Wirtschaft

Große Bühne in China Anta Sports nutzt Olympiade zum Angriff

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Anta Sports ist der offizielle Ausstatter des IOC und der chinesischen Olympiamannschaft.

(Foto: picture alliance / Xing Yun / Costfoto)

Chinesische Sportartikelhersteller wachsen imposant. Müssen Nike und Adidas bibbern? Experten sehen viel Potenzial in Herstellern wie IOC-Sponsor Anta. Die globalen Top fünf sind angeblich zum Greifen nahe. Allerdings hat Made in China ein Problem.

In Sachen E-Mobilität rollen die Chinesen bereits erfolgreich den Markt von hinten auf, jetzt ist die Sportbranche dran. Mit Anta Sports und Li-Ning müssen Platzhirsche wie Adidas und Nike möglicherweise echte Konkurrenz befürchten.

Anta Sports
Anta Sports 11,00

Die Hersteller aus China haben in den vergangenen Jahren zu einer Aufholjagd angesetzt, die lange unbemerkt geblieben ist. Das Wachstum der Konzerne ist imposant. Die ganz große Bühne bei den Olympischen Spielen in China soll jetzt helfen, hier noch eine Schippe draufzulegen. Im Fokus steht der Markt im Westen. Noch mögen die Logos auf den Bannern am Rande der Wettkämpfe im Vergleich zu denen von Nike oder Adidas fremd anmuten, aber das könnte sich schnell ändern. Denn die Marken, die hinter diesen Konzernnamen stecken, sind zum Teil längst in den Kleiderschränken im Westen angekommen.

Anta Sports ist offizieller Ausstatter des IOC und in der westlichen Hemisphäre bereits durch die Marke Fila bekannt. Laut "Manager Magazin" hat der Hersteller im ersten Halbjahr 2021 einen Umsatzsprung von 55 Prozent auf 3,5 Milliarden US-Dollar geschafft. Auch der chinesische Wettbewerber Li-Ning will wachsen. Auf der deutschen Homepage sucht der Konzern bereits nach Kooperationspartnern.

Sich vor den großen Konzernen wie Adidas und Nike verstecken, muss sich längst keiner mehr von ihnen. In China hätten Anta Sports und Li-Ning "bereits eine sehr große Kundenbasis", zitiert das "Manager Magazin" den Sportmarketing-Experten Marcel Hüttermann von der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Anta Sports ist nicht nur der größte Sportartikelhersteller Chinas, sondern inzwischen auch der drittgrößte der Welt.

Anwärter auf die Top 5

Anta und Li-Ning bewegten sich in einer Größenordnung, in der sich etwa auch Puma oder Under Armour jahrelang bewegt hätten, ergänzt der Sportmarkenexperte Colin Fernando. "Durch die Ausweitung auf den westlichen Markt könnten sie sich in absehbarer Zeit in die globalen Top fünf bis drei vorarbeiten." Nike und Adidas seien noch außer Reichweite, aber die Olympischen Spiele könnten den chinesischen Brands jetzt "einen beachtlichen Bekanntheitsschub geben".

Nachholbedarf sieht der ZHAW-Experte Hüttermann dagegen beim Marketing. Werbung mit asiatischen Modellen spreche westliche Kunden weniger an, sagt Hüttermann. Nötig seien Verträge mit Sportlern aus dem Rest der Welt. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten.

Denn größer ist im Vergleich das Imageproblem chinesischer Marken wegen schlechter Produktionsbedingungen und wenig Nachhaltigkeit, die westliche Verbraucher zunehmend im Fokus haben. Anta beispielsweise wird mit Zwangsarbeit in Verbindung gebracht. Die Baumwolle soll von der muslimischen Minderheit der Uiguren in Haftlagern in Xinjiang gepflückt werden, wo Hunderttausende von ihnen eingesperrt sind.

Auf anhaltende Kritik wegen Menschenrechtsverletzungen hat China bislang nicht reagiert und selbst das IOC wiegelte entsprechende Nachfragen im Vorfeld der Olympiade ab. Um den Markt im großen Stil aufzurollen, wird das künftig möglicherweise nicht reichen. Ab 2023 gilt in Deutschland ein strengeres Lieferkettengesetz, das einen rechtlichen Rahmen schaffen soll, um den Schutz der Umwelt, Menschen- und Kinderrechte entlang globaler Lieferketten zu verbessern. Brüssel arbeitet an einer entsprechenden Gesetzesvorlage.

Quelle: ntv.de, ddi

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