Höchstens zweimal im MonatUN-Bericht: Hälfte der Frauen in Afghanistan verlässt nur noch selten das Haus

Die Hälfte der Frauen in Afghanistan verlässt einer UN-Erhebung zufolge wegen der Einschränkungen durch die Taliban das Haus inzwischen nur noch höchstens zweimal im Monat."
Afghanistan hat die Rechte der Hälfte seiner Bevölkerung systematisch demontiert und ist damit zu einem globalen Sonderfall geworden, der in der modernen Welt seinesgleichen sucht", teilte die UN-Organisation für Geschlechtergerechtigkeit (UN Women) in Genf mit. Fünf Jahre nach der Rückkehr der Taliban an die Macht sei Afghanistan das weltweit einzige Land, das Mädchen den Besuch weiterführender Schulen und Frauen das Studium an Universitäten verbiete.
Die Taliban-Behörden haben UN Women zufolge seit 2021 mehr als 100 Dekrete erlassen, die sich gegen Frauen und Mädchen richten. Dies habe die weltweit schwerste Krise der Frauenrechte vertieft. Fast drei Viertel der befragten Frauen erklärten, sich ohne einen männlichen Vormund außerhalb des Hauses unsicher zu fühlen. Dies habe zudem eine psychische Krise verschärft: Sieben von zehn Frauen bezeichneten ihre psychische Gesundheit als schlecht oder sehr schlecht. Jüngste Dekrete hätten zudem den rechtlichen Schutz weiter geschwächt. Die Gleichheit vor dem Gesetz sei abgeschafft, die Autorität von Männern in der Ehe gestärkt und Scheidungen für Frauen erschwert worden.
Frauen sind in dem Land mit seinen rund 44 Millionen Einwohnern zudem weitgehend vom Wirtschaftsleben ausgeschlossen. Sieben Prozent der Frauen sind erwerbstätig, verglichen mit 84 Prozent der Männer. Die UN-Organisation befragte für den Bericht von Februar bis März vergangenen Jahres 2190 Menschen persönlich sowie von April bis Mai 2026 weitere 2811 Personen telefonisch.
Die Taliban erklärten zu der Erhebung, Berichte, wonach sich Frauen nicht sicher fühlten, wenn sie ihr Haus verließen, seien falsch. Die Lage der Frauenrechte entwickle sich positiv, sagte der Sprecher des Ministeriums für Tugendförderung und Lasterbekämpfung, Saif-ul-Islam Chajber, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Frauen im Land könnten all ihre Rechte wahrnehmen. "Dies ist das erste Mal seit rund 50 Jahren, dass sich alle Bürger Afghanistans in Sicherheit fühlen", erklärte er. Dem UN-Kultur- und Bildungswerk Unesco zufolge haben die Taliban indes seit ihrer Machtübernahme rund 2,4 Millionen Mädchen den Zugang zu weiterführender Bildung verwehrt.