Wirtschaft

Kampf-Gebot aus Österreich AMS bietet Milliarden für Osram

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Der Mann, der im Zentrum eines milliardenschweren Übernahmepokers steht: Osram-Chef Olaf Berlien.

(Foto: REUTERS)

Wer kommt bei der früheren Siemens-Tochter Osram zum Zug? Wenige Stunden vor dem Wochenauftakt an den Börsen kündigen die Österreicher von AMS ein aufgestocktes Angebot an. Die Chancen für Bain und Carlyle schwinden. Alles hängt jetzt an Osram-Chef Olaf Berlien.

Der österreichische Sensor-Chip-Hersteller AMS will die beiden Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle ausstechen und den Münchner Lichttechnik-Konzern Osram für bis zu 4,3 Milliarden Euro übernehmen. Das Unternehmen aus Premstätten bei Graz stellte Aktionären am Sonntagabend ein aufgestocktes Kaufangebot über 38,50 Euro je Aktie für Osram in Aussicht.

Osram Licht AG
Osram Licht AG 36,25

Das wären gut zehn Prozent mehr als die laufende Offerte von Bain und Carlyle, hinter die sich auch der Osram-Vorstand um Olaf Berlien gestellt hatte. An ihm hängt es, ob AMS überhaupt zum Zug kommen kann. Denn dazu müsste der Vorstandsvorsitzende von Osram ein Stillhalteabkommen aufheben, das die Österreicher für einen Blick in die Bücher vereinbart hatten und das ihnen eigentlich für zwölf Monate ein Angebot verbietet.

AMS erwartet bis Donnerstag eine Antwort aus München. Die Österreicher hatten schon Anfang Juli öffentlich Interesse an Osram bekundet, dann aber vorläufig einen Rückzieher gemacht, wohl weil die Finanzierung nicht stand. Nun wollen die Banken HSBC und UBS 4,2 Milliarden Euro finanzieren, einen Teil davon will AMS später durch eine 1,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung ablösen, die von den Banken garantiert wird.

AMS-Chef Alexander Everke, ein ehemaliger Siemens-Manager, warb um Berliens Zustimmung: "Gemeinsam können wir uns mit unseren erstklassigen Mitarbeitern, Produkten und Technologien als ein weltweit führender Anbieter von Sensorlösungen und Photonik etablieren und unseren Kunden erhebliche Vorteile bieten."

AMS erhofft sich von der Übernahme Einsparungen von 240 Millionen Euro im Jahr. "Wir verfolgen einen langfristigen Plan, der auf weiteren Investitionen und Wachstum basiert und den wir aus einer Position der Stärke heraus umsetzen können." Analysten machen sich seit längerem über die zu starke Abhängigkeit von AMS vom Großkunden Apple Sorgen. Zusammen mit Osram wäre die Autoindustrie mit 45 Prozent größter Umsatzbringer von AMS.

Jobs in Regensburg und München

Der österreichische Chip-Hersteller interessiert sich vor allem für das Autozuliefer- und das Photonik-Geschäft von Osram. Nach einer Übernahme wollen die Österreicher im Osram-Werk in Regensburg neue Arbeitsplätze schaffen, indem die Produktion von "Front-End-LEDs" dort gebündelt wird. Ähnlich wie Bain und Carlyle sei auch AMS zu Standort- und Beschäftigungsgarantien bereit, hieß es in der Mitteilung.

Am Osram-Sitz in München sollten "wichtige Funktionen" erhalten bleiben. Das Digital-Geschäft und das Verbraucher-Geschäft mit LED-Lampen soll nach den Vorstellungen von AMS aber verkauft werden. Bedingung für die Übernahme ist - wie bei Bain und Carlyle -, dass mindestens 70 Prozent der Osram-Aktionäre ihre Papiere verkaufen. Ob es dazu kommt, ist noch unklar - dürfte aber unter anderem auch vom Preis abhängen.

Gegenwind für Bain und Carlyle

Ein Osram-Sprecher gab sich reserviert: "Wir haben die Ankündigung zur Kenntnis genommen, uns liegt aber noch nichts dazu vor." Deshalb könne Osram dazu zunächst nicht Stellung nehmen. Ein Sprecher von Bain und Carlyle wollte sich zu dem drohenden Gegenangebot nicht äußern. Das vier Milliarden Euro schwere Angebot der beiden Finanzinvestoren, zu dem sie sich nach monatelanger Prüfung durchgerungen hatten, ist bereits in schweres Fahrwasser geraten.

Der größte Osram-Anteilseigner, der Vermögensverwalter Allianz Global Investors, hatte die von den beiden Investoren gebotenen 35 Euro als zu gering bezeichnet und angekündigt, die Offerte nicht anzunehmen. Damit schwanden die Chancen, auf die erforderliche Schwelle von 70 Prozent der Anteile an Osram zu kommen.

Gespannt warten Börsianer nun darauf, wie der Aktienkurs zum Wochenstart auf die neuen Aussichten reagieren wird. Vor dem Wochenende waren die im deutschen Nebenwerteindex MDax notierten Osram-Aktien auf einem Niveau von 31,65 Euro aus dem Handel gegangen.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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