Megahertz getaktet und hat nur 512 Megabyte Arbeitsspeicher (RAM) zur Seite. Es gibt inzwischen einige Konkurrenten des iPhone, die Doppel-Kern-Prozessoren mit deutlich höherer Taktung und doppelt so viel Arbeitsspeicher bieten, aber trotzdem nicht rund laufen.

Schlapper Akku?

Auch wenn Apple schreibt, dass der A5-Chip so effizient sei, dass das iPhone 4S eine enorm lange Batterielaufzeit habe, macht der Akku früher schlapp als beim Vorgängermodell. Dramatisch ist der Unterschied aber nur in der Anfangszeit. Zum Ende des Tests hielt das 4S gefühlt so lange durch wie das iPhone 4. Trotzdem gibt es viele Nutzer, die sich im offiziellen Apple-Forum bitter über rasant sinkende Akku-Ladungen beschweren. Über die Ursachen wird viel spekuliert, unter anderem wird die Facebook-App verdächtigt. Wer Probleme hat, sollte auf jeden Fall in den Einstellungen unnötige Ortungsdienste deaktivieren und WLAN und Bluetooth nur einschalten, wenn benötigt.

Neues Antennen-Design

"Antennagate" gehört der Vergangenheit an. Wer beim neuen iPhone genau hinsieht, erkennt das neue dreigeteilte Antennendesign, das Empfangsproblemen ein Ende bereitet. Ein Modul für den kommenden, ultraschnellen Mobilfunkstandard LTE hat das iPhone 4S nicht an Bord. Dafür verspricht Apple eine doppelte HSDPA-Geschwindigkeit, was Testlabore in der Theorie auch bestätigen. Praktisch aber ist kaum ein Geschwindigkeitszuwach zum iPhone 4 zu bemerken, da die Netze in Deutschland höchst selten Downloads mit 14,4 Mbit/s ermöglichen.

Tolle Kamera

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Die Kamera des iPhone 4S schießt beeindruckend gute Fotos.

(Foto: Klaus Wedekind)

Im Test konnte vor allem die neue 8-Megapixel-Kamera begeistern, deren Objektiv über fünf Linsen verfügt. Zusammen mit der sehr großen Blende (f/2,4) und einem Sensor, der sowohl mit sehr viel als auch mit sehr wenig Licht gut zurecht kommt, gelingen mit dem iPhone 4S im wahrsten Sinne des Wortes automatisch sehr gute Fotos. Die Bilder glänzen durch knackige Farben und Schärfe.

Lässt man den LED-Blitz im Automatik-Modus, ist es überraschend, wie dunkel es sein muss, bevor er auslöst. Beeindruckend ist dabei das Rauschverhalten der Kamera. Denn auch in der späten Dämmerung gemachte Fotos weisen in den dunklen Bereichen praktisch keine störenden Farbfehler auf.

Umgekehrt ist es für eine Handy-Kamera außergewöhnlich, dass bei Gegenlichtaufnahmen fast alle Objekte auf dem Foto noch Zeichnung haben und nicht nur ein Scherenschnitt-Bild entsteht. Einen kleinen Eindruck der Leistungsfähigkeit der iPhone-4S-Kamera zeigt unsere Test-Bilderserie.

Schnell bereit

Der Bildsignal-Prozessor auf dem A5-Chip macht der Kamera ordentlich Beine. Sie ist mit nur knapp einer Sekunde Verzögerung praktisch sofort betriebsbereit. Nachdem man über den Lautstärke-hoch-Knopf ausgelöst hat, kann das Telefon ohne Wartezeit gleich das nächste Foto schießen. Speicherpausen nimmt das iPhone 4S dabei nicht in Anspruch, wodurch Nutzer beliebig viele Bilder in Reihe machen können. Seit iOS 5 ist es möglich, die Kamera auch bei gesperrtem Bildschirm durch einen Doppel-Druck auf den Home-Button zu aktivieren.

Videos nimmt das iPhone 4S in Full-HD (1080p) auf. Auch hier ermöglicht der neue A5-Chip, dass während der Aufnahme Wechsel vom Hellen ins Dunkle fast problemlos möglich sind. Außerdem arbeiten Chip und Gyroskop bei der Echtzeit-Bildstabilisierung gut zusammen.

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Noch ist Siri in Deutschland orientierungslos.

Viel Einstellmöglichkeiten haben Nutzer bei der Kamera nicht. Man kann den Blitz ein- oder ausschalten, ein Raster einblenden oder HDR-Aufnahmen machen (Bei HDR macht die Kamera eine Belichtungsreihe mit drei Bildern, die danach kombiniert werden, um Helligkeitsunterschiede auszugleichen). Den Rest erledigt die Kamera alleine. Auch die recht gut arbeitende Gesichtserkennung schaltet sich automatisch ein - ob man will oder nicht.

Siri assistiert

Ein weiteres Highlight des iPhone 4S ist der Sprachassistent Siri. Im Gegensatz zu anderen Sprachsteuerungen soll Siri auch Anweisungen des Nutzers folgen, die über das Starten von Funktionen und Diktaten hinausgeht. Tatsächlich kann man Siri beispielsweise beibringen, wer der Ehepartner ist. Danach kann man "E-Mail an meine Frau" sagen und die Botschaft sprechen. Möglich ist auch: "Sage meiner Frau, ich bin in zehn Minuten da". Ebenso einfach kann man Termine oder Erinnerungen eintragen lassen. Das aktuelle Wetter kann man abfragen, indem man Siri fragt, ob es regnen oder die Sonne scheinen wird.

Diese Aufgaben erledigt Siri verblüffend gut. Missverständnisse werden im Laufe der Zeit seltener, da Siri sich an die Stimme des Nutzers "gewöhnt". Fragen nach geografischen Positionen kann der Assistent derzeit aber außerhalb der USA noch nicht beantworten. "Leider kann ich dir bei Wegbeschreibungen, Verkehrsdaten und Karten nicht helfen", sagt Siri in diesem Fall. Angeblich soll diese Funktion im kommenden Jahr für Deutschland und andere europäische Staaten nachgereicht werden.

Wer englisch spricht, hat mehr von Siri

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Sein ganzes Können zeigt Siri nur auf Englisch.

Apple betont, dass Siri noch in der Beta-Phase ist und wird den Sprachassistenten sicher noch weiter verbessern. Wer aber wirklich alle Vorzüge von Siri genießen möchte, muss vermutlich noch für lange Zeit die Sprache des Assistenten in den Einstellungen auf Englisch setzen. Denn die Suchmaschine Wolfram Alpha, die nach Antworten und nicht nach Stichwörtern sucht, gibt es in keiner übersetzten Version. So kann man auf Englisch die Wurzel aus 66 ziehen und wird von der deutschen Siri-Stimme nur auf die übliche Internet-Suche verwiesen. Die klappt allerdings wieder vorzüglich. "Suche im Internet nach ..." ist für Siri eine Paradedisziplin.

Alles in allem kann man sagen, dass das 4S tatsächlich "das beste iPhone aller Zeiten" ist. Die Kamera ist vielleicht die feinste, die derzeit in einem Handy steckt und der neue Doppel-Kern-Prozessor stellt auch für kommende Spiele und Anwendungen mehr als genug Leistung zur Verfügung. Wenn Siri noch verbessert wird, könnte der Sprachassistent ganz groß herauskommen. Aber schon jetzt erleichtert er die Bedienung merklich und macht viel Spaß. Zu hoffen ist, dass Apple die Ursache(n) des vermeindlichen Akku-Problems schnell findet und beseitigt.

Quelle: n-tv.de