Wirtschaft

Abschwung in Zeiten von Corona? Altmaier vermeidet das R-Wort

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"Das erste Halbjahr ist schwierig, gar keine Frage", sagt Wirtschaftsminister Altmaier.

(Foto: REUTERS)

Für den Tourismus, Messe-Veranstalter, Hotels und Gaststätten ist das Coronavirus eine harte Bewährungsprobe. Bund und Länder helfen mit einem Maßnahmenbündel. Ökonomen sind sich dennoch sicher: Deutschland steuert auf eine Rezession zu. Wirtschaftsminister Altmaier drückt es anders aus.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier angesichts der Corona-Epidemie in einer "ernsten" Lage. Es gebe "erhebliche" Auswirkungen insbesondere in den Branchen für Tourismus, Messe und Veranstaltungen, Hotels und Gaststätten, sagte der CDU-Politiker in Berlin. Zudem würden Auswirkungen auf Lieferketten vor allem im industriell-gewerblichen Bereich erwartet, deren Tragweite erst in den kommenden Wochen sichtbar würde.

Altmaier wich auf der Pressekonferenz der Frage aus, ob Deutschland im ersten Halbjahr eine Rezession drohe, nachdem außer China auch der wichtige Handelspartner Italien von Produktionsausfällen betroffen ist. In der Autoindustrie seien italienische Partner für viele deutsche Firmen sogar noch wichtiger als chinesische, so Altmaier. Eine aktuelle Konjunkturschätzung für 2020 werde es mit der Frühjahrsprognose geben, die langsam näher rücke. Ökonomen vom Münchner Ifo Institut und vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hatten zuvor gewarnt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession sehr hoch sei. "Das erste Halbjahr ist schwierig, gar keine Frage", sagte Altmaier.

Altmaier äußerte sich nach einem Austausch mit den Wirtschaftsministern der Bundesländer zu den ökonomischen Folgen der Corona-Krise in Deutschland. Betroffen seien nicht nur große Unternehmen, sondern auch der Mittelstand, fügte der Minister hinzu. Er sei sich mit seinen Länderkollegen einig gewesen, dass von dem Treffen das "klare Signal" ausgehen solle, dass "wir auf die wirtschaftlichen Folgen dieser Situation vorbereitet sind" und "dass wir die Unternehmen nicht im Stich lassen werden".

In einem Kommuniqué bekräftigen die Minister, sie seien jederzeit bereit und in der Lage, angemessen und schnell notwendige Entscheidungen zu treffen - auch weitergehende und umfassende Maßnahmen im Falle von tiefer gehenden konjunkturellen Folgen.

"Freizügigkeit ist ein hohes Gut"

Es gebe bereits jetzt ein Maßnahmenbündel, das zur Verfügung stehe und ein Volumen von mehreren Milliarden Euro umfasse, fügte Altmaier hinzu. Er verwies zudem auf den Beschluss des Koalitionsausschusses von Sonntagabend, die Bedingungen für das Kurzarbeitergeld zu erleichtern. Bund und Länder wollten gemeinsam dafür sorgen, dass notwendige Entscheidungen "schnell und unbürokratisch" getroffen würden.

Altmaier hob hervor, er wünsche sich trotz der Epidemie, dass "in verantwortlichem Maß" auch in Zukunft die Freizügigkeit in Europa beibehalten werde. Damit wolle er nicht die österreichische Regierung kritisieren, die die Einreise aus Italien stark eingeschränkt hat. "Aber Freizügigkeit ist ein hohes Gut für die Bürgerinnen und Bürger." Deshalb "werden wir in Deutschland alles tun, um Einschränkungen derselben zu verhindern." Zu den drastischen Maßnahmen in Italien sagte Altmaier, Italien sei ein wichtiger Handelspartner. Insofern sei dies "von Bedeutung". Die Regierung in Rom hatte im Norden des Landes verhängte Sperrungen auf das ganze Land ausgedehnt.

Bis Montagnachmittag gab es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 1139 registrierte Corona-Infizierte in Deutschland. Zwei Menschen sind im am stärksten betroffenen Landkreis Heinsberg an dem Virus gestorben. Ein deutscher Urlaub verstarb im Ägypten-Urlaub. Weltweit sind mehr als 114.101 Menschen infiziert. In Italien, wo nach offiziellen Zahlen 9172 Menschen betroffen sind, hat die Regierung das gesamte Land wegen der Coronavirus-Epidemie zur Sperrzone erklärt.

Das Robert Koch-Institut hat Italien und Iran inzwischen als ganze Länder zur Gruppe der internationalen Risikogebiete hinzugefügt. In China wird die Provinz Hubei und in Südkorea die Provinz Gyeongsangbuk-do dazugerechnet. Als besonders betroffenes deutsches Gebiet wird lediglich der Landkreis Heinsberg aufgeführt.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa/rts/DJ

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