Wirtschaft

Boni-System abgelehnt Anleger lassen Deutsche Bank auflaufen

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Bei der Hauptversammlung in Frankfurt

(Foto: REUTERS)

Eigentlich ist es eine Abstimmung der Form halber. Nachträglich sollen die Aktionäre der Deutschen Bank das Vergütungssystem durchwinken. Doch die ziehen nicht mit.

Die Deutsche Bank hat auf ihrer Hauptversammlung eine krachende Niederlage kassiert. Die Aktionäre ließen das neue Vergütungsmodell für das Top-Management durchfallen. Knapp 52 Prozent stimmten dagegen. Seit 2016 gelten für die Bezahlung der Vorstände der Bank neue Regeln, die die Aktionäre der Form halber noch billigen sollten. Das neue Modell sieht Extra-Boni für Vorstände vor, wenn ihr Geschäftsbereich gut läuft.

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Einen Dämpfer kassierte auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Bei dem Aktionärstreffen wurde der seit Juni 2012 amtierende Chefkontrolleur am Abend mit 86,9 Prozent der Stimmen entlastet. Üblich ist indes eine Zustimmung von weit über 90 Prozent. Allerdings hat das Votum keine direkten Konsequenzen. Im vergangenen Jahr hatten die Aktionäre die damalige Doppelspitze Anshu Jain/Jürgen Fitschen nur mit 61 Prozent entlastet. Beide sind jetzt nicht mehr im Amt.

Dem seit dem letzten Sommer amtierende Vorstandschef John Cryan, der nach der Hauptversammlung die Bank alleine führen wird, wurde dagegen von den Aktionären der Rücken gestärkt. Für eine Entlastung stimmten 98,53 Prozent. Deutlich niedrigere Zustimmungsquoten mussten Jürgen Fitschen und Anshu Jain hinnehmen. Fitschen, der bis zur Hauptversammlung am Donnerstag Co-Vorstandsvorsitzender war, kommt auf eine Zustimmungsquote von 83,92 Prozent. Auf dem Aktionärstreffen wurde von der Bank mitgeteilt, dass Fitschen auch künftig für das Institut tätig sein wird. Fitschen soll sich auf Deutschland und Asien konzentrieren.

Derweil untersucht Deutschlands größtes Finanzinstitut offenbar eine Reihe von zweifelhaften Handelsgeschäften mehrerer Mitarbeiter. Diese hätten damit nach Schätzung interner Prüfer in unzulässiger Weise insgesamt 37 Millionen Dollar verdient, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Einige der Gewinne seien möglicherweise auf Kosten der Bank erzielt worden. Es gehe um sechs aktuelle oder frühere Mitarbeiter. Details werden nicht genannt. Auch die Bank war noch nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Deutschlands größtes Geldhaus streicht unter anderem im eigenen Haus unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze, 4000 davon in Deutschland. Bis Ende 2017 will die Deutsche Bank ihr Filialnetz im Heimatmarkt um knapp ein Drittel auf 500 Standorte schrumpfen, aus etlichen Auslandsmärkten zieht sich der deutsche Branchenprimus ganz zurück.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/rts

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