"Lösung für Fachkräftemangel"Agile Robots: Humanoide Roboter werden künftig wichtiger als Autobranche sein

Der Markt für humanoide Roboter wird nach Einschätzung von Agile Robots in einigen Jahren die Automobilbranche überflügeln.
Denn statt nur eines Fahrzeugs pro Familie werde voraussichtlich jedem Menschen ein mechanischer Begleiter zur Seite stehen, sagte Zhaopeng Chen, Gründer und Chef des Münchener Roboter-Startups, der Nachrichtenagentur Reuters. Er sei zudem zu 100 Prozent überzeugt, dass diese Maschinen den Menschen keine Arbeitsplätze wegnehmen, sondern sie bei ihren Tätigkeiten unterstützen werden. "KI-gesteuerte Roboter sind die Lösung für das Problem des Fachkräftemangels."
Die Unternehmensberatung Roland Berger beurteilt die Aussichten der Branche ähnlich optimistisch. Sie traut dem Markt für humanoide Roboter langfristig ein Volumen von vier Billionen Dollar zu. Den Experten zufolge können autonom agierende und KI-gesteuerte Roboter dabei helfen, arbeits- und damit kostenintensive Prozesse zurück nach Europa zu verlagern.
Agile Robots bietet derartige Maschinen neben traditionellen Industrierobotern an. Chen gründete das Unternehmen 2018 nach seinem Studium in China und seiner Forschungstätigkeit am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Bislang hat das Unternehmen rund 1,5 Milliarden Dollar an Wagniskapital eingesammelt. Zu den Geldgebern zählen der japanische Technologie-Investor Softbank und der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi. "Im vergangenen Jahr lag unser Umsatz bei 320 Millionen Euro", erläuterte Chen. "In diesem Jahr wird er sich voraussichtlich verdoppeln." Er sei zuversichtlich, dieses hohe Wachstumstempo auf absehbare Zeit aufrechterhalten zu können.
Agile Robots konkurriert unter anderem mit Neura Robotics und Robco aus Deutschland sowie Unitree aus China. Letzteres legte vor einigen Wochen ein fulminantes Börsendebüt hin. Die Volksrepublik betrachtet humanoide Roboter als strategisch wichtige Zukunftstechnologie und fördert ihre Entwicklung unter anderem mithilfe von Subventionen. Den Analysten der Bank of America zufolge stammten 95 Prozent der im vergangenen Jahr weltweit rund 20.000 ausgelieferten humanoiden Roboter aus China. 2026 soll die dortige Produktion nach staatlichen Schätzungen auf mehr als 100.000 Einheiten steigen.
Bislang sorgen humanoide Roboter aus der Volksrepublik vor allem mit Tanz- und Kampfsporteinlagen für Aufsehen. Bei der jüngsten "Roboter-Olympiade" in Peking brach einer von ihnen in einem 100-Meter-Sprint den Weltrekord des jamaikanischen Athleten Usain Bolt – bevor er mit voller Wucht gegen eine hinter der Ziellinie eigens aufgestellte Matte prallte.