Technik

Elektronisches WörterbuchTaugt der Taschenübersetzer?

20.04.2009, 17:19 Uhr

Wörterbücher sind im fremdsprachigen Ausland fast unentbehrlich, haben aber zwei Nachteile: Zum einen sind sie oft schwer. Zum anderen liefern sie eben nur Wörter - ganze Sätze muss man sich selbst zusammenformulieren. Taschenübersetzer schaffen Abhilfe.

Da kann der Tourist vor seiner Abreise noch so viel geübt haben - im Ausland fallen ihm dann doch die passenden Worte in der fremden Sprache nicht ein. Ein Wörterbuch hilft weiter, ist aber ziemlich schwer. Handlicher sind elektronische Taschenübersetzer. "Die sind zwar kein vollwertiger Ersatz für ein computergesteuertes Profi-Programm", sagt Falk Schönau, Bürotechnikexperte bei Conrad Electronic. "Sie können aber Wörter und in der Regel auch ganze Sätze oder Redewendungen übersetzen und sind für die Reise normalerweise ausreichend."

Günstige Geräte gibt es bereits ab 45 Euro. Sie übersetzen rund 120.000 Stichwörter in sechs europäische Sprachen. Zudem enthält ihre Datenbank meist auch nützliche Formulierungen wie die Frage nach dem nächsten Arzt oder nach der Rechnung im Restaurant. Die meisten Modelle bieten zudem einen Speicher für eigene Einträge wie neue Wörter oder Adressen. Im Ausland helfen sie außerdem mit Umrechnungstabellen für Maße und Währungen.

Umgangssprache und Fachwörter

"Wer etwa 150 Euro investiert, bekommt ein Profi-Gerät, das rund 250.000 Stichwörter und rund 400.000 Redewendungen erkennt", sagt Schönau. Diese Übersetzer liefern auch umgangsprachliche Ausdrücke und berufsspezifische Fachwörter. Das macht sie nicht nur für Privatreisende, sondern auch für den Einsatz im Job interessant. Die Datenbank eines Geräts in dieser Preisklasse erkennt oft zwölf Sprachen - darunter Chinesisch, Japanisch oder Arabisch. Kombi-Geräte mit MP3-Player und USB-Anschluss für den Computer kosten ab 200 Euro. Der Sprachschatz lässt sich durch Software-Upgrades erweitern.

Außerdem bieten diese Geräte einen gerade für fremdsprachenunerfahrene Menschen wichtigen Vorteil: Sie sprechen einem die übersetzten Worte sozusagen vor. Ein Wort wird in das Mikrofon gesprochen und vom Mini-Computer übersetzt. "Das funktioniert im Prinzip schon beeindruckend gut", sagt Dorothee Wiegand vom Computermagazin "c't" in Hannover. Doch nur wenn das Mikro gut ist und Nebengeräusche filtert, stimme am Ende auch die Übersetzung.

Klein und leicht

Taschenübersetzer sind meist etwas größer als Handys und wiegen 150 bis 200 Gramm. Im Reisegepäck fallen sie also kaum ins Gewicht. Zu winzig sollten die Geräte aber nicht sein: So muss man die Tastatur auch bedienen können und wenn phonetische Zeichen, also lautsprachliche Hilfen, angezeigt werden, ist ein größerer Bildschirm von Vorteil. Geräte, die sich automatisch ausschalten oder einen Stromsparmodus haben, zahlen sich vor allem auf längeren Reisen aus - denn in einem Ferienort sind neue Batterien meist nicht billig.

Wer nicht noch ein zusätzliches elektronisches Gerät im Handgepäck haben möchte, kann auch sein Handy mit einer entsprechenden Übersetzungssoftware aufrüsten. "Man darf sich nicht die Lösung aller Probleme davon versprechen", sagt Wiegand. "Einzelwort-Übersetzungen funktionieren aber wunderbar." Ganze Sätze übersetzten die Programme dagegen nicht immer zuverlässig richtig.

"Die Aufrüstung des Handys mit der Software geht ganz einfach: Der Kunde bekommt einen Link zum Runterladen und die Aktivierungsschlüssel", erklärt Stephan Meyer vom Softwareanbieter Ectaco. Wichtig sei aber, vor dem Kauf der Software zu prüfen, ob diese auch mit dem Handy kompatibel ist. Bei einigen Anbietern lässt sich das mit Hilfe von Demoversionen testen. Preislich ist die Software günstiger als ein Taschenübersetzer: Ein Wörterbuch mit 300.000 bis 400.000 Wörtern kostet etwa ab 30 Euro, ein Volltextübersetzer mit Redewendungen und ganzen Sätzen gut 100 Euro.

Übersetzen per Kamera

Wer auf Auslandsreisen unverstandene Wörter oder Sätze gar nicht erst in einen Taschenübersetzer oder das Mobiltelefon eintippen möchte, kann es mit der Handy-Software "Shoot & Translate" von Linguatec probieren. Das Programm nutzt dabei die Kamera des Handys: Man fotografiert das zu übersetzende Wort beispielsweise von einem Schild ab und schickt es dann vom Handy an einen Server. Von dort erhält man die Übersetzung zurück aufs Telefon. Bei einzelnen Wörtern funktioniere der Service ganz gut, sagt Dorothee Wiegand von der Computerzeitschrift "c't". "Ganze Sätze werden in den meisten Fällen aber nicht fehlerfrei übersetzt." Der Hersteller Abbyy hat die Einführung einer ähnlichen Software für den Sommer angekündigt.