Wirtschaft

Konzern traut Aktienmarkt nicht Allianz peilt wieder Rekorde an

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Die Allianz zahlt eine stabile Dividende.

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

Die Allianz kann die Corona-Krise nicht ignorieren, meistert sie aber souverän. 2021 will das Unternehmen schon wieder Rekordergebnisse einfahren. Mit zunehmender Skepsis blickt der Versicherungskonzern derweil auf die Rally am Aktienmarkt - und trifft Vorsorge.

Die Allianz ist in der Corona-Pandemie mit einem blauen Auge davongekommen und sieht im laufenden Jahr schon wieder gute Chancen auf einen Rekordgewinn. Mit einem Endspurt übertraf der Münchner Versicherungsriese 2020 die Erwartungen: Das operative Ergebnis fiel auf Jahressicht um neun Prozent auf 10,8 Milliarden Euro - der erste Rückgang seit neun Jahren. Die Experten hatten der Allianz im Schnitt aber 400 Millionen weniger zugetraut.

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Der Umsatz schrumpfte auf vergleichbarer Basis um knapp zwei Prozent auf 140,5 Milliarden Euro. "Ohne Covid hätten wir unsere Ziele gut erreicht", sagte Vorstandschef Oliver Bäte. Doch er bleibt vorsichtig: "Wir sind ja überhaupt noch nicht raus aus dem Thema. Es bleibt schwierig." Eine dritte Corona-Welle, eine Rezession oder ein Crash am Aktienmarkt könnten die Pläne durchkreuzen.

Deshalb visiert Bäte für 2021 zwar ein operatives Ergebnis von rund zwölf Milliarden Euro an - das wäre etwas mehr als im Rekordjahr 2019. Allerdings lässt er sich mit einer Schwankungsbreite von einer Milliarde nach oben und unten doppelt so viel Luft wie bei der Allianz üblich.

Im vergangenen Jahr hatte Corona 1,3 Milliarden Euro verschlungen, den Löwenanteil davon in der Sachversicherung. Dort schlugen der Ausfall von Großveranstaltungen, Hotel- und Restaurantschließungen, weniger Reisen (Allianz Partners) und der Ausfall von Lieferantenkrediten (Euler Hermes) ins Kontor.

In Deutschland hatte der Staat den größten Teil der Risiken in der Warenkreditversicherung übernommen, um die Lieferketten nicht abreißen zu lassen. Doch Insolvenzen blieben weitgehend aus. "Der Kreditschirm hat uns 100 Millionen Euro gekostet", sagte Bäte. Trotzdem bereue er den Schritt nicht: "Wir hätten als Brandbeschleuniger gewirkt, weil wir die (Absicherungs-)Limite hätten kürzen müssen."

Stabile Dividende - Skepsis bei Blick auf Aktienmarkt

Am stärksten zu spüren bekam der Versicherungskonzern die Krise in der Schaden- und Unfallversicherung, deren operatives Ergebnis um 13 Prozent schrumpfte und um 1,2 Milliarden Euro hinter ihrem Ziel zurückblieb. Man habe die Chance genutzt, in der lange defizitären Großkunden-Sparte AGCS aufzuräumen und besonders verlustträchtige Geschäfte aufzugeben, sagte Bäte.

In der Lebens- und Krankenversicherung litt das Neugeschäft, dessen Wert um 500 Millionen auf 1,7 Milliarden Euro einbrach. Lebensversicherungen verkaufen sich schwer über Video, und in viele Betriebe kamen die Allianz-Vertreter der Beschränkungen wegen gar nicht hinein, um Betriebsrenten zu verkaufen.

Die Vermögensverwaltungs-Sparte mit den Fondsgesellschaften Pimco und Allianz Global Investors steigerte den Gewinn und verwaltete mit 2,4 Billionen Euro so viel Geld wie nie, obwohl der schwache Dollar die Zuwächse um 100 Milliarden dezimierte.

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Die Aktionäre sollen für 2020 wie angekündigt eine stabile Dividende von 9,60 Euro bekommen, obwohl der Nettogewinn um 14 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro schrumpfte. Zwar warnt die EU-Versicherungsaufsicht EIOPA angesichts der Pandemie weiter vor großzügigen Ausschüttungen. Doch die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat der Allianz angesichts ihrer dicken Kapitalpolster bereits grünes Licht gegeben, wie Bäte sagte. "Wir hätten aber keine Erhöhung durchgekriegt, und auch keinen Aktienrückkauf."

Der ungebrochene Aufwärtstrend an den Märkten sorgt bei Bäte aber für Stirnrunzeln. Die Hochstimmung erinnere ihn an die Zeit vor den Crashs 2000 und 2008. "Das ist schon ziemlich verrückt", sagte er. Die Allianz habe ihre Aktienquote deshalb gedrosselt. 58 Milliarden der mehr als 700 Milliarden Euro an Kapitalanlagen entfallen auf Aktien. "Ein Crash an den Aktienmärkten wäre für uns einfach zu verkraften", glaubt Finanzchef Giulio Terzariol.

Quelle: ntv.de, jwu/rts