Anleger schichten umSinkende Ölpreise ziehen Aktien von Equinor, Shell, BP und Co. mit

Der Preis für das Fass Öl fällt mit der Waffenruhe in Nahost wieder unter die 100-Dollar-Marke. Das stoppt den Höhenflug der Papiere der Branche. Aktien von Öl-Unternehmen werden durch die Bank erheblich billiger gehandelt.
Die breite Erholung an den europäischen Märkten mit der Vereinbarung einer Waffenruhe im Nahen Osten kennt nicht nur Gewinner. Gerade die Aktien, die bislang stark vom Krieg profitiert hatten, lassen nun gegen den Markttrend ordentlich Federn. Allein voran die Papiere von Ölfirmen notierten tiefrot. Hintergrund ist die mutmaßliche Öffnung der Straße von Hormus, über die ein beträchtlicher Teil des weltweiten Handels abgewickelt wird. Der Iran hatte die Passage faktisch für die Schifffahrt geschlossen. In der Folge schoss allen voran der Ölpreis nach oben. Verbraucher spürten das spätestens an den Zapfsäulen.
Mit den Signalen einer zumindest zeitweisen Entspannung trennen sich viele Anleger nun wieder von den Papieren und dürften dabei teils ordentliche Gewinne einstreichen. Die Aktien der britischen BP verloren am frühen Nachmittag knapp sechs Prozent. Shell gaben mehr als fünf Prozent nach. Bei der französischen Total belief sich das Minus auf beinahe vier Prozent. Die italienische Eni sackten um beinahe sieben Prozent ab. Die Papiere der spanischen Repsol büßten fast acht Prozent ein. Bei den Norwegern von Equinor fiel das Minus mit mehr als elf Prozent sogar zweistellig aus. Auf der anderen Seite des Atlantiks verbilligten sich etwa Exxon um mehr als fünf Prozent.
Ausschlaggebend für die Verluste ist der Einbruch des Ölpreises. Dieser gab zeitweise um mehr als 17 Prozent nach und fiel wieder unter die Marke von 100 Dollar. Dennoch wird allgemein keine schnelle Rückkehr zu Preisen vor dem Krieg gerechnet, als für das Fass (159 Liter) etwas mehr als 60 Dollar fällig waren. "In Normalzeiten passieren rund 135 Schiffe täglich die Meerenge. Die Wiederaufnahme des Verkehrs wird selbst bei zügiger Umsetzung nur schrittweise erfolgen", schreiben die Analysten der LBBW. Hinzu kommen die mitunter stark beschädigten, wenn nicht sogar ganz zerstörten Produktions- und Lagerkapazitäten in der Region.
Abwärts ging es auch mit dem Preis für europäisches Erdgas. Die maßgeblichen Future-Kontrakte fielen um bis zu 20 Prozent. An der Börse in Amsterdam sank die Notierung für den richtungsweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat zuletzt um 17 Prozent auf 44,13 Euro je Megawattstunde. Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran vor mehr als fünf Wochen war der Gaspreis auf bis zu 74 Euro geklettert.
Und auch hier bedeutet der Rückgang dies längst keine Entwarnung. Denn grundsätzlich habe sich bisher wenig geändert, betonte Tom Marzec-Manser, Europa-Direktor für Gas und Flüssiggas (LNG) beim Beratungsunternehmen Wood Mackenzie. Entscheidend sei die Wiederinbetriebnahme von Katars Ras Laffan. Der weltgrößte LNG-Hub wurde durch Angriffe beschädigt.
Der Konzern Shell, der am Vormittag Zahlen vorlegte, gab zugleich einen Ausblick kommenden Monate. So verweist Dan Coatsworth von AJ Bell darauf, dass die Produktion in der Region durch den Konflikt gestört werde, die Preisvolatilität jedoch andere Teile des Geschäfts stütze. Und so rechnet Shell damit, dass die Erdgasproduktion durch diese Störung einen Dämpfer erhalten werde, die Raffineriemargen und die Einnahmen aus dem Ölhandel jedoch einen Auftrieb erfahren würden. Konkurrent rechnet derweil damit, dass seine weltweite Öl- und Gasproduktion im ersten Jahresviertel auf Quartalssicht um sechs Prozent sinken wird.