Wirtschaft

Nach Gewalt gegen Passagier Airline bietet Kunden bis zu 10.000 Dollar

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Viel Platz: Nach all den Skandalen muss United Airlines fürchten, dass sich das Überbuchungsproblem bald von selbst lösen könnte.

(Foto: AP)

Seit Polizisten einen Passagier mit Gewalt aus dem Flugzeug entfernten, gilt United als Skandal-Airline. Mit viel Geld will der Konzern solche Zwischenfälle künftig verhindern. Doch es ist zweifelhaft, ob das ausreicht, um das Image zu retten.

Nun starb auch noch Simon an Bord einer United-Maschine! Nach einer ganzen Serie von Skandalen um die Behandlung von Passagieren droht der US-Fluglinie das nächste PR-Desaster. Eine Britin berichtet, ihr wertvolles Riesenkaninchen Simon sei auf einem Transatlantikflug der Gesellschaft gestorben. Das Jungtier, das angeblich wohl bald zum größten Kaninchen der Welt herangewachsen wäre, sei bei Abflug in London topfit gewesen, sagte die Züchterin der britischen "Sun". Doch bei Ankunft in den USA wurde Simon tot im Gepäckabteil aufgefunden.

Während der Strom negativer Schlagzeilen kaum abreist und sich die sozialen Netzwerke mit Hasen-Witzen über United Airlines füllen, geht die Fluglinie nun in die Gegenoffensive, um den eigenen Ruf zu retten. Gut zwei Wochen nach dem gewaltsamen Rauswurf des Arztes David Dao kündigt United unter anderem an, künftig Passagieren bis zu 10.000 Dollar anzubieten, damit sie ihre Plätze im Falle einer Überbuchung freiwillig räumen.

Dao sollte am Abend des 9. April eine vollbesetzte United-Maschine kurz vor dem Start in Chicago verlassen und auf den folgenden Tag umgebucht werden, da dringend Plätze für Mitarbeiter gebraucht wurden. Der 69-Jährige weigerte sich jedoch, da er sich nach eigenen Angaben am nächsten Morgen um seine Patienten im Krankenhaus kümmern musste. Die Auseinandersetzung endete damit, dass Polizisten Dao mit Gewalt aus dem Flugzeug zerrten, wobei der Passagier laut seinem Anwalt eine Gehirnerschütterung erlitt und zwei Zähne verlor.

Entschuldigungen nutzten United nichts

Vor dem Zwischenfall hatten die Flugbegleiter Passagieren bis zu 800 Dollar geboten, falls sie sich freiwillig umbuchen ließen. Doch niemand meldete sich. Nun soll der Anreiz um ein Vielfaches erhöht werden. Allein die zu erwartenden Prozesskosten nach der Misshandlung Daos - ganz zu schweigen vom Imageschaden - dürften weit höher liegen als die nun angekündigten Entschädigungen.

Zudem kündigt United Airlines an, künftig nicht mehr die Flughafenpolizei anzufordern, um Passagiere rauswerfen zu lassen, es sei denn, die Sicherheit an Bord sei in Gefahr. Auch sollen keine Passagiere, die bereits sitzen, aufgefordert werden, ihre Plätze zu räumen. Die Crews sollen ein zusätzliches jährliches Training bekommen, wie man mit "besonders schwierigen Situationen umgeht".

Mit dem neuen Maßnahmenkatalog will Oskar Munoz schaffen, was ihm in den vergangenen Wochen in zahlreichen Interviews nicht gelang: die Öffentlichkeit überzeugen, dass er es wirklich ernst meint, den Service bei United zu verbessern. "Taten zählen mehr als Worte", lässt Munoz mitteilen.

Kritiker führen allerdings an, dass United nun lediglich nachzieht was bei anderen Fluglinien längst üblich ist. Konkurrent Delta Airlines etwa wirbt seit dem Zwischenfall mit Dao vor zwei Wochen damit, dass es Kunden längst bis zu 10.000 Dollar für freiwillige Umbuchungen biete. Der britischen Kaninchenzüchterin nützen die neuen Regeln wohl nicht - sie betreffen nur den Umgang mit menschlichen Passagieren. United teilte lediglich mit, man sei in Kontakt mit der Kundin und untersuche Simons Fall.

Quelle: ntv.de

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