Wirtschaft

Deutsche Bank in der Misere Ackermann weist alle Schuld von sich

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Symbol der Abgehobenheit: Ackermann zeigt während des Mannesmann-Prozesses 2004 im Landgericht das Victory-Zeichen.

(Foto: dpa)

Die Deutsche Bank ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Schuld an den Dauerverlusten sehen viele beim langjährigen Chef Josef Ackermann und dessen ehrgeizigen Renditezielen. Der bald 70-jährige Ex-Manager mag allerdings bis heute keine Fehler erkennen.

Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann blickt zufrieden auf seine zehn Jahre an der Spitze des größten deutschen Geldhauses zurück. "Ich bin darauf und auf die Leistung meines Teams sehr stolz. Die Deutsche Bank hat damals geschafft, was viele andere vergeblich versucht haben, und ist binnen weniger Jahre in die Topliga der internationalen Banken aufgestiegen", sagte Ackermann.

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Ackermann wurde in den vergangenen Jahren mehrfach für die schwere Krise verantwortlich gemacht, in der die Deutsche Bank heute steckt. Seit drei Jahren verdient die einst stolze Bank kein Geld mehr. Der Aktienkurs ist von mehr als 60 auf zeitweise unter 10 Euro eingebrochen. Aktionäre und auch der amtierende Konzernchef John Cryan verweisen dabei häufig auf Ackermann und dessen Führungsteam, dass mit einer aggressiven Geschäftspolitik die Rendite nach oben trieb und dabei hohe Risiken einging - und zudem die heute dringende Modernisierung der Bank aufgeschoben haben soll.

So monierte Cryan im vergangenen Sommer, die Deutsche Bank habe nach der Finanzkrise 2007/2008 später als Wettbewerber begonnen, Probleme zu beheben: "Wir wären heute in besserer Verfassung, wenn wir das, was wir in den vergangenen zwei Jahren erledigt haben, schon vor sechs oder sieben Jahren getan hätten."

"Rechtskosten nicht absehbar"

Auf die Frage, ob solche Kritik berechtigt sei, antwortete Ackermann: "Öffentlich mit dem Finger auf Vorgänger oder Nachfolger zu zeigen, ist nicht mein Stil." Auch er habe Fehler gemacht - "welcher Mensch macht keine? - aber diese hielten sich vergleichsweise doch sehr in Grenzen", bilanzierte der Schweizer nun.

"Ich habe seinerzeit eine Bank an meine Nachfolger übergeben, die für die Zukunft gut aufgestellt war", betonte Ackermann. "Die Bank erwirtschaftete nach der Finanzkrise erneut stattliche Gewinne in Milliardenhöhe." Risiken seien "massiv verringert" und "erhebliche Abschreibungen" auf Altlasten vorgenommen worden. Die stabilen Geschäftsfelder seien mit dem Kauf der Postbank gestärkt und die Anreizsysteme in der Bank "auf Nachhaltigkeit ausgerichtet" worden.

"Kurz, wir haben alles zeitnah korrigiert, was als korrekturbedürftig erkennbar war", sagte Ackermann. "Welche Rechtskosten später noch auf die Bank zukommen würden, war bei meinem Ausscheiden noch nicht absehbar. Aber unabhängig davon standen diese einer guten Zukunft nicht im Wege. Man muss sich dazu nur die Wettbewerber vor allem in den USA ansehen. Die hatten ein Vielfaches an Rechtskosten zu verkraften und verdienen dennoch längst wieder prächtig."

Dass der Vorstand unter seiner Ägide das ehrgeizige Ziel einer Eigenkapital-Rendite von 25 Prozent vor Steuern ausgab, hält Ackermann auch rückblickend nicht für einen Fehler: "Ganz im Gegenteil, es war für die finanzielle Gesundheit der Bank unabdingbar. Nur eine Bank, die gut verdient, kann auch die Risiken tragen, die das Geschäft zwangsläufig mit sich bringt. Bei unseren Wettbewerbern lag die Messlatte schon längst so hoch."

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa

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