Wirtschaft

Digitalisierung der Schiene Bahn beklagt fehlendes Industrieangebot

111631118.jpg

Die Digitalisierung der Deutschen Bahn stockt. Noch.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei der Zuverlässigkeit auf der Schiene hapert es seit Jahren. Als eine Ursache dafür macht die Deutsche Bahn auch das fehlende Digitalangebot der Industrie aus. Mit einem eigenen "europäischen Leuchtturm-Industrieprojekt" will sie das Problem angehen.

Die Deutsche Bahn will mit milliardenschweren Investitionen in Digitaltechnik mehr Platz auf der Schiene schaffen und damit Verspätungen bekämpfen. Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla beklagt allerdings ein fehlendes Angebot: "Mein Eindruck ist, dass die Forschungskapazitäten in der deutschen Wirtschaft dafür durchaus erhöht werden können", sagt der Ex-Politiker. Statt Systemangebote für die Fahrzeuge biete die Industrie nur "individuelle Manufakturleistungen".

Die Bahn will deshalb eine Digitalgesellschaft gründen, um gemeinsam mit der Industrie Lösungen zu entwickeln. "Das kann eine der europäischen Leuchtturm-Industrieprojekte der nächsten 20 Jahre werden", sagt Pofalla. "Wir glauben, dass wir in zwei, zweieinhalb Jahren diese Produkte entwickeln können."

Im digitalen Schienennetz gibt es keine klassischen Signale mehr. Leit- und Sicherungstechnik basieren auf Funk und Sensoren. Hinzu kommen digitale Stellwerke. "Damit können wir bis zu einem Drittel zusätzliche Kapazität gewinnen", sagt Pofalla mit Blick auf die 2020er Jahre. Zusätzliche Gleise seien dafür nicht nötig. Personen- und Güterzüge könnten in dichterer Folge fahren als bisher.

Vorbild: Strecke Berlin-München

"Der Fahrgast spürt es daran, dass sich die Zuverlässigkeit des Systems deutlich erhöht", sagt Pofalla. "Das beste Beispiel ist die weitestgehend digitalisierte Strecke Berlin-München." Mehr als 80 Prozent der Fernzüge seien dort pünktlich, die Störungen gingen deutlich zurück. Um in den nächsten 20 Jahren das komplette Netz und die Züge auf die Leittechnik ETCS (European Train Control System) umzustellen, wären nach einem Gutachten 28 Milliarden Euro nötig.

Die Bahn hat sich zunächst fünf Streckenabschnitte als Digitalprojekte vorgenommen - neben Berlin-München die Hochgeschwindigkeitsstrecke Frankfurt-Köln und der Raum Stuttgart, wo der Konzern vieles neu baut. Hinzu kommen die Güterkorridore von Rotterdam nach Genua und von Skandinavien Richtung Italien. 570 Millionen Euro plant die Bundesregierung bis 2023 dafür ein, bis 2025 wäre darüber hinaus eine knappe Milliarde notwendig, sagt Pofalla.

Störungen im Netz will die Bahn auch verhindern, indem sie unter dem Schlagwort "PlanRadar" ihre Daten besser verknüpft. "Wir wollen Probleme schon Tage früher vorhersagen und so die Einschränkungen deutlich reduzieren, weil wir auf diese präventiv reagieren können." Daten aus dem Bahnbetrieb würden mit Wetterdaten verknüpft. "So konnten wir uns in diesem Jahr zum ersten Mal auf vorhergesagte Stürme noch besser vorbereiten und dadurch den Bahnbetrieb schneller wieder hochfahren."

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, chr/dpa

Mehr zum Thema