Technik

Der weltgrößte Datendienst Supermacht Google

Google stellt Nutzern ständig neue praktische und kostenlose Dienstleistungen zu Verfügung. Natürlich macht der US-Konzern das nicht aus Menschenliebe. Google will Geld verdienen – über Werbung. Und dazu sammelt es Informationen. Je intensiver jemand die Dienste nutzen möchte, desto mehr Daten muss er Google preisgeben. So einfach ist das Geschäft. Zu einfach?

Das Geschäft beim Internet-Riesen Google läuft wieder auf Hochtouren.

Google ist eine Informations-Supermacht.

 

Als kürzlich das Football-Event Superbowl weltweit übertragen wurde, bekamen die Fernsehzuschauer einen kleinen Eindruck davon, was Google alleine schon über die Eingaben in seine Suchmaschine über sie erfährt. Im Werbespot "Parisian Love" sieht man, wie ein Nutzer nacheinander mehrere Begriffe eingibt. "Studieren in Paris", "Cafés in der Nähe des Louvre", "Übersetzung für tu es très mignon", "Wie beeindruckt man französische Mädchen", "Wer ist Truffaut?", "Fernbeziehung Rat", "Jobs in Paris", "Flugverbindung New York – Paris", "Kirchen in Paris" und schließlich "Wie baut man eine Kinderkrippe". Sieht harmlos aus, für die Datenschützer der Electronic Frontier Foundation (EFF) ist es aber ein erschreckendes Beispiel dafür, wie Nutzer Google unabsichtlich intimste Daten überlassen.

Profilsuche

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Bei Unternehmen heiß begehrt: die ersten Plätze bei Googles Suchergebnissen.

Denn wie Googles Datenschutzerklärung zu entnehmen ist, protokolliert die Suchmaschine alle Aktivitäten der Nutzer. Neben den Suchbegriffen speichert sie die IP-Adresse des Rechners und Datum und Zeitpunkt der Anfrage. Auch die Art und Weise wie ein Nutzer sucht, merkt sich Google. Erst nach neun Monaten werden die IP-Adressen gelöscht.

Im Gegensatz zu einem weit verbreiteten Irrglauben reicht die IP-Adresse aber normalerweise nicht aus, um über einen längeren Zeitpunkt ein genaues Nutzerprofil zu erstellen. Die Fritzbox und andere Router, über die die meisten Nutzer ins Internet gehen, behalten die IP-Adresse nur für 24 Stunden bei. Durch eine Zwangstrennung vergeben sie danach eine andere Kombination. Die Stadt beziehungsweise der Standort des Provider-Servers lässt sich aber immer feststellen.

Spiel mit offenen Karten

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Der Krake Google macht aus seinem Daten-Appetit keinen Hehl.

(Foto: REUTERS)

Google platziert allerdings so genannte Cookies, die im Browser der Nutzer abrufbare Informationen abspeichern. Außerdem versucht die Suchmaschine Nutzer über Verhaltensmuster zu identifizieren. Wer seinen Browser mit dem Such-Werkzeugkasten Toolbar aufpeppt, nimmt Google die Arbeit ab - er legt sein gesamtes Surf-Verhalten offen. Nutzer des hauseigenen Browsers Chrome geben Google auch ohne Toolbar freie Hand.

Der Internet-Riese macht aus seiner Gier nach Informationen dabei keinesfalls ein Geheimnis. Wer wissen möchte, wie mit seinen Daten umgegangen wird, kann dies in Googles Datenschutz-Center erfahren.

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Um den Foto-Dienst Picasa nutzen zu können, ist ein Google-Konto erforderlich.

Cookies komplett auszuschalten, um Googles Schnüffelei einen Riegel vorzuschieben, ist nicht ratsam, da viele Webseiten oder Dienste ohne sie nicht richtig funktionieren. Nutzer können aber Googles Cookies gezielt blockieren. Im Firefox-Browser funktioniert dies beispielsweise unter Extras – Einstellungen – Datenschutz. Wer den Internet Explorer verwwendet, findet diese Einstellungen unter Extras – Internetoptionen – Datenschutz.

