Bauernprotest in Rumänien eskaliertVize-Regierungschefin wirft "extremistischen Politikern" vor, zu Gewalt anzustiften

Tränengas, Steine, Flaschen: In Bukarest eskaliert ein Bauernprotest. Sie demonstrieren gegen ein Exportverbot wegen einer Tierseuche. Rechtsextreme Politiker scheinen den Konflikt auszunutzen.
Bei Protesten von Hirten und Bauern ist es im Zentrum von Rumäniens Hauptstadt Bukarest zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Medienberichten zufolge beteiligten sich rund 3.000 Landwirte an den Protesten, bei denen auch der Autoverkehr blockiert und Polizisten mit Steinen und Flaschen beworfen wurden. Die Beamten setzten Tränengas ein.
Bei den Ausschreitungen wurden mindestens 15 Verdächtige zur Feststellung der Personalien auf Polizeiwachen gebracht. 24 Demonstranten und Polizisten mussten ärztlich versorgt werden - teils wegen Knochenbrüchen, teils wegen Beschwerden durch das Tränengas. Regierung und Opposition riefen die Demonstrierenden zum Gewaltverzicht auf.
Die Schaf- und Ziegenhirten protestierten gegen eine Verlängerung des Exportverbots für ihre Tiere bis zum Jahresende. Grund für die Maßnahme sind mehrere Ausbrüche von Schaf- und Ziegenpest in Rumänien, einer meldepflichtigen Viruserkrankung. Die Demonstranten verlangten, dass die Exportverbote nur für die von der Seuche betroffenen Betriebe gelten, nicht für das ganze Land. Viele Bauern sind zudem unzufrieden mit den Entschädigungen für Ernte-Ausfälle durch die Dürre, den niedrigen Verkaufspreisen für ihre Produkte und den hohen Energiepreisen.
Vorwürfe an Rechtsextreme als mutmaßliche Anstifter zu Gewalt
Der extrem rechte Oppositionsführer George Simion nannte die Anliegen der Hirten und Bauern legitim. Er warnte aber davor, "in die Falle von Provokateuren zu tappen" und sich von "ausländischen Interessen" spalten zu lassen. Simions Partei AUR ist die stärkste Kraft in Rumäniens Parlament.
Allerdings waren mehrere AUR-Abgeordnete bei der Demonstration dabei. Mit Blick darauf beklagte die bürgerlich-liberale Vize-Regierungschefin Oana Gheorghiu, dass "extremistische Politiker" den "legitimen Bauernprotest infiltriert" hätten, um zu Gewalt anzustiften und Chaos zu provozieren. Medien berichteten, dass viele der Festgenommenen weder Bauern noch Hirten seien.