Wirtschaft

Ermittlungen in Abgas-Affäre Audi stoppt Auslieferungen zweier Modelle

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In der Motorsoftware des A6 soll eine illegale Abschalteinrichtung eingebaut sein.

(Foto: imago/sepp spiegl)

Auch drei Jahre nach "Diesel-Gate" hat Volkswagen das Problem offenbar immer noch nicht im Griff. Beim aktuellen A6-Modell von Audi wird nun wieder eine illegale Abschalteinrichtung entdeckt. Zehntausende Wagen allein in Deutschland sollen betroffen sein.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ermittelt wegen einer weiteren Betrugssoftware gegen den Autobauer Audi. Die Behörde geht entsprechenden Hinweisen bei einer aktuellen Version des A6 nach, wie das Bundesverkehrsministerium bestätigte: "Das KBA hat eine amtliche Anhörung wegen des Verdachts einer unzulässigen Abschalteinrichtung bei Audi V6TDI-Fahrzeugen der Modelle A6/A7 eingeleitet." Audi hat nach eigenen Angaben dem Kraftfahrtbundesamt "Auffälligkeiten" bei der Dieselmotorsoftware von 60.000 Fahrzeugen der Baureihen gemeldet - und die Auslieferung der betroffenen Modelle mit V6-Dieselmotor mit 200 KW gestoppt.

Vorstandschef Rupert Stadler sagte, sein Unternehmen untersuche systematisch alle Motoren. Der jüngste Fund sei vergangene Woche an das KBA in Flensburg gemeldet worden. Zuvor hatte "Der Spiegel" über den Fall berichtet. Das KBA hatte seit Aufdeckung des Dieselskandals im Herbst 2015 bereits für mehr als 150.000 Audis Rückrufe angeordnet. Für mehrere 10.000 Fahrzeuge standen zuletzt noch Prüfungen oder Bescheide aus. Für die Folgen des Dieselskandals hat Audi bereits 2,25 Milliarden Euro zurückstellen müssen. Die Modelle A6 und A7 laufen gerade aus, die Nachfolgemodelle sind am Start.

Dem Verkehrsministerium zufolge sollen rund 33.000 Dieselautos in Deutschland und weltweit insgesamt rund 60.000 Fahrzeuge betroffen sein. Laut "Spiegel Online" ist eine Software zum Einsatz kommen, die die Abgasreinigung herunterfährt, sobald das sogenannte AdBlue zur Neige geht. Dabei handelt es sich um Harnstoff, den Katalysatoren brauchen, um Stickoxide aus den Abgasen zu filtern.

Wie das Verkehrsministerium mitteilte, wurde die EU-weite Genehmigung für den A6 in Luxemburg erteilt. Das KBA steht laut "Spiegel Online" mit den Behörden in Luxemburg in Kontakt. Ein amtlicher Rückruf zumindest in Deutschland sei "äußerst" wahrscheinlich, hieß es.

Rückruf im Januar

Erst im Januar hatte Audi zahlreiche Dieselmodelle - darunter auch den A6 - wegen einer anderen Abschalteinrichtung zurückrufen müssen. Diese Software hatte den Stickoxid-Ausstoß zwar in standardisierten Messverfahren reduziert, nicht aber im Normalbetrieb. Wegen einer entsprechenden Software ermitteln Behörden weltweit gegen zahlreiche Autobauer.

Damit der Kunde nicht selber Harnstoff nachfüllen müsse, sondern erst die Werkstatt beim nächsten Service, habe Audi die Einspritzung der Reinigungsflüssigkeit offenbar 2400 Kilometer bevor sie zur Neige geht stark gedrosselt, heißt es im Bericht. In der Zeit, da die Zufuhr von Harnstoff abgeregelt sei, funktioniere der SCR-Katalysator zur Reinigung von Stickoxiden im Abgas nicht oder nur extrem eingeschränkt. Das giftige Gas entweicht damit laut Bericht in hohen Konzentrationen aus dem Auspuff.

Das Image des Diesel ist bereits schwer belastet. Gründe sind der Abgasskandal, bei denen unzulässige Abschalteinrichtungen eine Hauptrolle spielen, sowie drohende Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge. In vielen Städten werden Schadstoff-Grenzwerte überschritten. Dabei geht es um den Ausstoß gesundheitsschädlicher Stickoxide. Diesel sind ein Hauptverursacher. Die Neuzulassungen von Dieselfahrzeugen sind seit Monaten auf Talfahrt.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/rts

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