Riskantes Konto

Datenschützern bereiten vor allem Google-Dienste wie Mail, Blogger, Picasa oder Text & Tabellen Kopfzerbrechen. Denn um sie verwenden zu können, müssen Nutzer ein Google-Konto haben. Das Problem: Wer sich bei seinem "Account" einloggt, verrät Google automatisch alles, was er macht. Ob Nutzer persönliche Daten bei einem der Dienste abspeichern wollen, sollten sie sich vorher also gut überlegen. Google versichert zwar, dass es etwa E-Mails nur nach Stichworten scannt, um passgenaue Werbung zu platzieren. Der Schritt zum Missbrauch ist aber nur klein.

Google beherrscht den Suchmaschinenmarkt

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Ärgerlich für Google: Die Chinesen suchen lieber mit Baidu.

(Foto: REUTERS)

Gegründet wurde Google Inc. am 7. September 1998 von Larry Page und Sergei Brin in einer kalifornischen Garage mit einem Startkapital von 810.000 Dollar. Damals gab's nur die gleichnamige Suchmaschine, die 500.000 Suchanfragen täglich verzeichnete. Heute sind es alleine in Deutschland 140 Millionen, weltweit beantwortet Google pro Tag über eine Milliarde Anfragen. Das entspricht einem Marktanteil von rund 80 Prozent. Hierzulande kommt Google sogar auf über 90 Prozent.

Neben der reinen Textsuche bietet Google inzwischen viele zusätzliche Suchfunktionen und -optimierungen an. Künftig soll es auch möglich sein, per Foto zu suchen. Zu einem Flop könnte die Volltextsuche in Büchern werden. Zu viele Verlage und Länder klagen wegen Urheberrechtsverletzungen und verhindern die massenhafte Digitalisierung von Büchern.

Die wertvollste Marke der Welt

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Für Google geht es stetig bergauf.

(Foto: Wikipedia)

Im Laufe der Jahre sind der Datenkrake viele neue Arme gewachsen. Googles Dienste bilden jetzt ein weltumspannendes Netzwerk. Das Konzept, Werbung passend zu Nutzereingaben einzublenden, hat das Unternehmen reich und mächtig gemacht: Google ist laut Marktforscher Millward Brown mit einem Wert von rund 100 Milliarden Dollar die teuerste Marke der Welt. Rund 20.000 Google-Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr 6,5 Milliarden Dollar Gewinn. Das meiste Geld will Konzernchef Eric Schmidt in weiteres Wachstum investieren. Sein Unternehmen peile - wie bisher - eine Übernahme pro Jahr an, sagte er bei der Vorstellung der beeindruckenden Bilanz.

Eine der spektakulärsten Übernahmen der Vergangenheit war die des Video-Portals YouTube. Google zahlte damals umgerechnet 1,31 Milliarden Euro in Aktien: "Peanuts". Angeblich hat der Konzern derzeit 24,5 Milliarden Euro in der Kriegskasse.

Zickige Chinesen

Angesichts solcher Zahlen kann man verstehen, dass Google bereit ist, für einen Imagegewinn den chinesischen Suchmaschinenmarkt aufzugeben. Da der Konzern dort erst spät eingestiegen ist, hat er einen schwierigen Stand. Die Chinesen durchsuchen überwiegend mit der einheimischen Baidu das Internet. Man möchte Google zwar gerne glauben, dass es gegen Zensur und für die Meinungsfreiheit kämpft - es fällt aber nicht leicht. Über ein Hintertürchen versucht das Unternehmen nämlich weiter, auf dem chinesischen Internet-Werbemarkt mitzumischen. Angeblich ist Google Teil eines Konsortiums um den US-Konzern Walt Disney, das für mehr als 100 Millionen Dollar eine Beteiligung von 30 bis 40 Prozent an der Shanghaier Werbefirma Bus Online anstrebt.

Mobile Zukunft

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Google-Mitbegründer Sergey Brin. Sein Vermögen wird auf zwölf Milliarden Euro geschätzt.

(Foto: REUTERS)

Viele Google-Dienste laufen auch auf Smartphones. Seit das Betriebssystem Android veröffentlicht wurde, hat Google dafür auch noch ein eigenes mobiles Betriebssystem im (Gratis-) Angebot. Es ist so gut, dass Android-Handys als einzige ernstzunehmende Konkurrenten von Apples iPhone gelten. Anfangs war es unmöglich, Android-Telefone ohne einen Google-Account zu nutzen. Nach Protesten hat Google diese Beschränkung aber schnell aufgehoben. Trotzdem: Wer sein Android-Handy das erste Mal in Betrieb nimmt, hat alle Dienste vorinstalliert. Er muss sich nur noch anmelden. Alles ist ganz einfach.

