Wirtschaft

Bleibt die Weihnachtsrally aus? Anleger fürchten holprige Adventszeit

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(Foto: REUTERS)

Der Dezember ist generell ein guter Börsenmonat. Dieses Jahr machen sich aber Sorgen bei Anlegern und Analysten breit: Die Proteste in Hongkong und der Handelsstreit zwischen den USA und China belasten. Der Dax kämpft trotzdem um den größten Jahresgewinn seit sechs Jahren.

Die erneuten Spannungen zwischen den USA und China könnten Experten zufolge Anlegern die Adventsstimmung verderben. "US-Präsident Donald Trump hat das Gesetz zur Stärkung der Protestbewegung in Hongkong unterzeichnet", sagt Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Zu einem solch heiklen Zeitpunkt der Handelsgespräche könnte dies den Ausschlag zulasten einer Einigung geben."

Auch Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader mahnt zur Vorsicht. "Der Dezember ist generell ein guter Börsenmonat, und die Anleger haben die Weihnachtsrally bereits vor Augen. Aufgrund der politischen Unsicherheiten ist ein erfolgreiches Ende eines bislang sehr starken Börsenjahres 2019 aber bei weitem nicht garantiert."

Völlig aufgegeben haben Börsianer die Hoffnung auf ein Teil-Abkommen zwischen den beiden weltgrößten Wirtschaftsmächten aber nicht. In der abgelaufenen Woche gewann der Dax 0,6 Prozent. Es war das siebte Plus binnen acht Wochen. Der breit gefasste europäische Index Stoxx600 kletterte zuletzt auf ein Viereinhalb-Jahres-Hoch. Seit Jahresbeginn haben diese beiden Indizes jeweils mehr als 20 Prozent zugelegt. Damit winkt dem Dax der größte Jahresgewinn seit sechs Jahren. Für den Stoxx600 wäre es sogar das höchste Plus seit 2009.

US-Arbeitsmarkt im Fokus

Etwas Abwechslung vom Dauerbrenner-Thema Zollstreit versprechen die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag. Von ihnen versprechen sich Investoren Rückschlüsse auf die Geldpolitik der Notenbank (Fed). Diese hatte unlängst signalisiert, in der Geldpolitik die Füße vorerst still halten zu wollen.

Experten erwarten für November die Schaffung von 183.000 neuen  Stellen außerhalb der US-Landwirtschaft. Im Vormonat hatte das Plus bei 128.000 gelegen. Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Zahlen liefern am Mittwoch die Daten der privaten US-Arbeitsagentur ADP. "Trotz vieler Unkenrufe bewegt sich die US-Wirtschaft weiterhin auf Wachstumskurs", sagt Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz.

Diesseits des Atlantiks werden am Montag die Barometer für die Stimmung der deutschen und europäischen Einkaufsmanager aus der Industrie veröffentlicht. Am Mittwoch folgen diejenigen für den Dienstleistungssektor. An den beiden darauffolgenden Tagen stehen die deutschen Auftragseingänge und die Industrieproduktion auf der Agenda. "Angesichts der etwas besseren Stimmung gehen wir davon aus, dass die anstehenden Zahlen verhalten positiv ausfallen werden", prognostiziert Commerzbank-Experte Balz.

Opec berät über Förderpolitik

Parallel dazu treffen sich Ende der neuen Woche die Opec und ihre Verbündeten, um über ihre Rohöl-Förderpolitik zu beraten. Die Exportstaaten würden ihre im März 2020 auslaufende Vereinbarung zur Förderbremse voraussichtlich um drei bis sechs Monate verlängern, prognostiziert Analyst Giovanni Staunovo von der Bank UBS. "Zusätzliche Kürzungen sind unwahrscheinlich."

Darüber hinaus wirft die für den 12. Dezember geplante Parlamentswahl in Großbritannien ihre Schatten voraus. Sollten die Tories von Premierminister Boris Johnson wie in den Umfragen vorhergesagt die absolute Mehrheit erringen, gehen Experten davon aus, dass Johnson seinen Brexit-Deal durchs Unterhaus bringt und Großbritannien zum 31. Dezember offiziell aus der EU ausscheidet.

Unabhängig davon steht die neue EZB-Chefin Christine Lagarde am Montag erstmals Abgeordneten des Europäischen Parlaments Rede und Antwort. Experten gehen davon aus, dass sie den künftigen geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) umreißen wird.

Quelle: n-tv.de, chr/rts