Wirtschaft

Deutsche Standorte betroffen Airbus gibt den Riesenjet A380 auf

Kurswechsel in Toulouse: Der europäische Flugzeugbauer Airbus verkündet das Aus für den weltgrößten Passagierjet A380. Die Produktion wird bis 2021 eingestellt. Ein wichtiger Großkunde habe seine Bestellung reduziert, heißt es. Der scheidende Airbus-Chef Enders kann zum Abschied starke Zahlen präsentieren.

Bitteres Ende eines ingenieurstechnischen Höhenflugs: Airbus verabschiedet sich offiziell von seinem mit Abstand größten Vorzeigemodell, dem zweistöckigen Riesenjet A380. Das Aus für das A380-Programm verkündete Airbus am Tag der großen Bilanzvorlage: Trotz hoher Belastungen durch die Einstellung des A380-Programms und Kosten für den Militärtransporter A400M konnte der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern im vergangenen Jahr einen deutlichen Gewinnsprung erzielen.

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Unter dem Strich stand ein Gewinn von 3,05 Milliarden Euro und damit 29 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie Airbus am Konzernsitz in Toulouse mitteilte. Der Umsatz legte 2018 um acht Prozent auf 63,7 Milliarden Euro zu. Die Sonderbelastungen durch A380 und A400M summierten sich auf rund 900 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen eine um zehn Prozent auf 1,65 Euro erhöhte Dividende erhalten. Analysten hatten im Schnitt jedoch mit einer stärkeren Anhebung gerechnet.

Für das laufende Jahr stellt die Airbus-Führung um den scheidenden Vorstandschef Tom Enders weitere Zuwächse in Aussicht. Der bereinigte operative Gewinn soll um etwa 15 Prozent steigen. Dazu will das Unternehmen insgesamt 880 bis 890 Passagierjets ausliefern. Im vergangenen Jahr hatte Airbus mit 800 ausgelieferten Maschinen nur knapp das eigene Produktionsziel erreicht.

Mit einer Entscheidung zur Zukunft der A380-Produktion hatten Branchenkenner mit Blick auf die anstehende Veröffentlichung der Geschäftsergebnisse bereits gerechnet. Offen war bis zuletzt noch, ob es Airbus gelingt, weitere Großkunden von einer Anschaffung des Riesenfliegers zu überzeugen.

Mit dem Produktionsende 2021 ist die Einstellung der A380-Fertigung nun beschlossene Sache: Die Fluggesellschaft Emirates habe ihre Bestellung zuletzt um 39 Maschinen reduziert, teilte Airbus am frühen Morgen mit. Damit gebe es keine Grundlage mehr für eine Fortsetzung der Produktion.

Emirates ist der größte A380-Kunde. In den kommenden zwei Jahren wird die arabische Airline noch 14 Exemplare vom Typ A380 in Empfang nehmen. Bei Vielfliegern sind die geräumigen Maschinen sehr beliebt: Aufgrund ihrer Größe, heißt es, liegen die bis zu knapp 580 Tonnen schweren Jets auch in unruhigen Wetterlagen besonders stabil in der Luft. Die letzte Auslieferung für den A380 sei für 2021 geplant, hieß es aus Toulouse. Von der Entscheidung sind auch Airbus-Standorte in Deutschland betroffen.

Airbus plant interne Stellenwechsel

Airbus werde in den nächsten Wochen Gespräche mit den Sozialpartnern bezüglich der 3000 bis 3500 Stellen aufnehmen, die in den kommenden drei Jahren betroffen sein könnten. Es werde aber zahlreiche Möglichkeiten für interne Stellenwechsel geben, hieß es. Teile des größten Passagierflugzeugs der Welt werden an Airbus-Standorten in Deutschland gefertigt - darunter Hamburg, Bremen, Stade und Augsburg. Wegen der Auftragsflaute beim A380 standen zuvor bundesweit bereits Tausende Arbeitsplätze bei Airbus auf der Kippe.

Für Airbus ist das Aus für die A380 ein herber strategischer Rückschlag: Der vierstrahlige Riesenflieger mit Platz für bis zu 853 Passagiere sollte es eigentlich mit dem jahrzehntealten Erfolgsmodell 747 "Jumbo" des großen US-Rivalen Boeing aufnehmen. Durch den Einbau eines zweiten Passagierdecks wollte Airbus bei den Fluggesellschaften vor allem auf den stark frequentierten Hauptstrecken punkten.

Die enorme Größe des neuen Luftfahrtgiganten stellte Ingenieure und Flughafenbetreiber vor neue Herausforderungen: Schon in der Planungsphase hatten Kritiker moniert, dass die riesige Maschine mit ihrer enormen Flügelspannweite und dem geräumigen Rumpf für viele kleinere Flughäfen viel zu groß sei. An einzelnen Drehkreuzen wurden extra Passagierbrücken installiert, um das Boarding der Maschinen in vertretbarer Zeit abwickeln zu können.

Am Markt vorbei gebaut

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Seiner Zeit voraus? Eine A380 im Landeanflug.

(Foto: REUTERS)

Das A380-Programm bereitet Airbus schon länger große Sorgen. In den Jahrzehnten seit dem ersten Entwurf hat sich der Flugzeugmarkt grundlegend verändert. Faktoren wie die stark gestiegenen Kerosinpreise und die verstärkte Nachfrage nach flexibler einsetzbaren Mittelstreckenjets erschwerten den Verkauf des Airbus-Flaggschiffs. Airlines interessierten sich sehr viel stärker für kleinere Spritsparmodelle wie etwa die A320neo.

In den vergangenen Jahren hatte der Konzern sichtlich Mühe, genügend Kunden für das Modell A380 am Markt aufzutreiben. Der Markt für Großflugzeuge war zuletzt mehr und mehr ausgetrocknet: Airbus-Großkunde Emirates reduzierte die A380-Bestellungen zuletzt von 162 auf 123 Maschinen. Damit war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die kostspielige Aufrechterhaltung der A380-Produktionslinien nicht länger tragbar war.

Emirates bestellt A330 und A350

Um das Ende hinauszuzögern und mögliche Wartezeiten auf neues Kundeninteresse zu überbrücken, fuhr Airbus bereits die Jahresproduktion von zeitweise bis zu 30 Maschinen auf nur noch sechs Exemplare zurück. Infolge der Entscheidung von Emirates gebe es nun jedoch keinen nennenswerten Auftragsbestand mehr und damit keine Grundlage für eine Fortsetzung der Produktion, wie Konzernchef Tom Enders erklärte.

Die Fluggesellschaft Emirates setzt künftig ebenfalls auch auf kleinere Großraumflugzeuge. Die Airline habe 40 Exemplare des Typs A330-900 sowie 30 Maschinen des Typs A350-900 bestellt, teilte Airbus mit.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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