Wirtschaft

Neue Pläne für den Ernstfall Aufseher handeln Brexit-Abmachung aus

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Acht Wochen bis zum EU-Austritt Großbritanniens: Am Finanzmarkt bereiten sich Aufseher auf die Zeit nach dem Brexit vor.

(Foto: REUTERS)

Was passiert mit den Finanzmärkten, wenn es zum "harten Brexit" kommt? Um Unklarheiten im im Ernstfall zu vermeiden, einigen sich EU-Aufseher vorab mit ihren Kollegen in London. Mittels schriftlicher Vereinbarungen werden vorsorglich Wege der weiteren Zusammenarbeit skizziert.

Die für die Wertpapier- und Marktaufsicht in der EU zuständige Aufsichtsbehörde Esma (European Securities and Markets Authority)) und andere europäische Wertpapieraufsichtsbehörden haben sich mit der britischen Finanzaufsicht FCA darauf geeinigt, wie sie im Falle eines ungeregelten, "harten" EU-Austritt kooperieren wollen.

Nach Mitteilung der Esma verabschiedeten beide eine Absichtserklärung mit dem Ziel, einen fortgesetzten Informationsaustausch in Bezug auf die Beaufsichtigung von Ratingagenturen und Transaktionsregistern zu ermöglichen.

Eine weitere Absichtserklärung von Esma, FCA und weiteren zuständigen EU-Stellen betrifft eine Kooperation bei Aufsicht, Durchsetzung von Aufsichtsentscheidungen und Informationsaustausch. Diese Absichtserklärung soll unter anderem die Weitergabe von Daten in Sachen Marktaufsicht, Investment-Dienstleistungen und Vermögensverwaltung ermöglichen.

Großbritannien plant, die EU Ende kommenden Monats zu verlassen. Zu welchen Bedingungen, ist allerdings noch unklar. Bis zum Brexit-Stichtag am 29. März bleiben nur noch wenige Wochen. Die Aussichten auf eine einvernehmliche Regelung zum EU-Austritt Großbritanniens schwinden von Tag zu Tag. Ohne eine vertragliche Vereinbarung - oder einen weiteren Aufschub - stünden nach dem Ablauf der Frist Ende März Tausende Regelungen auf allen Ebenen vor dem Aus. Die teils über Jahrzehnte hinweg ausgearbeiteten Beziehungen im Handel, beim Zoll, in der Industrie und der Politik würden vorerst ersatzlos gekappt werden oder müssten in mühsamer Kleinarbeit einzeln neu ausgehandelt werden.

Industrie stockt im Eiltempo auf

Der Ernst der Lage zwingt mittlerweile auch die britische Wirtschaft zum Handeln: Wie aus den jüngsten Daten von der Insel hervorgeht, haben die britischen Industriebetriebe im Januar ihre Lager aus Furcht vor einem chaotischen Brexit so kräftig aufgestockt wie noch nie.

Trotz dieses Schubs wuchs die Industrie so langsam wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr, wie das Marktforschungsinstitut IHS Markit auf Basis einer monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Der Einkaufsmanagerindex fiel um 1,4 auf 52,8 Punkte und damit stärker als erwartet. Ökonomen hatten im Schnitt lediglich mit einem Rückgang auf 53,5 Zähler gerechnet. Das Barometer hielt sich aber über der Marke von 50, ab der Wachstum signalisiert wird.

"Trotz des vorübergehenden Schubs durch vorgezogene Käufe der Kunden und der Bemühungen zum Aufbau der Lagervorräte blieben die zugrundeliegenden Trends bei Produktion und Auftragseingang bestenfalls schwach", sagte Markit-Experte Rob Dobson. So stagnierten die Exportaufträge, wohl eine Folge der weltweiten Konjunkturabkühlung. Zudem bauten die Betriebe Stellen ab. Die Industrie trägt etwa zehn Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes bei.

Die Brexit-Verunsicherung hinterlässt auch in der britischen Autoindustrie tiefe Spuren. Die Fahrzeugproduktion ging im vergangenen Jahr nach Angaben des Branchenverbands um mehr als neun Prozent zurück und markierte damit das stärkste Minus seit der Rezession während der Bankenkrise 2008/2009.

Quelle: n-tv.de, mmo/DJ/rts