Wirtschaft

Europas neue Trägerrakete Ariane 6 geht in die Serienproduktion

115936661.jpg

Start einer Ariane 5 in Kourou: Die neue europäische Trägerrakete fällt deutlich größer aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Trägerrakete Ariane 6 gilt als Europas Antwort auf die wachsende Konkurrenz in einem weltweit hart umkämpften Milliardenmarkt. In Bremen und Paris läuft die Produktion der ersten Serienmodelle an. Die gigantischen Vehikel sollen einen unabhängigen Weg ins All garantieren.

Mit einem Startpolster von sechs fest vereinbarten Aufträgen für Transportmissionen ins Weltall hat der Raketenbauer ArianeGroup offiziell mit der Serienproduktion der neuen europäischen Trägerrakete Ariane 6 begonnen. Zunächst sollen 14 Raketen gebaut werden, die von 2021 bis 2023 vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana starten sollen. Zuvor ist Mitte 2020 der Erstflug geplant.

"Der Beginn der Produktion des ersten Ariane-6-Serienloses nicht einmal vier Jahre nach Unterzeichnung des Entwicklungsvertrags mit der (Europäischen Weltraumorganisation) ESA im August 2015 ist ein großer Erfolg für die gesamte europäische Industrie", sagte ArianeGroup-Chef André-Hubert Roussel. Die Ariane 6 soll Fracht deutlich billiger ins All bringen als ihre deutlich kleinere Vorgängerin Ariane 5. Beide Modelle werden vorübergehend noch parallel im Einsatz sein. Trägerraketen der Baureihe Ariane 5 haben seit 1996 bereits über 100 Starts absolviert.

"Wir haben derzeit sechs Verträge für die Ariane 6 unterschrieben mit einer Mischung aus institutionellen und kommerziellen Kunden", erklärte ArianeGroup-Deutschland-Chef Pierre Godart. Darüber hinaus gebe es sehr viele und sehr konkrete Gespräche. "Aber Gespräche sind noch keine Verträge. Das wissen wir alle. Aber wir sind sehr guter Hoffnung, dass weitere Verträge zügig dazu kommen."

Die 11,6 Meter hohe Oberstufe des neuen Raketenmodells wird in Bremen hergestellt, die Hauptstufe in der Nähe von Paris. Je nach Bedarf kann die Ariane 6 mit zwei oder vier Feststoff-Boostern verstärkt werden. Insgesamt kommt die Trägerrakete samt Nutzlast auf ein Startgewicht von bis zu 670 Tonnen.

"Bei uns ist es umgekehrt"

Mit der größtenteils von der Esa finanzierten Entwicklung reagiert Europa auf den härteren Wettbewerb im Trägerraketenmarkt, der insbesondere vom vergleichsweise jungen US-Anbieter SpaceX angeheizt wird. Der Raketenbauer ArianeGroup ist ein Gemeinschaftsunternehmen des Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus und des französischen Triebwerkherstellers Safran. Der auf Raketen spezialisierte Hersteller, der rund 9000 Mitarbeiter in Deutschland und Frankreich beschäftigt und zuletzt auf einen Jahresumsatz von 3,6 Milliarden Euro kam, ist Hauptauftragnehmer für die Entwicklung und den Betrieb der Ariane 5 und 6.

Ariane-Deutschland-Chef Godart bemängelte mit Blick auf die USA und Europa sowie auf den US-Konkurrenten SpaceX einen verzerrten Markt. Bei SpaceX entfielen 80 Prozent des Auftragswertes auf den institutionellen Bereich - etwa Regierungs- oder Militärmissionen - und 20 Prozent auf den kommerziellen, also privatwirtschaftlichen Sektor. "Bei uns ist es umgekehrt", betonte Godart.

In den USA gebe es de facto keinen institutionellen Raketenstart, der nicht mit einer amerikanischen Trägerrakete starte. Auch die institutionellen Auftraggeber in Europa müssten deshalb auf europäische Systeme setzen. "Das wäre nur fair", betonte der Manager.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

Mehr zum Thema