Wirtschaft

"Du bist kein Grieche" Athener hamstern, das Benzin wird knapp

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Schlangen vor dem Automaten - häufig wird das Warten nicht belohnt, denn die Geräte sind oft leer.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Athen bilden sich vor Banken und Tankstellen lange Schlangen. In den Supermärkten laden Griechen Einkaufswagen voll. Die Krise wird heftiger.

In Athen gibt es derzeit nur ein Thema: Wie geht es weiter? Wann machen die Banken wieder auf? Niemand weiß es. Fest steht lediglich: Die Banken bleiben geschlossen, höchstens 60 Euro am Tag können Griechen abheben. Aber auch das gestaltet sich als schwierig, denn viele Geldautomaten sind leer.

Vor einer Filiale der Piräus-Bank im Süden der Stadt haben sich etwa zwei Dutzend Rentner versammelt. Sie warten. Angeblich soll die Filiale in zwei Stunden öffnen - nur für Rentner, damit sie Geld abheben können. Denn viele von ihnen haben keine Bankkarten, sie nutzen ihr Sparbuch. "Ich habe noch 20 Euro bei mir", sagt ein 75-Jähriger. Er beziehe eine Rente von 500 Euro im Monat, sagt er.

"Meine Kinder haben ständig gesagt, ich soll mir endlich eine solche Karte besorgen", sagt eine wartende Frau. "Jetzt schimpfen die bestimmt mit mir." "Ich habe mir vergangene Woche eine bestellt", entgegnet eine andere. "Die wollten mir die zuschicken. Aber bis die kommt ..."

Es ist unklar, wie viel Geld die Rentner abheben dürfen. "60 Euro wie jeder", sagen die einen. "Die gesamte Rente, die am Freitag überwiesen wurde?", sagen die anderen. Sie irren sich. Zwei Stunden später hat die Filiale nicht geöffnet. "Die Angestellten sind durch den Hinterhausgang abgehauen", sagt eine Passantin.

Doch die Wartenden geben nicht auf. "Ich will beim Referendum gegen die Institutionen stimmen", sagt eine Frau. Aber mein Sohn und meine Tochter wollen, dass ich dafür stimme. "Dann werden sie die nächsten Jahre für 200 Euro im Monat arbeiten", sagt eine andere.

Hygieneartikel sind gefragt

Auch vor einer Filiale der National-Bank warten etwa zwei Dutzend Menschen darauf, dass die Geldautomaten wieder aufgefüllt werden. Währenddessen wird über das angekündigte Referendum gestritten. Ein Mann und eine Frau, beide Ende 50 diskutieren laut miteinander. "Ich werde für den Vorschlag der Institutionen stimmen", sagt er. "Du bist kein Grieche", giftet sie ihn an.

Es ist ein trauriges Bild. Immer wieder gehen Menschen an einen der Automaten, stecken ihre Karte hinein und hoffen, dass Geld herauskommt. Vergeblich. Sorgenvoll sind ihre Gesichter. Immer wieder kommt ein Athener vorbei und stellt die bange Frage: "Gibt es Geld?" Kopfschütteln. Es gibt kein Geld.

Es gibt auch kein Benzin, zumindest an vielen Tankstellen nicht. Viele Athener haben ihr Auto am Wochenende noch schnell vollgetankt. An den Tankstellen, die noch Benzin haben, gibt es lange Schlangen. Die Preise sind über Nacht deutlich gestiegen. An einer Tankstelle im Süden der Stadt kostet ein Liter Bleifrei 1,80 Euro – gestern waren es noch 1,60. Kreditkarten werden nicht immer akzeptiert.

Währenddessen kommt es zu Hamsterkäufen. In einem kleinen Supermarkt laden die Kunden die Einkaufskörbe voll – vor allem Hygieneartikel werden in großen Mengen gekauft. In einem Einkaufszentrum am Rand der Stadt wird die Dimension der Vorratskäufe noch deutlicher: In der Regeln werden zwei, drei Einkaufswagen vollgeladen.

Die vielen Touristen, die an diesem schönen Sommertag durch Athen bummeln, bekommen davon kaum etwas mit. Nur ist es auch für sie schwierig, an Geld zu kommen - obwohl für die das Limit von 60 Euro nicht gilt. "Wir haben am Flughafen genug Geld umgetauscht", sagt John aus Kalifornien. "Das wird reichen." Es ist in Restaurants und in Geschäften problemlos möglich, mit Plastikgeld zu bezahlen.

Christina aus Chicago hat an zwei Geldautomaten vergeblich probiert, Bares abzuheben. "Wir versuchen, so viel wie möglich mit Kreditkarte zu bezahlen", sagt sie. "Wir sind noch bis kommenden Sonntag hier. Das wird eine interessante Reise."

Quelle: ntv.de

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