Wirtschaft

Defizit von vier Milliarden Euro AOK reißt Kassenfinanzen tief ins Minus

23443124.jpg

Besonders die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) melden laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein nie dagewesenes Defizit.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach zwei Jahren Pandemie schreiben die Krankenkassen tiefrote Zahlen. Das Defizit der AOK sprengt mit mehr als vier Milliarden Euro wohl alle historischen Rekorde. Dennoch warnen die Kassenvertreter die Politik davor, die Entwicklung allein auf das Coronavirus zu schieben.

Die Pandemie-Jahre reißen gewaltige Löcher in das Budget der Krankenkassen: Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), melden laut einem Zeitungsbericht für das zurückliegende Jahr ein nie dagewesenes Defizit. Vorläufigen Daten zufolge, die der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) vorliegen, betrug die Finanzierungslücke im vergangenen Jahr 4,1 Milliarden Euro. Das waren noch einmal 1,5 Milliarden Euro mehr, als die AOK in den ersten drei Quartalen ausgewiesen hatte, schrieb das Blatt. Und es bedeutete eine Vervierfachung des AOK-Defizits von 2020. Zum Vergleich: 2019 hatte das Finanzloch des Verbunds nur 121 Millionen Euro betragen, 2018 und 2017 waren sogar satte Überschüsse von mehr als einer Milliarde Euro angefallen, heißt es in dem Bericht weiter.

Die anderen Verbände, etwa jene der Ersatz-, Betriebs- und Innungskrankenkassen, haben ihre Zahlen noch nicht veröffentlicht. Bis zum dritten Quartal lagen aber auch sie im Minus, mit Ausnahme der kleinen Landwirtschaftskassen und der großen Ersatzkassen. Das Gesamtsystem hatte damals minus 3,2 Milliarden Euro ausgewiesen. Selbst wenn der Ersatzkassenverband seine geringen Überschüsse von 70 Millionen Euro im vierten Quartal ausgebaut haben sollte, sind angesichts der überwältigend schlechten AOK-Daten keine grundlegenden Verbesserungen in den GKV-Finanzen zu erwarten, rechnet die "FAZ" vor. 2021 könne demnach als eines der schlechtesten oder vielleicht sogar als das schlechteste Jahr überhaupt in die GKV-Geschichte eingehen.

Menschen gingen während der Pandemie weniger zum Arzt

Neben der AOK hat auch die kleine Knappschaft ihre Jahreszahlen präsentiert. Bei ihr fiel ein Defizit von 104 Millionen Euro an, etwas weniger als 2020 mit damals 138 Millionen. Knappschafts-Geschäftsführerin Bettina am Orde stellte allerdings klar, dass die Belastungen nicht an der Corona-Pandemie lagen. Es habe, im Gegenteil, eine "pandemiebedingte Zurückhaltung der Versicherten bei der Inanspruchnahme von Versicherungsleistungen" gegeben, sagte Orde laut "FAZ".

Vielmehr habe der Fehlbetrag mit der Vermögensabgabe zu tun, also dem Rückgriff in die Reserven. Diesen hatte die zurückliegende Bundesregierung mit Gesundheitsminister Jens Spahn den Kassen auferlegt, um die GKV-Finanzen zu stabilisieren. Orde bemängelte, dass solche Kassen besonders tief in die Tasche hätten greifen müssen, "die in der Vergangenheit sparsam mit Versichertengeldern umgegangen waren". Die Knappschaft habe 187 Millionen Euro an den Gesundheitsfonds abführen müssen. Über alle Kassen hinweg betrug die Vermögensabgabe 8 Milliarden Euro. Orde forderte: "Die Krankenkassen brauchen umgehend eine verlässliche Finanzierungsgrundlage und Planungssicherheit für die kommenden Jahre."

Auflösung der Finanzrücklagen brachte AOK in Bedrängnis

Als stark gebeutelt empfinden sich auch die Ortskrankenkassen, die ebenfalls Sondereffekte als Erklärung für das schlechte Abschneiden ins Feld führen. Die AOK-Gemeinschaft sei "überproportional" von der Auflösung der Finanzrücklagen belastet worden, nämlich mit 4,2 Milliarden Euro, sagte die neue Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands Carola Reimann.

Was die künftige Kassenlage angeht, warnte Reimann: "Nun sind unsere Rücklagen zu großen Teilen aufgebraucht." Gleichzeitig sei nach der Corona-Welle "in nächster Zeit mit kräftigen Nachholeffekten und einem Anstieg der Ausgaben zu rechnen". Darauf müsse die neue Bundesregierung reagieren, so die Verbandschefin: "Angesichts unserer geschwächten Finanzbasis und einer verschlechterten Wettbewerbsposition erwarten wir von der Politik deutliche Signale zur finanziellen Stabilisierung."

Quelle: ntv.de, mau

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen