Schatzsuche in Grönland Auf dieses Startup setzt ein Milliardärs-Club im Rohstoffpoker

Während US-Präsident Trump Grönland zur Sicherheitsfrage erklärt, hat unter dem Eis auf der größten Insel der Welt längst das Rennen um die Rohstoffe der Zukunft begonnen. Das weiß auch ein exklusiver Milliardärs-Club – und hat früh investiert.
US-Präsident Donald Trump wird nicht müde, sein Interesse an Grönland mit der nationalen Sicherheit zu begründen. Doch hinter seinen Begehrlichkeiten an der weltgrößten Insel steckt Beobachtern zufolge auch ein wirtschaftlicher Faktor: Das Territorium im Nordatlantik verfügt über ein großes Vorkommen kritischer Rohstoffe. Das wissen auch Milliardäre wie Jeff Bezos, Bill Gates und Michael Bloomberg. Sie haben schon frühzeitig in ein Unternehmen investiert, das seit 2021 künstliche Intelligenz nutzt, um in Grönland Seltene Erden aufzuspüren.
Kobold Metals aus Berkley wurde 2018 von Kurt House gegründet. Bezos und Co. stiegen bereits ein Jahr später 2019 ein, kurz nachdem Trump das erste Mal Interesse an Grönland durchblicken ließ. Im Jahr 2022 investierte auch OpenAI-Gründer Sam Altman in Kobold.
Ihre Beteiligung unterstreicht das Vertrauen wohlhabender Investoren in das Geschäftsmodell von Kobold Metals und den wachsenden Markt für strategische Rohstoffe. Vor allem Seltene Erden sind für die Energiewende unerlässlich. Sie werden unter anderem in Elektroautos und Windkrafträdern verbaut. "Die vollständige Elektrifizierung der Weltwirtschaft ist die größte Herausforderung unserer Generation", sagt Kobold-Gründer House. "Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, müssen wir unsere Bemühungen zur Suche nach den Schlüsselmaterialien für die Elektromobilitätsrevolution intensivieren."
Das tut Kobold Metals, indem das Unternehmen riesige Mengen historischer und wissenschaftlicher Daten mithilfe von KI analysiert. In Grönland haben Teams vor Ort Bodenproben entnommen und Drohnen sowie Hubschrauber mit Sensoren eingesetzt, um das elektromagnetische Feld des Untergrunds zu messen und die Gesteinsschichten zu kartieren.
In dem gesammelten Material lassen sich geologische Muster erkennen, die auf verborgene Rohstoffvorkommen hindeuten. Damit soll nicht nur Zeit und Kosten gespart, sondern auch die Umwelt geschont werden, da weniger Löcher in die Erde gebohrt werden müssen – so das Versprechen des Bergbau-Startups. Durch den Einsatz von KI will das Unternehmen laut dem Leiter der Technologieabteilung Josh Goldmann die Wahrscheinlichkeit von Rohstofffunden um das 20-Fache steigern. Ob das Unternehmen dieses Versprechen einhalten kann, wird laut der Explorationsgeologin Holly Bridgwater nur schwer zu beweisen sein. Trotzdem erachtet sie das Ziel des Unternehmens für vernünftig. "Ich halte es für durchaus plausibel, weil unsere derzeitige Trefferquote so schlecht ist" zitiert das Portal Heise sie. Momentan würden nur einige wenige potenzielle Abbauregionen jemals überprüft, weil das Verfahren so teuer ist.
Auch für den Explorationsgeologen Guy Desharnais sind KI-Tools zwar "von großem Wert". Gleichzeitig warnt er in einem Beitrag über maschinelles Lernen im Bergbau, aus dem Heise zitiert, vor Vorbehalten. Es sei etwa unklar, inwieweit maschinelles Lernen wirklich intelligente Entscheidungen treffen kann. "Letzten Endes wird die eigentliche Arbeit bei der Suche nach einer Lagerstätte von einem menschlichen Geologen geleistet, der dann diese Werkzeuge einsetzt, um ihre Fähigkeiten zu verbessern", sagt Desharnais demnach.
Inzwischen arbeiten rund 200 Mitarbeiter für das Unternehmen – unter ihnen viele Geowissenschaftler, Datenexperten und Ingenieuren. Seine letzte Finanzierungsrunde hat Kobold Metals im Januar 2025 abgeschlossen. Damals sammelte das Startup insgesamt 537 Millionen Dollar ein. Neben den Altinvestoren stiegen auch neue Geldgeber ein. Die Bewertung stieg daraufhin auf drei Milliarden Dollar. Ein aktueller SEC-Bericht zeigt laut "Forbes", dass Kobold derzeit weitere Mittel einwerben will.
Laut einer im Mai 2025 veröffentlichten Meldung an die Aufsichtsbehörden führte Kobold einem "Forbes"-Bericht zufolge im Jahr 2022 "hochwertige Explorationsarbeiten im Wert von rund 13,4 Millionen US-Dollar" in Grönland durch, kam mit Bohrungen aber nicht voran. Mittlerweile sei das Unternehmen in Grönland offenbar nicht mehr aktiv und habe auch keine Untersuchungsrechte. Kobold bekomme aber alle Lizenzgebühren "aus der zukünftigen Produktion des Projekts".
Anders als in Grönland konnte Kobold Metals in Sambia bereits einen Erfolg vermelden. Mithilfe der KI-gestützten Technologie hat das Startup dort ein großes Kupfervorkommen ausfindig gemacht. Schätzungen gehen von einem Potenzial für 300.000 Tonnen Kupfer pro Jahr ab den 2030er-Jahren aus. Die unterirdische Lagerstätte ist damit eine der ergiebigsten und hochwertigsten weltweit.
Ein möglicher Erfolg dieser Größenordnung in Grönland dürfte ganz im Sinne jener Milliardäre sein, die dort früh auf KI und kritische Rohstoffe gesetzt haben.