Wirtschaft

Nun droht auch die EVG Bahn appelliert, GDL bleibt stur

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Der GDL-Streik geht noch bis Sonntag.

(Foto: REUTERS)

Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL stört den Bahn-Verkehr massiv. Der Konzern fordert einen Abbruch des Ausstandes. Die GDL droht mit weiteren Arbeitsniederlegungen. Auch ihre größere Konkurrentin EVG signalisiert nun Streikbereitschaft.

Nachdem der Streik der Lokführer auch im Personenverkehr voll durchschlägt, hat die Deutsche Bahn zum Abbruch des Arbeitskampfes aufgerufen. "Wir appellieren an die GDL, den Streik nicht bis Sonntag durchzuziehen", sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß. Er erneuerte das Angebot an die Lokführergewerkschaft, über eine Schlichtung zu einem Kompromiss zu kommen. "Das ist ein gangbarer Weg", erklärte Stauß.

Seinen Angaben zufolge gelingt es der Bahn, im Fernverkehr ein Drittel der Züge auf die Gleise zu bringen. Im Regionalverkehr seien es zwischen 50 und 60 Prozent in den alten Bundesländern. Dort kann die Bahn auf beamtete Lokführer zurückgreifen, die die Arbeit nicht niederlegen dürfen. Im Osten fehlen die Bahn-Beamten, so dass hier nur 15 bis 20 Prozent der Regionalzüge rollen. "Der Ersatzfahrplan funktioniert stabil. Die Bahnen sind voller als noch beim letzten Streik", ergänzte Stauß.

Dagegen seien die Ausfälle im Güterverkehr erheblich. Nur jeder zweite Zug könne bedient werden. "Wir verlieren viele Transporte an die Wettbewerber", klagte Stauß über die Auswirkungen des Ausstandes. Die Gütersparte versuche, hier zu priorisieren und die Unternehmen zu beliefern, denen Produktionsausfälle drohen.

Der Bahn-Sprecher nannte den Streik der GDL maßlos und übertrieben. Er wehrte sich gegen den Vorwurf, der Staatskonzern spiele auf Zeit, um das Tarifeinheitsgesetz abzuwarten. "Wir wollen zügig zu einem Ergebnis kommen. Wir warten nicht auf ein Gesetz", so Stauß. Nach seinen Worten wird die Bahn die Arbeitsniederlegungen nicht gerichtlich angreifen. "Wir wollen verhandeln", betonte er.

Weselsky bleibt unnachgiebig

Derweil drohte die GDL mit neuen Arbeitsniederlegungen. "Wenn das Bahnmanagement unbeeindruckt auf uns zeigt unter der Überschrift: 'Das sind Streikhanseln', dann werden die Mitglieder der GDL - die Lokführer und Zugbegleiter - das Management weiter abstrafen wollen", sagte GDL-Chef Claus Weselsky in der ARD. Er lehnte eine auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel geforderte Schlichtung ab.

Derweil werden in der Union Forderungen nach einer sogenannten Zwangsschlichtung laut. "Es kann nicht angehen, dass über Wochen Funkstille herrscht, dass man kein Stück weiterkommt in den Verhandlungen und dass dann Bürger, Bahnbenutzer oder Flugzeugbenutzer und natürlich auch die Unternehmen erheblich leiden", sagte Fraktionsvize Michael Fuchs bei n-tv. "In Deutschland haben wir eine vernünftige Funktion in der Tarifautonomie. Aber es kann nicht sein, dass zwei Gewerkschaften sich nun gegenseitig bekriegen, wie wir es ja nun hier haben."

Die Bahn pocht unterdessen ihrerseits auf eine Schlichtung. "Wir werden darauf beharren, dass wir in ein solches Verfahren gehen", sagte Personalvorstand Ulrich Weber im Deutschlandfunk. Der Fahrgastverband "Pro Bahn" brachte eine Moderation ins Gespräch. "Wir würden es uns wünschen, dass jemand hilft, dass beide Seiten wieder sprachfähig werden. Ich weiß nicht, ob eine Schlichtung, wie es die Bundeskanzlerin vorgeschlagen hat, richtig ist. Aber ich denke, zumindest eine Moderation durch jemanden, der von weit außerhalb des Verkehrsbereichs kommt, der versucht, beide Seiten wieder sprachfähig zu machen, könnte eine Lösung sein", sagte Verbandssprecher Karl-Peter Naumann bei n-tv.

Schärferer Ton von der EVG  

Der Bahn und ihren Kunden droht weiteres Ungemach. Die größere Bahngewerkschaft EVG schließt nun Streiks in der laufenden Tarifrunde ebenfalls nicht aus. Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner bekräftigte in der ARD: "Wenn am Ende des Prozesses wir feststellen, dass aufgrund der Eskalation das, was wir wollen, nämlich eine einheitliche Erhöhung für alle Beschäftigten um sechs Prozent und mindestens 150 Euro, nicht realisierbar ist über Tarifverhandlungen, schließen wir natürlich einen Streik auch nicht aus."

Die EVG will laut Kirchner verhindern, dass die unteren Einkommensgruppen im Tarifkonflikt abgehängt werden. "Das sind Kolleginnen und Kollegen, die für 1100 netto und 800 Euro Miete ihr Leben fristen müssen. Da kann es nicht sein, dass einzelne Berufsgruppen versuchen, aus diesem Kuchen, der zu verteilen ist im Bahnkonzern, mehr raus zu holen." Streik sei ein probates Mittel, wenn es am Verhandlungstisch nicht mehr gehe, betonte Kirchner. Im Gegensatz zur GDL streike die EVG allerdings nicht, um Strukturen zu ändern, sondern für mehr Geld.

Quelle: ntv.de, wne/DJ/rts/dpa