Höhere ZinskostenDeutschlands Staatsschulden im 1. Halbjahr um 99 Milliarden Euro gestiegen

Das Defizit der öffentlichen Haushalte in Deutschland hat sich im ersten Halbjahr auch durch Tankrabatt und höhere Zinsausgaben deutlich ausgeweitet.
Es summierte sich auf 98,8 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt zu der Kassenstatistik mitteilte. Im Vorjahreszeitraum war das Minus mit 58,5 Milliarden Euro deutlich kleiner ausgefallen. Der Anstieg geht darauf zurück, dass die Ausgaben von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung mit rund sechs Prozent deutlich stärker stiegen als die Einnahmen mit etwa zwei Prozent. Alle staatlichen Ebenen schlossen die erste Jahreshälfte mit einem Defizit ab.
Den mit Abstand größten Anteil am Gesamtdefizit hatte der Bund, dessen Finanzierungsloch sich auf 72,3 Milliarden Euro mehr als verdoppelte. Auf der Einnahmenseite schlugen hier Entlastungsmaßnahmen der Regierung wie die Senkung der Stromsteuer für Industrie und Landwirtschaft sowie der sogenannte Tankrabatt im Mai und Juni zu Buche. Die Steuereinnahmen des Bundes sanken daher um 3,1 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben kräftig, unter anderem wegen deutlich höherer Zinskosten.
Für den öffentlichen Gesamthaushalt kletterten die Zinsausgaben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als ein Fünftel auf 31,2 Milliarden Euro. Investoren verlangen deutlich höhere Renditen für den Kauf von Bundesanleihen - unter anderem wegen der gestiegenen Inflation und der Konkurrenz durch attraktive Unternehmensanleihen, etwa zur Finanzierung von Datenzentren für Künstliche Intelligenz.
Auch die Kommunen schrieben tiefrote Zahlen. Ihr Finanzierungsdefizit verharrte mit 20,1 Milliarden Euro auf dem Rekordniveau des Vorjahres, dem höchsten Wert für eine erste Jahreshälfte seit der Wiedervereinigung. Die Länder verzeichneten zusammengenommen ein Minus von 6,3 Milliarden Euro, wobei einzelne Bundesländer wie Bayern und Sachsen Überschüsse erzielten.
Die Sozialversicherung schloss nahezu ausgeglichen ab. Dies gelang auch deshalb, weil sie durch Darlehen des Bundes in Höhe von insgesamt 10,2 Milliarden Euro gestützt wurde.