Wirtschaft

Wahlmodell verstärkt Personalnot Bahner wollen lieber Urlaub als Geld

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Bei der Bahn beginnen Ende der Woche Tarifverhandlungen.

(Foto: imago stock&people)

Dieses Jahr hatten die Bahnmitarbeiter die Wahl: Sechs Tage mehr Urlaub oder 2,6 Prozent mehr Geld. Dass sich eine Mehrheit für die zusätzliche Freizeit entschied, stellt das Unternehmen vor Probleme. Die könnten noch größer werden.

Mehr Freizeit statt mehr Geld: Anstelle einer Lohnerhöhung für 2018 haben bei der Deutschen Bahn 58 Prozent der Tarifbeschäftigten sechs zusätzliche Urlaubstage gewählt. Zwei Prozent der Mitarbeiter entschieden sich für eine weitere Alternative: eine Arbeitsstunde weniger pro Woche. Wie der bundeseigene Konzern mitteilte, erhalten die übrigen Mitarbeiter 2,6 Prozent mehr Geld.

Die Wahlmöglichkeit war mit den Gewerkschaften bei den letzten Tarifverhandlungen verabredet worden. Alle zwei Jahre können sich die Beschäftigten neu entscheiden. Wenn am Donnerstag in Berlin neue Tarifverhandlungen für rund 160.000 Tarifbeschäftigte der Bahn in Deutschland beginnen, steht das Thema deshalb wieder auf der Tagesordnung. 

Die Bahn-Gewerkschaften EVG und GDL wollen, dass das Wahlmodell ausgebaut wird. Laut einer EVG-Mitgliederbefragung stimmten 44 Prozent für die Option "nochmal mehr Urlaub", 45 Prozent würden sich für mehr Geld entscheiden, 11 Prozent für eine weitere Arbeitszeitverkürzung.

Der Bahn bereitet das Bauchschmerzen. Noch mehr Urlaubstage heißt: weniger Personal oder noch mehr Einstellungen. Das ist beim derzeitigen Fachkräftemangel nicht einfach. Personalvorstand Martin Seiler sagte, es gehe in der Tarifrunde um ein Gesamtpaket, das die Leistung der Mitarbeiter wertschätze. Man müsse aber auch das Kerngeschäft im Blick behalten. Weil sich in diesem Jahr so viele Mitarbeiter für mehr Freizeit entschieden, musste die Bahn nach eigenen Angaben bereits 1500 Beschäftigte zusätzlich einstellen.

Mit der EVG und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer sind bislang bis Mitte November jeweils drei Verhandlungstermine vereinbart. Streiks, insbesondere an Weihnachten, will die Bahn verhindern. "Wir wollen am Verhandlungstisch zügig vernünftige Lösungen finden", sagte Seiler.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa/AFP