Wirtschaft

Schwarze Zahlen frühestens 2026 BER braucht weitere Milliarden vom Staat

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Der neue Flughafen wird noch viele Jahre leerer sein als ursprünglich geplant.

(Foto: picture alliance / Fotostand)

Der neue Hauptstadtflughafen ist bereits mit 4,5 Milliarden Euro verschuldet. Das war allerdings vor der Corona-Krise: Um die nun folgende "mehrjährige Durststrecke" mit weniger Passagieren überbrücken zu können, müssen Berlin, Brandenburg und der Bund weiteres Geld hinzuschießen.

Die öffentliche Hand soll dem angeschlagenen Hauptstadtflughafen BER mit weiteren 1,9 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Dies sieht der Finanzplan für die nächsten Jahre vor, wie die Betreibergesellschaft FBB nach einer Aufsichtsratssitzung mitgeteilt hat. Schwarze Zahlen werde es wegen des Einbruchs im Flugverkehr aufgrund der Corona-Krise frühestens 2026 geben. Die Eigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund müssen den Airport bereits für 2020 und 2021 wegen der Pandemie und des Passagierrückgangs finanziell stützen. FBB-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider sagte, der Aufsichtsrat habe einmütig an die Gesellschafter appelliert, die Vorschläge der Geschäftsführung zu unterstützen.

Die FBB ist mit 4,5 Milliarden Euro verschuldet. Das Konzept sieht vor, dass die Gesellschafter ab 2022 in fünf jährlichen Teilschritten insgesamt knapp 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Davon seien 1,1 Milliarden Euro zur Teilentschuldung der Flughafengesellschaft und rund 800 Millionen Euro als Liquiditätshilfe vorgesehen, sagte FBB-Chef Engelbert Lütke Daldrup. Zudem sollen die Corona-Hilfen für 2020/2021 von rund 960 Millionen Euro in Zuschüsse umgewandelt werden. Die 660 Millionen Euro für 2021 werde man aber nicht ganz brauchen, "selbst wenn die Krise noch katastrophal lange dauert".

Der Bund kündigte an, dass die Eigentümer bei einem Gesellschaftertreffen am 19. März den Finanzbedarf beraten. "Der Bund wird seiner Verantwortung als Miteigentümer der FBB entsprechend der Beteiligungsverhältnisse im Gleichlauf mit den anderen Gesellschaftern nachkommen", erklärte das Bundesfinanzministerium. Auch Brandenburg stehe zu dem Flughafen, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Potsdam. Man werde gemeinsam Lösungen finden.

Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz erklärte, es gehe um "das Überbrücken einer Durststrecke, die mehrere Jahre dauern wird". Dazu müsse man rasch eine Entscheidung im Konsens der drei Gesellschafter und ihrer Parlamente zu finden. "Weiterhin sind beihilferechtliche Bestimmungen zu beachten."

Aufsichtsrat segnet Abflug ab

Der BER wurde nach jahrelangen Verzögerungen wegen Problemen am Bau Ende Oktober 2020 eröffnet. Die Kosten stiegen von rund 2,7 Milliarden Euro auf knapp sechs Milliarden Euro. Der 64-jährige Lütke Daldrup hat noch einen Vertrag bis März 2022, will aber schon Ende September aufhören. Der Aufsichtsrat stimmte dem zu.

Lütke Daldrups vorzeitiger Abgang kam zwar überraschend. Aber rund um den Flughafen und in der Branche haben viele Menschen Verständnis für den Schritt. Denn der studierte Raumplaner übernahm im März 2017 den FBB-Chefposten und schaffte anders als seine vielen Vorgänger nach jahrelanger Verzögerung die Eröffnung des BER. In einem Brief an den Aufsichtsrat schrieb Lütke Daldrup, er sehe seine "damals übernommenen Aufgaben als im Wesentlichen erfüllt an".

Durch den Einbruch des Luftverkehrs in der Virus-Pandemie muss nun eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger den Airport durch die Krise steuern. Im Umfeld der Eigner hieß es, man werde ausloten, ob die für Finanzen zuständige Geschäftsführerin Aletta von Massenbach für den Job infrage kommt. Die langjährige Managerin des Frankfurter Flughafen-Betreibers Fraport ist allerdings erst seit September 2020 an Bord. Bretschneider kündigte an, man werde die Nachfolge rasch klären.

Für 2021 erwartet Lütke Daldrup rund 10,7 Millionen Fluggäste - und damit nur 30 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019 mit 35,6 Millionen. Mit einer Erholung der Passagierzahlen rechnet die FBB erst für 2025. Der Airport will deshalb Kosten senken und streicht rund 80 Prozent der für die nächsten fünf Jahre geplanten Investitionen von 500 Millionen Euro.

Quelle: ntv.de, chr/rts

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