Wirtschaft

Zehntausende Mitarbeiter gesucht BA meldet Rekord an freien Stellen

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Einige Ökonomen zweifeln an der Robustheit des deutschen Arbeitsmarktes.

(Foto: dpa)

Auch wenn viele Kommune unter der Belastung leiden, entstehen durch die Flüchtlingskrise in Verwaltung und Betreuung derzeit viele neue Arbeitsplätze. Für Arbeitslose waren die Chancen auf einen Job selten so gut, möglicherweise aber nur für kurze Zeit.

Deutsche Unternehmen suchen derzeit so viele Arbeitskräfte wie selten zuvor. Nicht zuletzt trage der wachsende Bedarf an Personal im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise zu dieser Entwicklung bei, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) bei der Vorstellung ihres Stellenindex BA-X mit. Mehr Menschen würden etwa gebraucht, um Flüchtlinge zu betreuen, zu verwalten und unterzubringen.

Allein öffentliche Verwaltungen suchten derzeit 10.600 Mitarbeiter - ein Zuwachs von knapp 75 Prozent. Sicherheits- und Bewachungsfirmen hätten im Juli 4100 Kräfte gesucht - ein Plus von 50 Prozent. Daneben gebe es auf dem Bau, in der Pflege und in Sozialberufen spürbar mehr freie Jobs als noch im Juli 2015. Entsprechend kletterte der Index im Juli auf 217 Punkte und erreichte damit das höchste Niveau seit seiner Einführung im Januar 2005.

Auch nach Einschätzung von Volkswirten deutscher Großbanken zeigte sich der Arbeitsmarkt im Juli weiter robust. Nach ihren Berechnungen waren knapp 2,7 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit; dies wären saisonbedingt rund 50.000 mehr als im Juni, aber rund 110.000 weniger als vor einem Jahr. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen veröffentlicht die BA am Donnerstag.

Brexit macht Ökonomen skeptisch

Einige Ökonomen zweifeln allerdings, ob sich der deutsche Arbeitsmarkt nach dem Brexit-Votum ähnlich dynamisch entwickelt wie in den zurückliegenden Jahren. Die Entscheidung der Briten für einen EU-Ausstieg sorgt nach ihrer Einschätzung in vielen deutschen Unternehmen für Verunsicherung. Viele Firmenchefs vermissten Klarheit über die künftigen Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien. Mittelfristig sei daher mit gebremsten Investitionen und einem schwächeren Wachstum der deutschen Wirtschaft zu rechnen, prognostizierten Volkswirte.

"Das könnte dann auch Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt haben - wenn auch nicht allzu gravierend", betonte etwa Allianz-Volkswirt Rolf Schneider. Viel stärker werden die Arbeitslosenzahlen in den nächsten Monaten, auf jeden Fall aber 2017, durch die wachsende Zahl Job suchender Flüchtlinge steigen, glauben die Fachleute.

Schneider rechnet wegen der Brexit-Folgen bereits in diesem Jahr mit einer konjunkturdämpfenden Wirkung. "Wir waren bisher für 2017 von einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 1,6 Prozent ausgegangen. Jetzt rechnen wir nur noch mit einem BIP-Wachstum von 1,3 Prozent", berichtete er. Auch andere Geldinstitute haben inzwischen ihre Wachstumserwartungen für 2017 nach unten korrigiert.

Quelle: n-tv.de, chr/dpa

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