Kurznachrichten

Studie zeigt RückschrittFrauenanteil in Konzernvorständen sinkt erstmals seit elf Jahren

29.07.2026, 09:47 Uhr
Von-einer-paritaetischen-Besetzung-in-Aufsichtsrat-und-Vorstand-seien-die-meisten-Unternehmen-noch-weit-entfernt-so-die-Analyse-von-Fidar
(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Zum ersten Mal seit der Einführung von Frauenquoten für Führungspositionen vor elf Jahren ist der Anteil der weiblichen Mitglieder in Vorständen deutscher Konzerne geschrumpft.

Im Mai seien 19,1 Prozent der Vorstandsposten in den 183 wichtigsten börsennotierten Unternehmen von Frauen besetzt gewesen, hieß es in einer jährlichen Studie der Initiative "Frauen in die Aufsichtsräte" (FidAR), die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Ein Jahr zuvor waren es noch 19,9 Prozent. Die Frauenquote ist damit zwar fast viermal so hoch wie 2015, von einer paritätischen Besetzung sind die Vorstände aber noch weit entfernt. Auch in den Aufsichtsräten, wo sich schon 2025 erstmals seit 2015 ein Rückgang gezeigt hatte, stagniert die Quote bei 37 Prozent.

Aufsichtsräte börsennotierter deutscher Unternehmen müssen seit 2015 zu 30 Prozent mit Frauen besetzt sein, sofern sie der paritätischen Mitbestimmung unterliegen, ihre Aufsichtsgremien also zur Hälfte mit Arbeitnehmervertretern besetzen müssen. Das betrifft 101 der 183 untersuchten Unternehmen. Erfüllt wird die Quote von 139 Firmen. Bei den übrigen fehlten insgesamt 51 Aufsichtsrätinnen, um auf 30 Prozent zu kommen, rechnete die Initiative vor. Von den 40 Dax-Unternehmen liegen Adidas, SAP und die Porsche SE unter der Zielvorgabe.

Nach der - in Deutschland nicht geltenden - EU-Führungskräfte-Richtlinie soll die Frauenquote sogar bei 40 Prozent liegen. Das erreichen laut der Studie nur 80 der 183 deutschen Unternehmen. "Die Geschlechterquote im Aufsichtsrat sollte auf 40 Prozent erhöht und auf alle Unternehmen ausgeweitet werden, die börsennotiert oder mitbestimmt sind", forderte FidAR-Präsidentin Anja Seng. "Erst wenn mehr Frauen in Leitungspositionen sind, wird die gleichberechtigte Teilhabe zur gesellschaftlichen Normalität."

Für die Vorstände gilt in Deutschland seit vier Jahren die Vorgabe, mindestens eine Frau in das Gremium aufzunehmen, wenn dieses mehr als drei Mitglieder umfasst. Von den 61 Unternehmen, auf die das zutrifft, hat Südzucker im vergangenen Jahr als letztes die Lücke geschlossen. 73 der 183 Chefetagen sind aber weiterhin ausschließlich mit Männern besetzt, 27 haben nach eigenen Angaben auch nicht das Ziel, eine Vorständin zu suchen. Seng forderte, die Vorgabe zur Pflicht zu machen und auf mehr Unternehmen auszuweiten.

Quelle: ntv.de, rts

Regionales