Technik

"Schlimmer als bei Aldi" Windows-7-Aktion führt zu Chaos

Im Online-Handel war die Vorverkaufsversion von Windows 7 innerhalb weniger Minuten vergriffen. Wer jetzt noch das 50-Euro-Schnäppchen machen will, braucht viel Glück.

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Microsoft hofft, nach der Pleite von Vista, mit Windows 7 wieder punkten zu können.

Fest stand von Anfang an, dass die 50-Euro-Version nur bei großen Retail- und Online-Händlern verfügbar sein würde. Der Online-Kauf bereitet allerdings große Probleme. Bei Amazon ist Windows-7 offenbar schon ausverkauft. Die Internet-Seite von Conrad, die auch mit in die Verkaufsaktion einbezogen ist, ist mittlerweile nicht mehr erreichbar. Bei Cyberport ist das neue Microsoft-Betriebssystem ebenfalls nicht mehr erhältlich. Offenbar stand für den deutschen Markt eine deutlich geringere Stückzahl zur Verfügung als bei einem ähnlichen Angebot in den USA. In den Staaten, wo die Aktion am 11. Juli nach zwei Wochen zu Ende ging, kamen anscheinend alle Schnäppchenjäger zum Schuss.

Spott und Hohn sind Amazon für diese Aktion jedenfalls schon sicher. Zahlreiche Kunden, die gerne zugeschlagen hätten, nutzen die Möglichkeit der Kundenrezension, um ihrem Ärger Luft zu machen. Da ist von der "größten Verarsche der letzten Jahre" und einer "bodenlosen Unverschämtheit" die Rede. "Hatten die nur 10?" mutmaßt ein nicht zum Zug gekommener Nutzer und "schlimmer als bei Aldi" meint ein anderer. Der Microsoft Store hat auch erst mal dicht gemacht: "Liebe Kunden, aufgrund des aktuellen Microsoft Windows 7 Vorverkaufsstarts und des damit verbundenen hohen Besucheraufkommens ist unsere Webseite derzeit nur eingeschränkt erreichbar", heißt es dort.

Microsoft-Pressesprecherin Irene Nadler äußerte sich auf Anfrage von n-tv.de zurückhaltend. Man freue sich, dass es für Windows 7 eine so große Nachfrage gebe. Allen, die in den Online-Shops nicht zum Zuge gekommen sind, rät Nadler, sich auf den Weg zu MediaMarkt und Co. zu machen. Wie dort die Lagerbestände aussehen, weiß Nadler allerdings auch nicht. Fest steht: Wer keine 50-Euro-Version ergattert, braucht nicht auf die Gnade von Microsoft zu hoffen. "Das Vorbestellungsangebot wird voraussichtlich nicht erweitert", so Nadler. Hier war also das im Handel übliche "so lang der Vorrat reicht" zur Abwechslung tatsächlich mal sehr ernst gemeint und nicht nur ein Lockmittel. Wie viele Vorverkaufslizenzen für den Deutschen Markt zur Verfügung stehen, wollte Nadler nicht verraten.

Marktstart am 22. Oktober

Microsoft erwartet für sein neues Betriebssystem Windows 7 eine "rasante Nachfrage" unter den Nutzern. Nach Schätzungen der Marktforscher von IDC könne man erwarten, dass bereits bis Ende 2010 insgesamt rund 177 Millionen Lizenzen verkauft werden, teilte das Unternehmen auf einer Partner-Konferenz in New Orleans (US-Bundesstaat Louisiana) mit. Anders als bei dem nur mäßig erfolgreichen Windows Vista werde die Nachfolge-Software vor allem auch in Unternehmen gut aufgenommen, hieß es. "Alle die, die Windows 7 gesehen haben, sind restlos begeistert", sagte Microsoft- Manager Robert Helgerth. Microsoft will das neue Betriebssystem am 22. Oktober auf den Markt bringen.

Vista sei damals wegen seiner hohen Anforderungen an die Leistung der PCs vorwiegend bei Neuanschaffungen von Computern vertrieben worden, sagte Helgerth. Das sei bei Windows 7 völlig anders. Im Unterschied zu dem Ressourcen fressenden Vista soll Windows 7 schlank genug sein, um auch auf den kleinen, derzeit sehr populären Netbooks betrieben zu werden. Vor allem in Unternehmen habe Microsoft positive Resonanz auf das neue Betriebssystem erhalten. Vista hatte Anfang 2007 nach mehr als fünf Jahren das betagte Windows XP abgelöst, wurde aber sowohl von den Privatkunden als auch bei Unternehmen nur sehr zögerlich angenommen.

"Wichtiger Meilenstein"

Microsoft sieht in dem neuen Betriebssystem auch einen weltweiten Jobmotor. Windows 7 sei ein "wichtiger Meilenstein" für die gesamte Wirtschaft, sagte Marcel Schneider, Geschäftsführer bei Microsoft Deutschland. An der Produktion und dem Vertrieb der Software seien rund 350.000 Unternehmen beteiligt. Durch die zu erwartende starke Nachfrage könnten im Umfeld über 300.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Nach dem Start von Vista hatten mehrere PC-Hersteller kritisiert, dass der sonst übliche belebende Einfluss auf die Computer-Branche ausgeblieben sei.

Quelle: ntv.de

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