Wirtschaft

Zahltag naht Bankern winken fette Boni

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London hat Banken Bonus-Obergrenzen verordnet. Nicht zuletzt verdienten die Geldhäuser so gut, weil der Staat die Wirtschaft stütze, lautet ein Argument.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach dem mageren Corona-Jahr sprudeln bei den Geldinstituten wieder die Gewinne. Mit Boni und Gehaltserhöhungen sollen die Investmentbanker am Erfolg teilhaben. Vor allem die Geldhäuser in den USA greifen tief in die Tasche. In London stößt das auf Kritik. Nicht nur moralisch sei der Geldsegen "fragwürdig".

Investmentbanker in den europäischen Geldhäusern dürfen sich nach dem mageren Corona-Jahr 2020 wieder auf fette Bonuszahlungen freuen. Eine Welle von Übernahmen und Börsengängen rollt, bei den Instituten sprudeln wieder die Gewinne - und davon wollen die gestressten Banker ihren Teil abhaben. Wenn sie ihr Personal halten wollen, müssen die Banken tief in die Tasche greifen.

"Die Banken wissen, dass sie in der nächsten Bonus-Runde etwas auf den Tisch legen müssen", sagt Sophie Scholes, die bei der Personalberatung Heidrick & Struggles für die Finanzbranche in Großbritannien verantwortlich ist. Boni und Gehaltserhöhungen dürften im zweiten Halbjahr daher noch steigen. Zwei Faktoren fielen dabei ins Gewicht: "Das eine ist der schiere Wettbewerb um Talente, das heißt, man will gute Leute halten." Zum anderen sei den Banken klar, dass die Banker viel geleistet und weitere begehrte Aufträge an Land gezogen hätten.

Vor allem die britischen Banken versuchen, mit Amerikanern und Asiaten mitzuhalten, wo die Bonustöpfe traditionell größer ausfallen als in Europa. Die britische Bank Barclays hat das Gesamtbonusvolumen um 46 Prozent auf 1,1 Milliarden Pfund vergrößert, HSBC hat im ersten Halbjahr 900 Millionen Pfund oben draufgelegt. Standard Chartered rechtfertigte eine achtprozentige Kostensteigerung mit einer "Normalisierung der erfolgsabhängigen Bezahlung". Bei der Deutschen Bank sind Gehälter und Boni im Investmentbanking immerhin um sechs Prozent gestiegen.

Im Vergleich zu den US-Häusern ist das wenig: Bei Goldman Sachs sind die Vergütungen gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Milliarden Dollar gestiegen, beim Rivalen JPMorgan um zwei Milliarden Dollar. So stark umworben gewesen seien Banker seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr, sagen Manager und Personal-Verantwortliche. Schließlich sind die angesichts der anziehenden Konjunktur, der anrollenden Fusionswelle oder dem heiß laufenden Geschäft mit Börsengängen leerer Firmenmäntel (SPAC) so beschäftigt wie lange nicht.

Das wirkt sich auch auf den Nachwuchs aus: Goldman Sachs erhöhte das Gehalt für Junior-Investmentbanker im ersten Jahr auf 110.000 Dollar, HSBC zog nach und bietet neu eingestellten Analysten in den USA nun 100.000 Dollar. In Zeiten, da Hochschul-Absolventen mehr auf ihre "Work-life-Balance" achten, sind Nachwuchsbanker immer schwerer dazu zu bewegen, 80 Stunden und mehr pro Woche zu arbeiten, um nach oben zu kommen.

Ringen um Bonus-Obergrenzen für Londoner Banker

In London können die Banken bei den Boni oft nicht mithalten. Denn in Großbritannien gilt eine Obergrenze für solche Extras: Maximal das Doppelte des Grundgehalts ist drin. Laut Medienberichten wollen die britischen Banken die Kappungsgrenze in Gesprächen mit der Politik aushebeln. Simon Youel von der Interessengruppe "Positive Money" ist strikt dagegen: "Riesige Boni zu zahlen in einer Zeit, in der Unternehmen und Haushalte zu kämpfen haben und die Konjunkturaussichten so unsicher sind, ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern auch wirtschaftlich unverantwortlich." Immerhin verdienten die Banken auch deshalb so gut, weil der Staat die Wirtschaft stütze.

Bankmanager versuchen sich zu rechtfertigen, wissen aber auch, dass das Image der Geldhäuser unter einer Bonus-Debatte leiden könnte. Barclays-Chef Jes Staley verweist darauf, dass die Investmentbanker in schlechteren Zeiten weniger verdienten, damit die Banken ihre Renditen halten könnten. "Wir müssen die Leute doch belohnen", sagte der Vorstandschef einer britischen Bank, der nicht genannt werden wollte. "Die Leute hatten eine schwierige Zeit." Wer ein Jahr ständig aus dem Homeoffice gearbeitet habe, wolle nun etwas davon haben.

Quelle: ntv.de, ddi/rts

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