Um die Nutzung seiner Dienste voranzutreiben, hat Google kürzlich auch ein eigenes Smartphone auf den Markt gebracht. Der Absatz des Nexus One läuft zwar schleppend an, doch Google ist nicht auf Verkaufsgewinne angewiesen. Dass immer mehr etablierte Handy-Hersteller wie Motorola leistungsstarke Android-Smartphones auf den Markt bringen, ist für die Kalifornier letztendlich wesentlich lukrativer.

Verlockend gute Software

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Das Nexus One ist bisher nur in den USA und Großbritannien erhältlich.

(Foto: REUTERS)

Ein großer Wurf ist Google im Herbst 2009 mit der neuen Navigationsfunktion für Handys gelungen. Sie arbeitet hervorragend und kann spezielle Geräte überflüssig machen. Sogar Linux-Erfinder und Handy-Hasser Linus Torvalds ist von der Applikation begeistert.

Die Navigation basiert auf den Diensten Google Maps und Google Earth, mit denen Nutzer Orte finden und auf einer Karte oder Satelliten- und Luftbildern anzeigen lassen können. Die Bilder, die für eine Navigation mit Fotos notwendig sind, haben Googles Kamera-Autos geschossen, die für das umstrittene Projekt Streetview unterwegs sind. Während in den USA ein Großteil des Straßennetzes bereits im Kasten ist, stößt Google in Deutschland und anderen europäischen Ländern auf Widerstand von Bürgern und Datenschützern. Sie verlangen beispielsweise, dass Google von jedem Hausbesitzer die Erlaubnis einholt, Fotos seines Anwesens online zu stellen. Google räumt bisher nur die Möglichkeit ein, Daten auf Antrag löschen zu lassen.

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Mit Buzz will Google Facebook Konkurrenz machen.

Unter anderem wegen dieser Schwierigkeiten funktioniert der Navigationsdienst bisher nur in den USA problemlos. Zumindest als Kartennavigation ist der deutsche Dienst aber bereits in der Beta-Phase. Nutzer, die mit dem Dienst unterwegs sind, teilen Google über die GPS-Funktion ihres Handys exakt mit, wo sie sich gerade befinden. Wenn sie dann auch noch nach einem Fachgeschäft, einem Restaurant oder Dienstleister in der Nähe suchen, sind zumindest Googles Anzeigenverkäufer am Ziel.

Buzz ist unglaublich

Der vorläufige Höhepunkt ist Buzz. Mit seinem eigenen sozialen Netzwerk könnten Nutzerprofile Google auf dem Tablett serviert werden. Der Dienst vernetzt Maps, Twitter, Mail, Flickr und Picasa. So werden oft genutzte Mail-Kontakte beispielsweise zu Buzz-Freunden öffentlich - ob sie wollen oder nicht. Bei Buzz angemeldete Nutzer sind in Maps auf dem Handy zu erkennen und können angeklickt werden. Der Dienst zeigt dann Vor- und Nachname, Straße und Postleitzahl an. Nachrichten (Feeds) der Buzz-Nutzer sind ebenfalls für jedermann sichtbar. Ein Horror für alle Datenschützer. Wer trotzdem nicht auf Buzz verzichten möchte, kann sich zumindest ein wenig verstecken: Die Einstellungen für Buzz werden im Google-Konto festgelegt. Für Buzz müssen Nutzer dort ihr Profil für die Öffentlichkeit freigeben. Wenn dort kein Häkchen vor "Die Liste der Personen anzeigen, bei denen ich mitlese und die bei mir mitlesen" gesetzt ist, kann niemand sehen, wem ein Nutzer folgt und wer ihm folgt. Google hat außerdem angekündigt, den Datenschutz bei Buzz zu verbessern.

Niemand muss mitmachen

Wie bereits erwähnt: Google macht aus seinem Daten-Hunger keinen Hehl. Nichts auf dieser Welt ist gratis – Google-Dienste schon gar nicht. Menschen, die nicht ausgeschnüffelt werden wollen, müssen sie nicht nutzen. Niemand zwingt sie dazu. Als Alternative können sie für die Dienste anderer Anbieter zahlen oder ganz verzichten. Und nicht vergessen: Alles, was Sie im Internet veröffentlichen, kann irgendwann einmal gegen Sie verwendet werden. Also schön vorsichtig bleiben.

 

Quelle: n-tv.de

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