Wirtschaft

Jahresbilanz: "Trostlos" Außenhandel um fünf Jahre zurückgeworfen

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Der deutsche Außenhandel wird in diesem Jahr wohl um mehr als zwölf Prozent einbrechen.

(Foto: imago images/Fotoagentur Nordlicht)

Deutschlands Unternehmen leben vielfach vom Geschäft mit Kunden im Ausland. Die weltweite Corona-Pandemie mit ihren Lockdowns und massiven Einschränkungen trifft sie deswegen besonders. Der Branchenverband rechnet mit einem Einbruch der Ausfuhren - und Fortschritten bei der Digitalisierung.

Die Corona-Krise lastet schwer auf dem deutschen Außenhandel. "Covid-19 hat uns exportseitig um fünf Jahre zurückgeworfen und zugleich, insbesondere bei der Digitalisierung, um fünf Jahre nach vorne katapultiert", teilte Außenhandelspräsident Anton Börner mit. Die Jahresbilanz falle sowohl im Außenhandel als auch im Großhandel "trostlos" aus.

Einhergehend mit dem Einbruch des gesamten Welthandels in den ersten drei Quartalen um 8,2 Prozent sanken die deutschen Exporte demnach zwischen Januar und Oktober 2020 sogar um 11 Prozent. "Angesichts des erneuten Herunterfahrens der Wirtschaften in Europa, das immerhin für gut ein Drittel des weltweiten Güterhandels steht, erwarten wir bis zum Jahresende beim Exportrückgang mindestens eine 12 vor dem Komma", erklärte Börner.

Bisher sei das US-Geschäft um knapp 16 Prozent eingebrochen, Großbritannien habe die Folgen des Brexits vorweggenommen, die Exporte seien bislang um 18,5 Prozent zurückgegangen. Lateinamerika liege darnieder. Einziger Lichtblick seien China und das übrige Asien, deren Bedeutung während der Corona-Pandemie weiter gestiegen sei. Exportgetriebener Handel sei besonders betroffen

Im Großhandel sieht es laut BGA nicht viel besser aus. Sektoral besonders betroffen ist nach seinen Angaben der export- und industriell getriebene Produktionsverbindungshandel, der nach dem dritten Quartal nominal 4,6 Prozent unter dem Vorjahreswert liege. Gleiches gelte aber auch für den Teil des Großhandels, der sich auf die Belieferung des Gastgewerbes spezialisiert habe.

Firmen mit Krisenpolitik zufrieden

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) teilte weiter mit, mit der bisherigen Krisenpolitik seien die Unternehmer ganz überwiegend zufrieden. Rund 40 Prozent der Unternehmer erlitten bereits durch den ersten Lockdown erhebliche Umsatzeinbrüche. Nachdem viele Firmen in der ersten Phase noch auf ihre Reserven zurückgreifen konnten, sehen sich über 44 Prozent nun von dem zweiten, partiellen Lockdown stärker betroffen. Dabei gehen die meisten von ihnen davon aus, dass sie die Krise mit Blessuren überleben.

Zugleich warnte Börner aber vor einer halbherzigen Pandemiebekämpfung. "Das Corona-Virus verzeiht keine Fehler und Nachlässigkeiten", erklärte er. So zeige der aktuelle Rückschlag, dass eine halbherzige Pandemiebekämpfung einen hohen, bei Weitem nicht nur wirtschaftlichen Preis koste. "Doch die deutsche Wirtschaft ist stark, und trotz des scharfen Einschnitts stehen die Strukturen hierzulande bereit zum Durchstarten - dank vielfältiger Initiativen und dem Rückgriff auf eigene Reserven sowie umfangreicher Stabilitätshilfen", meinte er.

Eine rasche wirtschaftliche Erholung sei möglich, wenn Impfstoffe ausreichend zur Verfügung stünden und die richtigen Lehren aus der Krise gezogen würden. "Mehr denn je liegt Deutschlands Zukunft in einem starken Europa, das seine geopolitische Rolle nach und nach annimmt, sich unabhängiger macht und in einer zunehmend multipolaren Welt eigene Akzente setzt, etwa mit neuen Handelsabkommen", erklärte Börner.

Derweil unterstreiche China mit der neuen, weltweit größten Handelszone RCEP nicht nur seinen politischen Führungsanspruch in der Region, sondern auch seine Rolle als globale Gestaltungsmacht. Um nicht den Anschluss zu verlieren und nicht zuletzt zur Diversifizierung der Lieferketten, müsse die EU nun die Verhandlungen über eigene Freihandelsabkommen in der Region energisch vorantreiben, forderte der BGA-Präsident. Börner zeigte sich zudem besorgt wegen explodierender Frachtraten, fehlender Kapazitäten und massiver Probleme auch bei Themen wie der Liefertreue im Schiffsverkehr.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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